Schon der Name Kalamala war Garant dafür, dass um die 50 Besucherinnen und Besucher in die ehemalige Synagoge in Obernbreit strömten. Im Publikum saßen Menschen, die noch nicht geboren waren, als die vorgetragenen Lieder entstanden und Oldies der Jahrgänge 1932,1934 und 1935.Die Moderation des Abends übernahm der Sänger selbst. Er führte mit Sachkenntnis, Humor und Gefühl für die Stimmung des Auditoriums durch das Programm "Musikalische Zeitreise mit Oldies but Goldies" durch die 1950 bis 1980er, wobei sogar die Natur mitspielte, als fast synchron zum Vortrag des Songs "Rhythm of the falling rain" ein Regenschauer auf das Dach der ehemaligen Synagoge nieder prasselte.

Er hatte den Abend in mehrere Blocks eingeteilt. Den ersten wollte er "Aufwärmen" nennen. Aber schon nach den ersten Rhythmen war das Publikum elektrisiert, so dass hörbar eine Einstimmung nicht nötig gewesen war.

Die Crème de la Crème der Autoren und Interpreten dieser vier Jahrzehnte präsentierte Kalamala. 120 Minuten lang ohne Pause, begleitet nur von seiner Gitarre. Selbst die Aufzählung der Titel würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Manche im Publikum haben vielleicht erst in der abendlichen Retrospektive realisiert, dass Lieder, die man damals unreflektiert sang, nicht nur die eigene Befindlichkeit ausdrückten, sondern auch Protestsongs gegen die herrschenden Verhältnisse waren.

Mit "Tambourin man" führte der Sänger "durch die Nebel der Zeit" zurück zu Jugend und Kindheit. "Yellow submarine" drückt aus, was die Jugend damals sich erträumte "einen Ort, wo man mit seinen Freunden sein kann und alles hat, was man braucht, blauen Himmel und reine See" Der ausgewählte Hit "Blowing in the wind" erhielt an diesem Abend aktuelle Bedeutung und keine echte Antwort. "How many times must the cannon balls fly, before tey´re forever banned? Und mit Blick auf Putin: "How many deaths will it take ´till he knows, that too many people have died?"

Im deutschen Block war die Lust zum Mitsingen deutlich größer, weil man sich wenigstens eine gewisse Textsicherheit zutraute. Freddy Quinns "So schön war die Zeit" weckte viele schöne Erinnerungen; aber auch traurige an Verlust und Vergänglichkeit.

Als der Sänger nach über zwei Stunden sich mit Reinhard Mey und "Gute Nacht Freunde" verabschieden wollte, gelang ihm dies nicht. Er musste noch eine lange Zugabe anschließen.

Auf ein "letztes Glas im Stehen" mit den meisten begeisterten, alten und neuen Freunden Kalamalas und der ehemaligen Synagoge blieb dann doch noch Zeit.

Der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. bedankt sich bei den Gästen des Abends und ganz besonders bei Harald Kalamala für sein Konzert zu Gunsten unseres Vereins.

Von: Friedrich Heidecker (Pressereferent, Träger und Förderverein ehemalige Synagoge)