Unsere Vorfahren haben den Namen Bärlauch vermutlich aus der Beobachtung der Bären hergeleitet. Diese waren nämlich nach ihrem langen Winterschlaf ganz wild auf die nahrhaften grünen Blätter dieser Wildpflanze, um ihre Energiereserven wieder aufzutanken. Das wollten aber die Menschen damals auch – und tatsächlich: Die erhoffte Stärkung trat mit dem Genuss dieses Wunderkrauts ein.

Der zweite Name, Wilder Knoblauch oder Wald-Knoblauch ist schnell erklärt. Es steigt einem der Duft nach Knoblauch bereits in die Nase, bevor die Pflanzen überhaupt zu sehen sind. Bereits die alten Römer legten besonderes Augenmerk auf die heilende Wirkung des Bärlauches. Nach gehaltvollen Gelagen brachte diese Pflanze den Magen und die Leber wieder ins Gleichgewicht. Später attestierte Hildegard von Bingen dieser „sprießenden Grünkraft“ beste Heilwirkungen und empfahl in ihren Schriften nachhaltig dessen Genuss. In der Nachkriegszeit strömten die Städter hinaus in die umliegenden Wälder, um das wilde Kraut zu sammeln und so ihren damals nicht sehr ausgewogenen Speiseplan aufzuwerten.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung geriet aber der Bärlauch wieder in Vergessenheit. Dem Starkoch Eckart Witzigmann ist es zu verdanken, dass der Waldknoblauch neu für die gehobene Gastronomie entdeckt wurde und jetzt wieder voll im Trend liegt. Bärlauch verliert nämlich beim Trocknen seine Wirkung und sämtliche Inhaltsstoffe. Frische Blätter dagegen enthalten reichlich Vitamin C, Lauchöle und Flavonoide. Die unterstützende Heilwirkung bei Arterienverkalkung, hohem Blutdruck, Gallen- und Leberleiden konnte nachgewiesen werden. Der Bärlauch hilft zudem gegen Blähungen und Durchfall. Er ist ein „Allrounder“ gegen Frühjahrsmüdigkeit. Außerdem senkt er nachweislich das Cholesterin, regt den gesamten Stoffwechsel an und wirkt antibiotisch. Naturheilkundler nennen den Bärlauch neuerdings auch die europäische Antwort auf den Ginkgo. Tatsächlich wurde der Bärlauch 2012 zur Heilpflanze des Jahres gewählt.

Jedoch ist beim Sammeln Vorsicht geboten. Der Bärlauch gehört nämlich zu der Gattung der Liliengewächse. Die Blätter können leicht mit dem giftigen Maiglöckchen und der Herbstzeitlose sowie mit dem Aronstab verwechselt werden. Ein eindeutiges Merkmal ist der Geruch der Blätter. Diese riechen beim Bärlauch eindeutig stark knoblauchartig. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, kann den Bärlauch inzwischen als kultivierte Pflanze in den Garten setzen; er kommt jedes Jahr wieder und vermehrt sich schnell.

Am besten verwendet man den Bärlauch frisch. Die Pflanze findet ihren Einsatz in vielen Frühlingsgerichten. Hier sind die Möglichkeiten praktisch grenzenlos. Im Kräuterquark, Kräuterbutter, zu warmen Essen, als Suppe, im Salat oder Brotaufstrich und besonders auch als Pesto. Pikant würzig, aromatisch und dabei noch so gesund.

Mein Bärlauch-Lieblingsrezept

Bärlauchstrudel aus fertigem Blätter- oder Strudelteig:

Fülle:

500 Gramm Bärlauchblätter

200 Gramm Feta-Käse

1 Zwiebel

etwas Butter

100 Gramm geriebenen Parmesan

Salz

Pfeffer

Verarbeitung: Teig ausrollen und auf ein Backblech geben.

Für die Fülle:

Bärlauch gut waschen und abtropfen lassen, hacken, Zwiebel klein schneiden und in einem Topf Butter andünsten, Bärlauch hinzufügen, weiter dünsten bis er zusammenfällt. Abschmecken mit geriebenen Parmesan. Klein gewürfelten Feta-Käse und etwas Muskat verrühren; auf dem Teig verteilen und einrollen. Den Strudel mit verquirltem Ei und zerlassener Butter einstreichen.

Bei 180 Grad ca. 40 Minuten backen.

Dazu ein gemischter Wildkräutersalat.

Guten Appetit!