Seit September 2019 ist in Deutschland das 5G-Mobilfunknetz für Kunden verfügbar. Prinzipiell, weil noch steht die fünfte Generation des Mobilfunks nicht jedem zur Verfügung. Denn selbst wer ein passendes Smartphone samt geeignetem Mobilfunkvertrag hat, sucht außerhalb von Großstädten und Ballungszentren oft vergeblich nach dem entsprechenden Funksignal. Dort ruckelt und zuckelt es bei der Nutzung mobiler Daten- und Sprachverbindungen. Einwohner des Landkreises Kitzingen können ein Lied davon singen. Bei ihnen ist die Zukunft des Mobilfunks noch nicht angekommen. Mancherorts funktioniert nicht einmal 4G (LTE) problemlos.

Doch glaubt man den Versprechen der drei großen Mobilfunkanbieter hierzulande, dann wird sich die Versorgung mit schnellem Mobilfunk in den kommenden Monaten rasant verbessern. Bis zum Jahr 2025 möchten zumindest zwei der drei Netzbetreiber 99 Prozent der deutschen Bevölkerung mit 5G versorgen, berichtet das Bayerische Mobilfunkzentrum an der Regierung der Oberpfalz auf Nachfrage dieser Redaktion. Dieses ist in Bayern zuständig für die Umsetzung der Mobilfunk-Förderung. Denn der Staat zahlt mit beim Ausbau der Mobilfunknetze in aktueller LTE- oder 5G-Technik. Überall dort, wo es sich für Netzbetreiber aus privatwirtschaftlicher Sicht nicht lohnt.

Telekom sieht sich beim Netzausbau mit weitem Abstand vorn

Spitzenreiter, was den 5G-Ausbau anbelangt, ist auch im Landkreis Kitzingen die Telekom. "Schon heute erreichen wir 67 Prozent der Bevölkerung mit 5G", berichtet deren Pressesprecher Markus Jodl mit Blick auf Gesamtdeutschland. Ziel sei es, bis zum Jahr 2025 90 Prozent der Fläche und 99 Prozent der Einwohner mit 5G zu versorgen. Bereits heute habe die Telekom "mit weitem, weitem Abstand das größte 5G-Netz", sagt der Pressesprecher.

Welche Teile des Landkreises Kitzingen die Telekom mit 5G abdeckt, veranschaulicht sie auf ihrer Webseite.  Große Bereiche des Kreises sind demnach schon heute 5G-Land (siehe Karte). Größere Lücken gibt es laut dem Netzbetreiber etwa nordwestlich von Dettelbach, nordwestlich von Großlangheim sowie östlich von Kitzingen-Hoheim, bis weit in den Steigerwald hinein. Auch östlich von Michelfeld und um Willanzheim herum, bis über Seinsheim und Nenzenheim hinaus sind ebenfalls größere weiße Flecken auf der 5G-Karte zu sehen. Vor allem entlang der Autobahnen ist 5G fast lückenlos verfügbar, bis auf einen Abschnitt der A 7 auf Höhe von Sulzfeld/Marktsteft. Laut dem Breitband-Atlas des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) ist bis auf Bereiche der Gemeinde Seinsheim im Landkreis Kitzingen flächendeckend zumindest 4G/LTE mit einer Datenübertragung von über zwei Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügbar.

Es soll keine Mobilfunk-Verlierer auf dem Land geben

Bleiben die Menschen, die in den weißen Flecken leben, die Dummen, für die 5G auf ewig Theorie bleiben wird? Konzernsprecher Jodl weist den Verdacht zurück, dass es am Ende im Land – und dort am ehesten in den ländlichen Regionen – Mobilfunk-Verlierer geben wird, im Gegensatz zu den Bewohnern der Großstädte. "Es wird keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben", verspricht er. So plane die Telekom, bis Ende 2022 im Landkreis Kitzingen an 16 weiteren Standorten 5G-Sender zu installieren. Zum Vergleich: Deutschlandweit waren es vergangenes Jahr 45 000 5G-Antennen.

Konkurrent Vodafone verfolgt ebenfalls das Ziel, "möglichst die gesamte Bevölkerung" ans 5G-Netz anzubinden. Den Zeitrahmen gibt Konzernsprecher Volker Petendorf auf Nachfrage dieser Redaktion mit "mittelfristig" an, ohne eine Jahreszahl zu nennen. Bei LTE sei dies bereits nahezu gelungen. Dort erreiche man 95,5 Prozent der Kreisbewohner, sagt er mit Verweis auf die online einsehbare Karte der Vodafone-Netzabdeckung.  Der Anbieter möchte die 5G-Antennen möglichst an seine 45 bestehenden Mobilfunkstationen (davon 35 mit LTE) anbringen.

