Der erste Samstag im Dezember ist für die Reservistenkameradschaft Kitzingen und ihre gemeinsame Sammlung mit Prominenten aus der Stadt und dem Landkreis Kitzingen für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Tradition geworden.

Am Samstag, 3. Dezember, stehen Reservisten – unterstützt von aktiven Soldaten der Bundeswehr und vor allem Prominenten – zwischen 8 und 12 Uhr auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes an der Marktbreiter Straße und bitten um ein Scherflein.

Bergung von Vermissten

Das Geld von Haus- und Straßensammlungen des Volksbundes kommt ausschließlich deutschen Soldatengräbern im Ausland zugute. Vorhandene Grabanlagen werden gepflegt, erweitert und neue angelegt. Und dies auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende. Vor allem in den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion im Verlauf der damaligen Ostfront, gibt es noch immer Tausende Einzelgräber sowie Vermisste, die noch nicht geborgen und auf Sammelfriedhöfen zur letzten Ruhe gebettet werden konnten. Die Möglichkeit der Nachforschung, der Suche und der Umbettung wurde erst nach dem Fall des Eisernen Vorhanges möglich.

Im vergangenen Jahr betreute der Volksbund weltweit mehr als 800 Friedhöfe. Es wurden rund 30 000 Gefallene geborgen und ordnungsgemäß beigesetzt. Unter ihnen befinden sich viele Soldaten, deren Erkennungsmarke noch vollständig ist und die bei der Deutschen Dienststelle in Berlin, bei der alle deutschen Soldaten namentlich registriert sind, bislang als Vermisste geführt werden.

Angehörige ausmachen

Die große neue Herausforderung des Volksbundes ist nicht mehr wie in der Vergangenheit, den Verbleib eines Soldaten zu klären, sondern die Angehörigen eines geborgenen Soldaten zu finden. Eltern sind meist gestorben, Geschwister hoch betagt und Kinder haben an den Vater kaum Erinnerung.

Der Volksbund wurde 1919 von Kriegsheimkehrern gegründet, die auf den Schlachtfeldern in Frankreich ihre Toten nicht bergen und beisetzen konnten. Diese einst selbst gestellte Aufgabe blieb bis heute erhalten. Der Volksbund erfüllt seine Arbeit im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland und bekommt dafür Geldmittel aus dem Haushalt des Außenministeriums.

Weiteres Geld wird von Soldaten, Reservisten und Ehrenamtlichen neben Spenden und Nachlässen bei Haus- und Straßensammlungen gesammelt.

Zum 100. Todestag des deutschen Dichters Johann Kinau, besser bekannt unter seinem Dichter-Pseudonym Gorch Fock, nahm Wiesenbronns ehemaliger Bürgermeister Gerhard Müller an einem Arbeitseinsatz des Volksbundes auf dem kleinen Soldatenfriedhof Stensholmen/Schweden teil. Es wurden Grabsteine ausgerichtet und von Flechten befreit sowie die Inschriften erneuert. Dort ruhen 13 deutsche Gefallene des Ersten Weltkrieges. Unter ihnen der deutsche Dichter, der am 12. August 1880 das Licht der Welt erblickte und am 31. Mai 1916 in der Skagerak-Seeschlacht als Matrose des Kleinen Kreuzers „Wiesbaden“ fiel.