Die Corona-Pandemie bringt dem Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) Kitzingen reichlich Arbeit. Knapp 930 Dienststunden absolvierte der Ortsverband bislang. Auch wenn jetzt immer mehr Lockerungen kommen, warnt Alexander Fischer, Ortsbeauftragter für Kitzingen, vor Leichtsinn. "Das einfachste Hilfsmittel ist weiterhin Abstand zu halten", sagt Fischer. Deshalb startet der Ortsverband die Aktion "Nähe zeigen durch Abstand halten – #FürEuchDa". Banner werden dazu im Stadtgebiet aufgestellt.

Am 27. Januar wurde der erste Infektionsfall von Covid-19 in Deutschland offiziell bestätigt.  Die Weltgesundheitsorganisation hatte am 11. März eine weltweite Pandemie erklärt. Dies führte am 13. März zur Aktivierung des Pandemieplans der Bundesanstalt THW. Obwohl die Wochen vorher die ehren- und hauptamtlichen Helfer und Helferinnen schon verschiedene Aufgaben und Einsätze im Bereich dieser Infektionskrankheit ableisten mussten, änderte sich an diesem Tag laut Alexander Fischer nahezu alles. Mit der Aktivierung des Pandemieplans wurden alle Dienste und Veranstaltungen eingestellt, die nicht unmittelbar zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft beitrugen.

Starke Jugendgruppe

Dies bedeutete unter anderem, dass die wöchentliche Ausbildung der 30-köpfigen Jugendgruppe – eine der stärksten in Unterfranken – wie auch die Grundausbildung komplett eingestellt wurde. Die Regelausbildungen des Technischen Zuges und seiner Fachgruppen wurden ausgesetzt.

Dienstbesprechungen geschahen virtuell. Man habe Regelungen geschaffen, dass nach Möglichkeit nicht mehrere Helfer und Helferinnen gleichzeitig in der Unterkunft gewesen seien, erzählt Fischer. Wenn doch, dann unter Berücksichtigung aller Sicherheits- und Hygienemaßnahmen.

So gab es unter anderem bei Einsätzen eine maximale Fahrzeugbesatzung und die Pflicht zum Tragen entsprechender Schutzausstattung. Seit dem Beginn dieser Ausnahmesituation ist trotzdem viel passiert. Neben den "normalen" Einsätzen – das THW war bei Bränden, beim Wintereinsatz auf der Autobahn oder bei einem Einsatz auf dem Dschungelpfad bei Volkach dabei – übernahm die Bundesanstalt THW in Bayern laut Fischer für den Freistaat die logistische Abwicklung der Hilfsgütertransporte an die Kreisverwaltungsbehörden. Auch der Ortsverband Kitzingen war und ist eingebunden.

30 000 Liter Desinfektionsmittel

So wurden unter anderem Transportfahrten zum zentralen Logistikstützpunkt nach München sowie die Verteilung und direkte Übergabe der Hilfsgüter an das Landratsamt Kitzingen getätigt. Es gab an den Landkreis Kitzingen 36 Anlieferungen, dabei kamen knapp 930 Dienststunden und 18000 Kilometer Fahrstrecke allein für den Weinlandkreis zusammen. Es wurden über 30 000 Liter Desinfektionsmittel und viele andere Hilfsgüter geliefert, zum Beispiel 110000 Schutzmasken, 237 000 Stück medizinischer Mundschutz, 52000 Schutzhandschuhe, 4500 Schutzbrillen und rund 3500 Schutzanzüge.

Manche Transporte in Bayern hätten unter Polizeischutz stattgefunden. Auch in Unterkünfte sei eingebrochen worden, wohl in der Hoffnung, dort Schutzausrüstung zu finden, vermutet Fischer. Doch in den Unterkünften werde nichts gelagert, das Material werde abgeholt und direkt beim Empfänger abgeliefert.

Zusätzlich stand der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landratsamtes Kitzingen rund um die Uhr ein Fachberater des THW auf Abruf zur Verfügung. Dieser nahm an verschiedenen Besprechungen teil oder organisierte anfallende Maßnahmen.

Regeldienst in Sicht

Nach nunmehr etwa 80 Tagen absoluter Einschränkung merke man auch die ersten Auswirkungen der Lockerungen, sagt Fischer. Es gebe einen vierstufigen Plan zur Wiedereinführung des Dienstbetriebes in den Ortsverbänden. Nachdem man die vergangenen Wochen auf der höchsten Eskalationsstufe war, werde jetzt sukzessive wieder der Regeldienst aufgenommen. "Solange es keinen Impfstoff gibt, wird dies unter Beachtung aller Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie organisatorischen Einschränkungen erfolgen", betont der Ortsbeauftragte.

Ziel sei es, zum 8. Juni im Ortsverband den Regeldienst wieder schrittweise, zumindest für Teileinheiten, aufzunehmen. Was zum Bedauern von Alexander Fischer nicht stattfinden kann, das ist das Sommerfest im Juli. Das beliebte Promenadenfest findet regulär so wie so erst 2021 statt