Als Karl Alt vom Fischhof bei Dornheim im Alter von 86 Jahren starb - das war im September 2010 - hatte er der Nachwelt eine bemerkenswerte Sammlung hinterlassen: Tausende archäologischer Hortfunde, persönlich über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen.

"Er ist auf den Äckern herumgelaufen und hat nur mit seinen Augen gesucht", erzählt Schwiegertochter Barbara Alt. Metalldetektoren, wie sie manche Sondengänger etwa zum Aufspüren von Funden auf dem Bullenheimer Berg benutzt haben, sei nichts für ihren Schwiegervater gewesen. Karl Alt las viel und bildete sich weiter und bekam den Blick dafür, ob es sich um einen schlichten Stein oder doch um eine Klinge oder eine Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit handelte. Auch alte Flaschen, Knöpfe, Münzen, Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg - Dinge aus neuerer Zeit von volkskundlichem Wert - hat Karl Alt mit nach Hause genommen, dort gewaschen, sortiert, nummeriert und in ein selbst entworfenes Archivsystem mit selbst gebauten Schubfächern gelegt.

Sooft es ging auf der Suche


"Sobald geerntet und die Äcker umgearbeitet waren, ist er raus mit Stock und Hut und hat begonnen zu suchen", erzählt Barbara Alt. Günstig war für ihn, dass es eine kompetente Fachfrau sozusagen in der Nachbarschaft gibt: die Prähistorikerin Margarete Klein-Pfeuffer. Sie stammt aus Dornheim, Karl Alt kannte sie schon als Kind. Ihr vertraute sich Alt an. "Er hatte einen wahnsinnigen Adlerblick", sagt auch die Prähistorikerin. Sie fachsimpelten und er verriet ihr, wo er die Stücke gefunden hatte. Klein-Pfeuffer half, die Kästchen der Sammlung zu beschriften.

Karl Alt hat Entdeckungen von äußerst großer wissenschaftlicher Bedeutung gemacht. Eine davon ist eine riesige keltische Siedlung mit sehr vielen Funden. Margarete Klein-Pfeuffer will den Ort nicht preisgeben, sie sagt, die Funde sollen bald geophysikalisch untersucht werden. Die Gegend, in der Alt lebte, war von alters her schon immer fruchtbar und geschützt. Viele Quellen entspringen hier. Schon die Menschen der Vor- und Frühzeit haben diesen Landstrich bevorzugt und Gegenstände hinterlassen: Pfeilspitzen und Klingen aus der Mittelsteinzeit und der Jungsteinzeit, kleine Flachkeile, keltische Keramik, Scherben aus der Zeit der Bandkeramik, Beile, Kacheln aus dem Mittelalter und vieles mehr.

Seine großartigste Entdeckung, einen Acheuléen-Faustkeil, der mindestens 150.000 Jahre alt ist, meldete Karl Alt 1973. Er stand in engem Kontakt mit der damaligen Außenstelle Würzburg des Landesamt für Denkmalpflege und machte sich schon vor Jahrzehnten einen Namen.

Margarete Klein-Pfeufer wird in den nächsten Jahren wichtige Stücke für eine permanente Sammlung zusammenstellen, die ins Gemeindehaus in Dornheim einziehen soll, wenn es saniert wurde. Einen Teil der Alt-Sammlung kann man zurzeit im Knauf-Museum bewundern. In die Schau "Mythos Bullenheimer Berg" wurden Alt'sche Funde integriert. Barbara Alt sagt stolz: "Das finde ich sehr schön, dass etwas davon zu sehen ist, was mein Schwiegervater entdeckt hat."