Die Musik verbindet über Generationen, das zeigt sich beim Orchester des Wiesentheider Musikvereins. Wenn am Freitag, 26. Mai, das Orchester vom Musik- und Gesangverein zu seinem 50. Geburtstag sein großes Konzert gibt, dann werden in der Kapelle gleich mehrere Väter oder Mütter mit den Kindern unter den Mitglieder sein. Mit Anita Göb (Klarinette), Doris Lang und Sabine Berthold (beide Saxofon) sind drei Frauen nahezu seit der Gründung 1967 aktiv dabei.

Es war im Jahr 1967, als die Idee entstand, in Wiesentheid eine Musikkapelle zu gründen. Einige Musiker gab es bereits, die zuvor jedoch nur bei kirchlichen Anlässen spielten. Das sollte sich ändern, als der damalige Musiklehrer am Wiesentheider Gymnasium, Max Feigl, sich der Idee annahm, die unter den Kirchenmusikern aufgekommen war. Feigl leitete zu der Zeit bereits den Chor des Traditionsvereins, der 1862 gegründet wurde. Magda und Wilfried Baumann vom Vorstand des Musik- und Gesangvereins brachten das Ganze ins Rollen, in Kürze waren etliche Interessierte gefunden.

Trommel statt Klarinette

Zu ihnen gehörte wenig später auch Anita Göb. „Ich wollte Trompete lernen, hatte dazu aber nicht die Luft. Dann schenkte mir meine Oma eine Klarinette.“ Das war 1969. Für das Holzblasinstrument interessierte sich auch Doris Lang, die dann aber zur kleinen Trommel überredet wurde. Denn dieses Instrument fehlte im Orchester bis dato. Geprobt wurde häufig daheim, weil zwei ihrer Brüder ebenso zur Musik gestoßen waren.

1970 kam Sabine Berthold zum Orchester, wobei das für sie und ihren Bruder eh klar war: „Bei uns in der Familie drehte sich alles um den Verein, das war keine Frage.“ Für den Unterricht stand damals keine Musikschule bereit, wie heute. Das übernahmen die älteren, erfahrenen Mitglieder wie Magda Baumann, oder Ludwig Zink, die über Jahrzehnte den Jugendlichen die ersten Töne beibrachten.

Nicht ohne Grund nannte sich die Kapelle damals „Jugendblasorchester“, denn der Nachwuchs ließ sich schnell dafür begeistern. Das mit dem Musizieren sprach sich herum unter den jungen Wiesentheidern. Es wurde richtig „in“, zumal sie recht schnell schon bei den ersten größeren Konzerten der Kapelle mitwirken durften.

Ausflüge nach Holland und Frankreich

Dann waren da noch die Ausflüge, nach Wien, Holland oder die ersten Besuche in der französischen Partnergemeinde Rouillac. Die Wiesentheider Musik schloss beinahe vom Beginn der Verbindung 1972 an mit der „Batterie Harmonie“ dort Freundschaft. Gerade für die Jugend seien eben diese Fahrten ein großer Anreiz gewesen, mit einzusteigen. Manche Anekdote erzählen die drei „Urgesteine“ Anita Göb, Doris Lang und Sabine Berthold gerne noch aus diesen Zeiten.

Für Doris Lang und Sabine Berthold sollte die Musik einen weiteren Einschnitt in ihrem Leben prägen. Sie lernten dadurch ihre Ehemänner kennen. „Daraus sind einige Ehen entstanden. Musik verbindet anscheinend doch besonders“, so Berthold. Das Musizieren übertrug sich nicht nur bei ihnen auf die Kinder, die wie Bertholds Sohn Kilian, heute längst im Orchester dabei sind. Auch Anita Göbs Tochter hilft bisweilen noch bei den Wiesentheidern aus, obwohl sie längst auswärts lebt.

Auch nach 50 Jahren noch Spaß am Musizieren

Selbst nach fast 50 Jahren begeistert das Musikspielen die drei Frauen noch, das wöchentliche Proben und die vielen Termine das Jahr über sind für sie selbstverständlich. Die entstandenen Freundschaften, das stetige Weiterentwickeln der Kapelle, das nennt das Trio als Grund, was sie über beinahe fünf Jahrzehnte dabei hält. „Ich denke öfters, ich bin jetzt über 60, ich sollte eigentlich aufhören. Aber ich kann nicht“, schildert Anita Göb. Nicht nur für sie ist die Musikkapelle längst mehr geworden, als ein Hobby.

Das Jubiläumskonzert findet am Freitag, 26. Mai, um 20 Uhr in der Steigerwaldhalle in Wiesentheid statt.