Monika Conrad ist Trägerin des "Dagmar-Voßkühler-Preises". In einer Feierstunde am Mittwochabend in der Alten Synagoge in Kitzingen überreichte die Vorsitzende des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen, Margret Löther, die Auszeichnung an eine Persönlichkeit, die sich schon "ab und zu das Maul verbrennt, wenn es um eine gute Sache geht", wie Laudator Hans Driesel in großer Sympathie zu der Geehrten sagte.

Der Dagmar-Voßkühler-Preis geht, so Löther, auf die langjährige Vorsitzende des Kitzinger Synagogenvereins zurück, die im Jahr 2013 gestorben ist. Nach Renate Fabian, die 2017 den damals ausgelobten Preis erhielt, ist Conrad die zweite Trägerin des nur alle vier Jahre verliehenen Preises. Und die Hürde für den Preis ist hoch, denn er ist mit den Werten verbunden, für die die Namensgeberin stand, unter anderem Menschlichkeit, Menschenwürde und Toleranz.

Kinderturnen im Ort etabliert

Dass dies bei Monika Conrad sicher zutrifft, davon konnten gleich vier Lobende die zahlreichen Zuschauer in der Alten Synagoge überzeugen. Da war zuerst Gerlinde Stier, Bürgermeisterin von Conrads Wohnort Kleinlangheim. 50 Jahre ehrenamtliches Wirken in Kleinlangheim konnte die Bürgermeisterin feststellen, begonnen beim Kinderturnen, das sie im Ort etabliert hatte, über den Förderkreis Kirchenburg, die Hans Sachs Bühne, als Ideengeber für viele kulturellen Veranstaltungen im Ort und ein großes soziales Engagement.

Seit rund 20 Jahren stand dabei auch die ehemalige jüdische Gemeinde in Kleinlangheim im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Kontakte mit den Nachfahren ehemaliger Keinlangheimer Juden und auch die Verlegung der ersten Stoplerstein im Ort, nach gar nicht so einfacher Vorarbeit, führten zur Aussage von Stier: "Du hast es wahrlich verdient."

"Jemand, der Fragen stellt"

Priorin Ursula Buske von der Communität Casteller Ring sagte über Monika Conrad: "Es braucht jemand, der Fragen stellt." Der aber auch die Geduld habe, dann dran zu bleiben, hartnäckig zu sein, bis die Wahrheit ans Licht gebracht werde. Conrads Engagement habe sie immer wieder auf den Schwanberg geführt, wo sie auch als Führerin tätig ist, dort aber auch Ausstellungen mit organisiert hat, die immer in die Tiefe gegangen sind. "Danke für das Sichtbar machen", sagte die Priorin.

Mit ihrem Wirken ganz eng mit dem Landkreis verbunden sah die stellvertretende Landrätin Doris Paul die Geehrte. So habe sie das Landkreisbuch wieder mit ins Leben gerufen und damit einen großen Beitrag zur Bewahrung der Geschichte geleistet. Vor allem das Verfassungsjubiläum im Jahr 2018 werde dabei in Erinnerung bleiben. Denn ohne Conrads Hartnäckigkeit wäre wohl daraus nichts geworden. Deshalb sei sie für Paul eine "würdige Trägerin des Preises".

"Wo bleiben eigentlich die Männer", sagte zum Abschluss der Lobestouren Hans Driesel als erster Mann des Abends auf der Bühne und konstatierte auch gleich: "Die Frauen kultivieren unser Leben." So auch bei der "allergrößten Schuld an den Juden", bei der man sich auch mit der Gnade der späten Geburt schon durch Wegsehen schuldig mache. Dagegen in Wort und Tat zu handeln, da sei Conrad ein Vorbild, denn sie trete "gegen jeden Ungeist an, nicht nur den braunen".

Zuhören und Anregungen annehmen

Wer sich auf ein Streitgespräch mit ihr einlasse, der solle sich warm anziehen, "sie kann auch zuhören und nimmt Anregungen an", so Driesel über die überzeugte Sozialdemokratin, der er zurief: "Bleibe, die Du bist." Nach der Preisverleihung durch Margret Löther und ihre Stellvertreterin Doris Frank dankte Conrad in sehr persönlichen Worten und sagte die Spende von weiteren Stolpersteinen in Kleinlangheim zu. Monika Conrad ist 74 Jahre alt, stammt aus Uettingen und kam 1964 nach Kleinlangheim.

Zur Preisverleihung gehört auch die Verlegung von Stolpersteinen durch den Förderverein, die am Folgetag, am Donnerstagvormittag, dem Geburtstag Dagmar Voßkühlers, in der Bismarckstraße in Kitzingen für Laura und Martin Katzmann erfolgte. Organisiert wurde die Verlegung von Claudia Gonschorek und mit gestaltet von Schülern und Lehrkräften der Kitzinger St. Martin Schule.