Weil einige tausend Kapital-Anleger von raffinierten Finanz-Jongleuren um etwa neun Millionen Euro betrogen wurden, ist ein ehemaliger Geschäftsführer (49) der Akura Kapital Management AG mit Sitz in Würzburg zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Von Hochglanzprospekten und eloquenten Vertriebsprofis beeindruckt, hatten Anleger die Akura-Firmen jahrelang für Goldesel gehalten, die nur kräftig gefüttert werden müssen, damit zweistellige Renditen abfallen.
Der Finanzkaufmann, nebenbei damals auch Chef einer Einmann-Unternehmensberatung in Kitzingen, ist gelernter Maschinenschlosser und war vorher viele Jahre in der Produktion von Elektrorasierern beschäftigt. Am 25. Verhandlungstag hatte er, einer von drei angeklagten ehemaligen Akura-Verantwortlichen, im Prozess vor einer Wirtschafts-Strafkammer des Landgerichts Würzburg "die Reißleine gezogen": Er ließ einen seiner Anwälte ein Geständnis vortragen, extrem kurz, in keinem Verhältnis zur über 100 Seiten starken Anklageschrift, nachdem man sich außerhalb der Verhandlung entsprechend entgegen gekommen war. Konkrete Fragen des Gerichts beantwortete er nicht.

Prozess schleppt sich zäh dahin


Danach ging alles ganz schnell: Das Verfahren gegen den geständigen dritten Mann aus Kitzingen wurde abgetrennt, er wurde nach ungewöhnlich kurzen Plädoyers verurteilt und durfte aus dem Prozess aussteigen, der sich seit Anfang Dezember 2011 zäh dahinschleppt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, da der Mann bereits seit 16 Monaten in Untersuchungshaft saß, nicht vorbestraft ist und daher vermutlich nur die Hälfte der Strafe absitzen muss. In den Würzburger Knast kehrte der Angeklagte nur noch einmal kurz zurück, um seine Zelle aufzuräumen und einzupacken. Das Urteil ist sofort rechtskräftig geworden, da der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft damit zufrieden waren.
Das Geständnis kam, so der Vorsitzende Richter Hans Brückner, sehr spät, aber nicht zu spät, um noch bei der Strafe entsprechend honoriert zu werden. Über Jahre hinweg waren alle entscheidenden Schriftstücke bei den vier Akura-Gesellschaften zwar von diesem Angeklagten unterschrieben worden, aber, davon war das Gericht überzeugt, wirklich zu sagen hatte er in dem Firmengeflecht der Akura nichts. Entscheidungen bis in Einzelheiten hinein habe nach Überzeugung des Gerichts ein anderer getroffen: Der mitangeklagte ehemalige Schulmöbel-Schreiner aus Lauda-Königshofen (44) , der in dem Prozess bisher seine Rolle als "nur für den Vertrieb zuständig" herunter zu spielen versucht, obwohl die Akura-Gesellschaften weitgehend in seiner Hand waren.

13 weitere Verhandlungstage


Der Prozess gegen den ehemaligen Akura-Vertriebsleiter, in Freiheit Ferrari-Fan mit mindestens einer weiteren Schwäche, für teure Uhren, und eine mit angeklagte Bilanzbuchhalterin (48) aus Uffenheim , die dem Akura-Vorstand angehörte, wird bis Mitte Juni unterbrochen. Mindestens 13 weitere Verhandlungstage sind dann bereits bis Ende August angesetzt, Prozessbeteiligte rechnen damit, dass auch die ehemalige Vorstandsfrau der insolventen Akura in Kürze ein Geständnis anbieten wird.
Die Akura-Werbung hatte, trotz hoher Verluste über Jahre hinweg, Anlegern unverändert überdurchschnittliche Renditen versprochen und so getan, als beherrsche das Unternehmen, wie niemand sonst auf dem Finanzmarkt, den Spagat zwischen Rendite und Sicherheit: die Anlagen wurden auch gezielt als "Altersvorsorge" angeboten.
Noch wenige Monate vor Festnahme der Akura-Führungsmannschaft im Herbst 2010 hatte die Unternehmensgruppe angekündigt, dass sie bundesweit etwa 300 freiberufliche Vertriebsmitarbeiter zusätzlich einstellen werde, um die boomende Nachfrage nach ihren Anlagemodellen "als echte Alternative zu allem, was sonst auf dem Markt ist" , in den Griff zu bekommen. Die Geldanlage basiere "auf den härtesten Test- und Leistungsnormen, die derzeit auf dem Kapitalmarkt existieren". Ein Monatseinkommen in fünfstelliger Höhe wurde neuen Vertriebsleuten in Aussicht gestellt und bei entsprechendem Erfolg auch der Aufstieg in hohe Managementpositionen.
Im Oktober 2010, bei einer glanzvollen Vertriebstagung auf der Festung Marienberg in Würzburg, hatten die Akura-Chefs verkündet, dass 2010 als ein ganz besonderes Jahr in die Geschichte der Unternehmensgruppe eingehen werde. Damit sollten sie Recht behalten: Gelegenheit, das zehnjährige Firmenjubiläum und den "überaus erfolgreichen Start" neuer Anlagemodelle zu feiern, hatten sie allerdings nicht mehr, denn kurz danach wurden sie durch die Staatsanwaltschaft Würzburg "vom Markt" und in Untersuchungshaft genommen.
Über neun Millionen Euro, die sich in lukrativen Anlagen von Gold und anderen Edelmetallen über Immobilien bis zu Investment-Fonds kräftig vermehren sollten, sind nahezu vollständig "weg". Den Akura-Oberen sei es, so die Staatsanwaltschaft, überhaupt nicht um Rendite für die Kunden gegangen, sondern nur darum, an deren Geld zu kommen, es in einem Firmengeflecht, für Außenstehende schwer nachvollziehbar, abfließen zu lassen und unter anderem für einen aufwändigen Lebensstil zu nutzen.

"Schutz vor Inflation"


In der Werbung hatte die Akura sich als "Schutz vor Inflation" verkauft. Nicht nur Leute mit Geld zum Spekulieren, sondern auch einfache Handwerker aus dem Großraum Würzburg und Kitzingen sind mit Zinsen bis zu 15 Prozent gelockt worden. In vielen Fällen haben Kunden Bausparverträge und Lebensversicherungen gekündigt, um das Geld in Akura-Beteiligungsmodelle zu stecken. Während die Anleger davon ausgingen, dass ihr Geld für sie "arbeitet", war es zum Teil auf Umwegen über Tochterfirmen, Freunde, Bekannte und Geschäftskollegen, zum Teil über Liechtenstein und die Schweiz, "unterwegs" zu privaten Konten der Finanzjongleure. Zu keiner Zeit, so Staatsanwalt Dr. Reinhold Emmert, sei Kundengeld wirklich zum sich Vermehren angelegt worden. Wenn Gewinne ausbezahlt wurden, dann nach dem Schneeballsystem, mit frischem Geld neuer Anleger.