Das Jahr 2020 war für den Tourismus im Landkreis ein wildes Auf und Ab. Nach einem guten Start ins Jahr, kam im März der erste Lockdown. Bis Ende Mai mussten die Hotels schließen. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten erholte sich die Branche in den Sommermonaten, besonders am Altmain, wo sich sogar Widerstand formierte, weil zeitweilig sehr viele Besucher kamen. Im Herbst bereiteten dann das Beherbergungsverbot und der Lockdown light, das teilweise Herunterfahren von Betrieben, den Hoteliers wieder Sorgen. 

"Grundsätzlich haben wir an der Mainschleife die pandemiebedingte Situation in der Sommer- und Herbstsaison 2020 mit zwei blauen Augen überstanden", fasst Marco Maiberger,  Tourismus-Chef der Volkacher Mainschleife zusammen. Konkrete Zahlen dazu gibt es auch. Im Landkreis Kitzingen ist Volkach die einzige Stadt, die bis September sogar minimal mehr Gäste empfangen konnte, als im Vorjahreszeitraum. Über 115 000 Übernachtungen zählte der Tourismusverband in den ersten drei Quartalen, eine Steigerung um etwa 0,5 Prozent. Dabei profitierten die Mainschleife und Volkach extrem vom Inlandstourismus, der dieses Jahr geradezu explodierte.

Mehr Familienurlauber im Landkreis

Im ganzen Landkreis ging die Zahl der Gäste um 20,6 Prozent zurück. 472 281 Übernachtungen gab es laut Statistischem Bundesamt in den ersten drei Quartalen. "In den großen Städten wie Würzburg oder Schweinfurt fehlen vor allem die Geschäftsreisenden und die Gäste aus dem Ausland", erklärt Susanne Müller, Geschäftsführerin der Fränkisches Weinland Tourismus GmbH. Deshalb kam der Weinlandkreis Kitzingen verhältnismäßig gut durch die Krise. Insgesamt geht Müller nämlich von 40 bis 50 Prozent weniger Übernachtungen aus.

Das liegt auch daran, dass 2020 ein ganz anderes Publikum in den Landkreis und an die Mainschleife kam, wo immerhin fast die Hälfte der Übernachtungen gebucht wurden. "Viele Menschen haben die Mainschleife 2020 als Urlaubsregion neu für sich entdeckt", berichtet Maiberger. Besonders auffällig war dabei, dass viele junge Leute zwischen 30 und 40 Jahren in den Landkreis kamen. Außerdem bestätigten viele Hoteliers, dass der Familienurlaub dieses Jahr häufiger an der Mainschleife stattfand. Dies zeigt auch die Aufenthaltsdauer der Gäste. Früher blieben Touristen im Schnitt drei Tage im Landkreis. "In diesem Sommer wurde sogar wochenweise gebucht", weiß Maiberger. 

Neue Konzepte für neue Gäste

Diese Entwicklung beobachtete auch Müller. "Im Sommer kamen Gäste, die sonst nicht kommen, besonders Familien mit kleinen Kindern", sagt sie. Besonders überraschend sei das, weil die Region nicht für Freizeitparks und Spaßbäder bekannt sei. Eine entscheidende Rolle spielte dabei der Wohnmobil-Tourismus. Dieser habe laut Müller fast explosionsartig zugenommen, ebenso wie der Tagestourismus.

Auf diese veränderte Nachfrage will man im Landkreis reagieren. Die Mainschleife bietet ein eigenes Winter-Erlebnisprogramm und ab Ende März neue Konzepte zur Gestaltung des Urlaubs. Maiberger möchte die Urlauber schon vorab informieren, wo sie am Altmain parken können, wo sie mit ihrem Wohnmobil stehen können und wie sie ihre Tagesausflüge planen können. 

"Gerade die Innenstadt von Volkach wurde bis spät in die Nacht zur Weinpilgerstätte erklärt und auch die Ortsteile wie Astheim und Escherndorf wurden aufgrund ihrer Lage zum Altmain regelrecht überrannt", blickt Jochen Flammersberger, der für die Bürgerliste im Volkacher Stadtrat sitzt, durchaus kritisch auf 2020 zurück. Bei einigen Bügern sei die Freude über Touristen in Zorn und Ärger umgeschlagen. Deshalb wünscht auch er sich für das kommende Jahr eine Lösung weg vom Massentourismus, damit die Mainschleife auf Dauer reizvoll bleibt. Flammersberger hatte im August an einigen Sonntagen Kundgebungen mitorganisiert, die sich gegen Übertourismus am Altmain wandten.

Umweltschützer schlagen Alarm

Auch die Bürgerinitiative LAMA, die sich für den Landschaftsschutz Mainschleife einsetzt, ist der Meinung, dass die Grenze des Erträglichen diesen Sommer überschritten war. Deutlich sei dies besonders an der zunehmenden Müllproblematik, der ausufernden Parksituation und dem unkontrollierten Abstellen von Wohnmobilen geworden. Da LAMA aber nicht grundsätzlich gegen Tourismus ist, hat auch die Bürgerinitiative Lösungsvorschläge fürs kommende Jahr. Unter anderem sollen über die Naturschutzgebiete besser informiert werden und das Betretungsverbot schärfer kontrolliert werden. Außerdem will LAMA, dass mehr kostenpflichtige Parkplätze ausgewiesen und die touristischen Ströme besser gelenkt werden.

2020 war die erste Sommersaison für das neue Sonnenhotel in Volkach. Hoteldirektor Carsten Hinz zieht ein durchwachsenes Fazit. Zu Beginn des Jahres ging es gut los und das Hotel hatte viele Buchungen, doch das staatlich verordnete Herunterfahren machte vieles kaputt. Erst im Juli, August und September kamen die Gäste zurück, ehe das Beherbergungsverbot und die unsichere Lage im Oktober für viele Stornierungen sorgten. "Die Monate im Sommer haben zu einem kleinen Teil für den Lockdown entschädigt", schätzt Hinz. 

Silvesterfeuerwerk vom Hoteldach

Die gute Laune lässt er sich von den erneuten Einschränkungen nicht verderben: "Ich gehe davon aus, dass ich das Hotel ein drittes Mal eröffnen darf", scherzt er. Allerdings dieses Mal erst am 20. Dezember, um sicher zu sein, denn eine Verlängerung des Lockdowns hält Hinz nicht für ausgeschlossen. Für Silvester gibt es bereits erste Buchungen von Gästen, die sich das Feuerwerk über der Mainschleife von der Dachterasse aus nicht entgehen lassen wollen.