Die Debatte um die Entwicklung der Kitzinger Innenstadt und die bestmögliche Beteiligung der Bürger an diesem Prozess ebbt nicht ab. Nachdem der Stadtrat das Thema in seiner Mai-Sitzung von der Agenda genommen hatte, gab CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Moser in der Sitzung am vergangenen Donnerstag eine persönliche Erklärung dazu ab. Moser sagte, er habe die Absetzung des Themas als "kontraproduktiv" empfunden und appelliere weiterhin an die "inneren Werte" der Kolleginnen und Kollegen. "Wir alle sind angetreten, um etwas voranzubringen."

Es sei der falsche Ansatz, einen Tagesordnungspunkt im Stadtrat abzusetzen und "zwei Stunden später einen eigenen Antrag" auf den Weg zu bringen. Moser spielte damit auf die Vorschläge des SPD-Fraktionsvorsitzenden Manfred Paul sowie der beiden KIK-Stadträte Wolfgang Popp und Klaus Christof an, die sich nach der Sitzung im Mai Gedanken zur Innenstadtentwicklung gemacht hatten: Paul in Gestalt eines Bürgerrats, in dem "alle Interessenvertreter" – von Hausbesitzern und Mietern über Gewerbetreibende und Logistiker bis zum städtischen Bauamt – vertreten sein sollten, die KIK in Form einer Online-Plattform, auf der die Bürger ihre Ideen einbringen und zur Diskussion stellen könnten.

Mit Blick auf diese Vorhaben sagte Moser: "Wir brauchen keine Visionen, sondern müssen endlich mal etwas umsetzen." Vor zehn Jahren sei der erste Antrag zum Umbau der Innenstadt gestellt worden. Geschehen sei bis heute wenig. "Der einzige große Wurf in der Innenstadtentwicklung war die Kleine Gartenschau. Aber wenn der Stadtrat sie hätte umsetzen müssen, wäre sie nie gekommen."  Jetzt habe ein "glasklarer Beschluss" auf dem Tisch gelegen, der wieder nicht umgesetzt worden sei. Moser folgerte: "Wir schmeißen uns selbst Knüppel zwischen die Füße."

Oberbürgermeister Stefan Güntner (CSU) begegnete Mosers Kritik pragmatisch. "So funktioniert nun mal Demokratie." Der Stadtrat hatte im Mai den Antrag Pauls, das Thema zu vertagen, mit 19:11 Stimmen befürwortet, auch mit Stimmen aus der von Moser geführten CSU-Fraktion. Paul begründete seinen Vorstoß damals mit den Worten, die Zeit sei noch nicht reif. Eine Beteiligung der Bürger müsse auf fundierten Füßen stehen, "sonst fangen wir in sechs Monaten wieder an". Am Donnerstag rechtfertigte er sein Vorgehen noch einmal. "Ich habe nichts verzögert. Um die Dinge richtig zu tun, ging die Sache nicht weit genug. Mit einem Bürgerforum haben wir alle Experten am Tisch sitzen."