Ausgerechnet am bisher heißesten Tag des Jahres  kommt die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) in den Landkreis Kitzingen. Mit Vertretern aus der Branche will sie sich Frostschäden an den fränkischen Weinbergen anschauen. Doch das ist nur scheinbar ein Widerspruch: Durch die Klimaerhitzung setzt die Vegetationsphasen der Pflanzen schon früher ein. Kommt es dann noch mal zu Frost – wie heuer Mitte Mai – hat das verheerende Folgen für den Weinbau. In ganz Franken etwa wurden laut dem Fränkischen Weinbauverband 60 Prozent der Fläche geschädigt. Die Winzer rechnen für dieses Jahr mit 30 Prozent Ertragsverlust.

Die Schäden sind von Ort zu Ort unterschiedlich. Bewunderte die Ministerin in Volkach (Lkr. Kitzingen) einen prächtig gedeihenden Weinberg, sieht die Situation keine vier Kilometer Luftlinie ganz anders aus. Zwar wirken auf den ersten Blick auch in Nordheim die Weinberge der Winzergenossenschaft Divino grün und lebendig. Doch erst bei genauerem Hinschauen fällt auf: Die Blätter und Blüten der Weinreben sind braun und verwelkt. Paul Glaser, Leiter des Qualitätsmanagements von Divino, pflückt eine Blüte und zeigt sie der Ministerin. Die Pflanze zerbröselt in seiner Hand.

Winzer rechnen mit bis zu 50 Prozent Ernteausfall

"Wir rechnen hier mit 80 Prozent Schäden", sagt Glaser zur Situation auf der Nordheimer Maininsel, wo seine Winzergenossenschaft auf 600 Hektar Wein anbaut. Bis auf zwei fielen alle Zeilen dem Frost zum Opfer. Zu retten ist davon wenig. "Wir können nur auf Stockerhalt gehen", erklärt Artur Baumann vom Weinbauring Franken der Ministerin. Das bedeutet, die Pflanzen heuer zu schonen und damit auf Ertrag zu verzichten, was wiederum zu Umsatzeinbußen führt. "Ohne Trauben kein Wein, und ohne Wein keine Vermarktung", sagt Baumann. "Dann geht es an die Existenz." Er rechnet sogar mit bis zu 50 Prozent Ertragsverlust in Franken.

Und auch im nächsten Jahr könnte die Situation wieder kritisch werden. Denn: "Was wir heute sehen, sind Probleme des Klimawandels", betont der fränkische Weinbaupräsident Artur Steinmann. Heuer stehe das  dritte Dürrejahr in Folge an.  Noch dazu komme immer häufiger extremes Wetter wie Hagel oder Starkniederschläge, die die Pflanzen gefährden. "Wir brauchen eine gemeinsame Anpassungsstrategie, die uns hilft, den Klimawandel anzugehen", fordert Steinmann von der bayerischen Landwirtschaftsministerin.

Ministerin bestätigt staatliche Hilfe für die Winzer

Den Anfang machen soll eine staatliche Bezuschussung für die sogenannte Mehrgefahrenverischerung, wie es sie schon seit Ende vergangenen Jahres in Baden-Württemberg gibt. Die Versicherung soll witterungsbedingte Risiken im Obst- und Weinbau decken, gehe aber bei großen Flächen zu sehr ins Geld. "Das kannst du dir nicht leisten", sagt Paul Glaser von Divino. Daher soll der Freistaat die Winzer unterstützen.

"Aktuell können wir nicht mit Geld Abhilfe verschaffen", sagt Michaela Kaniber. Für das nächste Jahr verspricht die Ministerin aber allerdings, dass die Winzer wie in Baden-Württemberg bei der Versicherung unterstützt werden. Ab 2o21 soll es vom Freistaat jährlich 1,5 Millionen Euro für die Obst- und Weinbauern geben.