Manfred Nyffeler war blutjung, als er am 9. August 1968 das erste Mal einen Teil seines Lebenssafts spendete. Nun ist er 70 und hat eine lange Spenderkarriere hinter sich. Wie viel Blut hat jemand gelassen, der sich 150 Mal anzapfen ließ? Wie war das beim ersten Mal? Und muss so ein Mensch Blut sehen können? Fragen an den gebürtigen Schweizer, der im Alter noch einmal umgezogen ist.

Frage: Herr Nyffeler, Sie waren gerade zum 150. Mal beim Aderlass. Wie sind Sie seinerzeit zum Blutspender geworden?

Manfred Nyffeler: Als ich 18 war, gingen mein Kumpel und ich in der Schweiz in eine Ausstellung. Da gab es einen Stand des Roten Kreuzes, an dem man uns fragte, ob wir nicht Lust hätten, Blut zu spenden. Nun, wenn man jung ist, sagt man schnell Ja. Bei meinem Kumpel ist es bei diesem einzigen Mal geblieben, aber ich habe es weitergemacht.

Erinnern Sie sich noch an das erste Mal?

Nyffeler: Ich weiß nichts mehr Genaues, nur dass es ein komisches Gefühl war. Aber Probleme gab es nicht – bis heute nicht.

Sie gehen seit 52 Jahren regelmäßig zur Blutspende. Gab es nie die Überlegung, aufzuhören?

Nyffeler: Früher durfte man ja bis zum 65. Lebensjahr Blut spenden, und in diesem Alter hätte ich auch aufgehört. Dann hat man die Grenze auf 73 erhöht, und ich habe gesagt: 150 Spenden sind mein Ziel. Wenn das erreicht ist, dann reicht’s.

Und dabei bleibt es?

Nyffeler: Ja, 150 ist doch ein schöner Abschluss. Würde jeder so viel spenden, hätten wir in Deutschland nicht die Probleme.

Haben Sie mal hochgerechnet, wie viel Liter Blut Sie im Laufe der Jahre gelassen haben?

Nyffeler: Nein. Ich weiß ja nicht genau, wie viel Blut da jedes Mal genommen wird. Es heißt, pro Spende ein halber Liter.

Wissen Sie, was aus Ihren Blutspenden geworden ist?

Nyffeler: Das habe ich nie erfahren, und es hat mich auch nie sonderlich interessiert. Ich denke, das Spenderblut wird zu Blutkonserven aufbereitet und danach in Krankenhäusern verarbeitet. Soviel ich weiß, sind die nicht lange haltbar.

Können Sie eigentlich Blut sehen?

Nyffeler: Ja, das macht mir nix. Ich war 40 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr, war Kommandant und habe einiges erlebt bei Unfällen und Bränden.

Bekommen Sie für die Blutspenden Geld?

Nyffeler: In Iphofen gibt es danach eine Brotzeit – eine Knackwurst oder ein Sandwich – und etwas zu trinken. Ich habe mal gehört, dass man im Krankenhaus etwas bekommt, wenn man Blut spendet. Aber darum geht es mir gar nicht. Ich möchte dazu beitragen, dass jemandem geholfen wird. Ob ich da fünf Euro bekomme oder nichts, ist mir nicht wichtig.

Mit 150 Blutspenden sind Sie ein leuchtendes Vorbild. Was empfehlen Sie Leuten, die zum ersten Mal Blut spenden wollen?

Nyffeler: Ich würde es zunächst jedem empfehlen, der sich nicht traut. Denn vielleicht braucht man selbst einmal Spenderblut. Manche sagen mir: Was spendest du dein Blut; wenn du ins Krankenhaus kommst, musst du es noch einmal bezahlen. Aber ich bin der Ansicht: Wenn ich heute meinen Arm hinhalte und einen halben Liter Blut gebe, kann durch meine Spende vielleicht schon in den nächsten Stunden ein Menschenleben gerettet werden; und sollte ich selbst einmal in die Situation kommen, Blut zu benötigen, bin ich auch froh, dass da für mich jemand gespendet hat.

Ihrem Dialekt ist unschwer anzuhören, dass Sie aus der Schweiz kommen.

Nyffeler: Ja, das ist richtig. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und habe mein Leben dort verbracht. Dann lernte ich eine Frau kennen, die aus Iphofen stammt. Und als ich vor fünf Jahren in Rente ging, war die Frage nur: du zu mir oder ich zu dir? Wir haben uns dann entschieden, dass ich herkomme. Und ich muss sagen: Hier ist es auch schön.