Wie hat Weihnachten vor 400 Jahren geklungen? In einer Zeit, in der Europa im Dreißigjährigen Krieg, in Hungersnot und Pestepidemien versank.

Und dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – entstand in der Renaissance ergreifende Musik, die sich teils bis heute im weihnachtlichen Liedgut erhalten hat. Wer kennt nicht „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ oder „Vom Himmel hoch, da komm ich her“?

Regionalkantor Christian Stegmann wagte sich an das Experiment einer musikalischen Zeitreise ins Jahr 1620. Wie könnte damals eine Christmette in Kitzingen geklungen haben? Als roten Faden wählte er Vertonungen des 1621 verstorbenen Komponisten Michael Praetorius. Dieser wirkte damals als Hofkapellmeister in Dresden. Die Werke sind für bis zu fünf Chöre komponiert, die sich gesanglich die Bälle zuwerfen.

Stegmann inszenierte dieses musikalische Wechselspiel mit den beiden Chöre von St. Johannes (Kammerchor und Kirchenchor). Die Soloparts, wie auch manchmal eigenen Chorlinien, gestalteten Katrin Küsswetter (Sopran), Johanna Schneider (Sopran), Johannes Bamberger (Tenor), Adrián Berthely (Tenor) und Peter Edelmann (Bariton).

Faszinierend fremd

Effektvoll positionierten diese sich teilweise über das gesamte Kirchenschiff verteilt, so dass der gotische Raum bei der Darbietung am Sonntagabend ein einziger großer Klangkörper wurde. Dazu trug auch wesentlich das Ensemble La ciaccona aus München mit seinen historischen Original-Instrumenten bei. Bassgambe, mittelalterliche Rohrblasinstrumente, Zinken als Vorläufer der Trompeten: all das klingt faszinierend fremd und wunderschön.

Getragen wurde das Ganze auch durch die dezente Unterstützung der großen Orgel, gespielt von Prof. Roland Dopfer aus Bremen. Kurze liturgische Gesänge und Texte, vorgetragen vom ehemaligen Kitzinger Kaplan Alexander Berger, rundeten die „Christmette anno 1620“ ab. Das Experiment dieses außergewöhnlichen Weihnachtskonzertes gelang Regionalkantor Christian Stegmann absolut überzeugend.

Chöre singen auf hohem Niveau

Chöre und Instrumentalisten präsentierten sich im harmonischen Miteinander: klanglich schön und stets präsent. Auch mit den international renommierten Solisten hatte Stegmann eine gute Wahl getroffen.

Die so entstandene besondere Stimmung ging den Zuhörern in der ausverkauften Kirche spürbar unter die Haut. Minutenlanger Beifall dankte den Akteuren. Man darf gespannt sein, was der kreative Kirchenmusiker in Zukunft noch alles mit seinen Chören vorhat. Denn, so verriet er im Gespräch mit dieser Zeitung: Die Idee zu diesem Konzert habe er schon vor Jahren gehabt. Mittlerweile seien die Chöre der Pfarrgemeinde Johannes von der Zahl der Sänger und der stimmlichen Qualität so gut, dass sich mit ihnen auch solch ausgefallene Vorhaben umsetzen lassen.