Einen ersten 5G-Sender hat Vodafone in Kitzingen in Betrieb genommen, ein weiterer soll bis Mitte des Jahres in Martinsheim eingebaut werden. In Prichsenstadt und Buchbrunn möchte der Anbieter laut seines Sprechers in diesem Jahr zwei LTE-Stationen in Betrieb nehmen, um Funklöcher zu beseitigen. An der LTE-Station in Martinsheim sollen zusätzliche Antennen die Sendeleistung erhöhen. Geplant seien zudem zwei neue LTE-Stationen in Kitzingen und eine Station in Dettelbach.

O2 bietet 5G bislang nur in Großstädten an

Der dritte große Netzbetreiber im Bunde, Telefonica/O2, hinkt beim Thema 5G-Ausbau etwas hinterher. Pressesprecher Florian Streicher berichtet auf Anfrage zwar davon, dass das Unternehmen vergangenes Jahr im Landkreis Kitzingen knapp 40 zusätzliche LTE-Sender angebracht habe, unter anderem in Kitzingen, Marktbreit, Obernbreit, Albertshofen, Prichsenstadt, Schwarzach, Kleinlangheim, Dettelbach, Volkach, Iphofen und Wiesentheid. Das 5G-Netz von O2 in Deutschland beschränkt sich jedoch bislang auf 15 größere Städte. Dennoch möchte der Netzbetreiber bis Ende dieses Jahres 30 Prozent der Einwohner Deutschlands mit 5G versorgen und bis 2025 ein  bundesweites Netz bereitstellen.

Nach Angaben des Bayerischen Mobilfunkzentrums weisen im Landkreis Kitzingen fünf Gemeinden laut der Übersichtskarte des BMVI  Versorgungslücken beim Mobilfunk auf, die sie berechtigen, Fördergeld vom Staat zu erhalten: Dettelbach, Geiselwind, Seinsheim, Volkach und Willanzheim. Vier von diesen – Namen nennt das Mobilfunzentrum keine – hätten bislang Interesse bekundet, die Versorgung zu verbessern. Dettelbach, Geiselwind und Volkach hätten weiße Flecken in der Versorgung. In Dettelbach und Volkach werden Netzbetreiber alle weißen Flecken auf eigene Kosten schließen, teilt Markus Roth, Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz, mit. Dort ist das Mobilfunkzentrum angesiedelt.

5G-Mobilfunk

Die neue Entwicklungsstufe des Mobilfunks erhöht die Kapazität der Datenübertragung innerhalb einer Mobilfunkzelle. 5G deckt zudem alle Vorteile der mobilen Breitbandtechnologie LTE (4G) ab – es ist nur viel schneller. Ein Wert macht den Fortschritt deutlich: Die Latenzzeit ist die Zeit, die zwischen dem Ereignis (Stopp drücken beim ferngesteuerten Auto) und der Datenübertragung (das Auto bremst) vergeht. Diese liegt bei 5G unter einer Millisekunde (ms), das ist schneller als ein Wimpernschlag. Bei LTE sind es 60 bis 98 ms, bei 3G 212 ms.
Laut Netzbetreibern ermöglicht 5G perspektivisch Datenübertragung in Echtzeit. Das ermöglicht etwa in der Telemedizin Operationen, bei denen der Operateur nicht mehr im OP-Saal anwesend sein muss, oder autonomes Fahren mit Fahrzeugen, die untereinander per 5G selbstständig kommunizieren.
Auch die Download-Rate liegt bei 5G theoretisch zehnmal höher als bei LTE. Bei 10 Gigabit pro Sekunde macht beispielsweise das Herunterladen von HD-Filmen innerhalb von Sekunden möglich. In der Realität verlief der Datentransfer per Mobilfunk allerdings bisher teils deutlich langsamer. Und auch bei 5G spielt die Netzauslastung eine Rolle: Je mehr Geräte dort aktiv sind, desto weniger Kapazität steht jedem frei. Doch können die kleineren Zellen des 5G-Funks etwa 100-mal mehr Nutzer versorgen als die des 4G.
Quelle: Vodafone, Telekom, ComputerWeekly