Veränderung ist möglich – dieser Gedanke zog sich durch die Predigt von Oberkirchenrat Stefan Reimers am Abend des Reformationstages in der Kitzinger Stadtkirche. Der ständige Vertreter des Landesbischofs und Personalreferent der bayerischen Landeskirche machte den Zuhörerinnen und Zuhörern Mut, Herausforderungen anzunehmen, als einzelne und als Kirche.

Die Geschichte des Propheten Jona bildete die Grundlage der Predigt. Der läuft erst weg vor dem Auftrag Gottes, unangenehme Wahrheiten zu verkünden. Ein Sturm und ein Aufenthalt in dunklen Meerestiefen im Inneren eines fremden Wesens bringen ihn zur Besinnung. Er predigt den Untergang der Stadt Ninive wegen der Bosheit der Menschen, nur um zu erleben, dass die Menschen tatsächlich ihr Leben ändern und Gott auf sein Strafgericht verzichtet. Der Erfolg seiner Predigt verärgert Jona, worauf Gott ihm ins Gewissen redet. Am Ende steht für Reimers die Frage Gottes an Jona: "Willst du wirklich, dass alles stirbt und vernichtet wird, obwohl die Menschen in sich die Kraft tragen zu lernen, aufzubrechen, umzukehren, zu bereuen und ein neues Leben zu beginnen?"

Gott gibt niemanden auf

Zwei Punkte können laut Reimers den Menschen heute Mut machen. Einmal im Blick auf die Leute von Ninive: "Es steckt in uns, die große Kraft für die vielen kleinen Schritte in eine andere Welt." Anders als Jona stellten sie sich den Problemen. Der zweite Punkt verbindet Jona und die Menschen in Ninive: Gott sieht sie beide und begleitet sie, den, der davonläuft, genau wie die, die sich von ihm getrennt hatten. Er gibt niemanden auf.

Der Ruf zur Veränderung, zum Aufbruch ziehe sich durch die Geschichte der Kirche, schlug Reimers den Bogen in die heutige Zeit. Krisenhaften Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft stellte er die kraftvolle Botschaft von der liebevollen Nähe Gottes, von Umkehr und Aufbrüchen gegenüber. Gott gebe uns alles in die Hand, "was wir brauchen, um mit den Herausforderungen zurechtzukommen".

Baderschneider: Kirche muss sich immer erneuern

"Ecclesia semper reformanda" war der Reformationsgottesdienst in der Stadtkirche überschrieben. Dass sich die Kirche immer erneuern müsse, sei ein Anliegen der Reformation, erklärte Dekanin Kerstin Baderschneider. Auch wenn der lateinische Satz nicht von Luther selbst stamme. Auch sei es nicht nur der Grundsatz der evangelischen Kirche, sondern beim synodalen Weg auch der der katholischen.

Gedanken zu den drei Begriffen "Ecclesia semper reformanda" trugen Dekanin Kerstin Baderschneider, Dieter Brückner vom Präsidium der Dekanatssynode und Prädikantin Uschi Sattes vom Dekanatsausschuss zusammen. "Ich wünsche mir eine Kirche, die sich öffnet, nicht eine, die konserviert", sagte Dekanin Baderschneider. Der Festgottesdienst zum Reformationstag wurde vom Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Dekanatskantor Martin Blaufelder musikalisch gestaltet.