"Das glaubt Dir kein Mensch, wie das abgeht." Damit wären die ersten Monate ihrer Amtszeit als Seinsheimer Bürgermeisterin beschrieben. "Ab der ersten Minute hat es gegolten, zu funktionieren", erzählt Ruth Albrecht. Ein langsames Hineinwachsen in das Amt – Fehlanzeige. Dazu kam noch Corona, was die neue Bürgermeisterin vor allem im Kindergarten gefordert hat.

Ihre Vereidigung erfolgte unter Corona-Bedingungen. Der Gemeinderat tagte bislang bei all seinen Sitzungen im Jugendheim statt im Sitzungssaal des Rathauses. Ständig hätten neue Vorgaben für den Kindergarten umgesetzt werden müssen. Schon allein dafür waren wöchentliche Termine in der Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit erforderlich. Mit dem Kindergarten steht sie zudem im ständigen Austausch. Spielturm und Sonnensegel sind auf den Weg gebracht. "Es ist mir immer eine Freude, die Kinder im Kindergarten zu erleben." Für die nächsten Jahre muss die Gemeinde zudem über eine neue Gruppe nachdenken.

Beruf aufgegeben

Wenn es in dieser Situation auch noch "normale" Veranstaltungen gegeben hätte, wäre es schwierig gewesen, alles zu schaffen, sagt Ruth Albrecht, die mittlerweile ihren Beruf aufgegeben hat und nur noch für das Ehrenamt da ist. Vieles gilt es nämlich in der Gemeinde umzusetzen oder voranzubringen. Da war gleich der Einbau der Rechen in den Kläranlagen Iffigheim und Tiefenstockheim. "Zum Glück habe ich ein Top-Bauhofteam", freut sie sich. Mit diesem hat sie nun regelmäßige Besprechungen. Und: Die Gummistiefel sind fester Bestandteil im Kofferraum. Die Kläranlage war auch sozusagen ihr erstes abgeschlossenes Projekt.

Nach der Kläranlage forderte sie das neue Baugebiet "An der Leite II" in Wässerndorf, bei dem die Arbeiten anliefen. Bei den ersten Besprechungen war noch ihr Amtsvorgänger Heinz Dorsch mit dabei. Mittlerweile hatte Ruth Albrecht schon erste Gespräche mit Interessenten.

Ein Bauherr pelziger Art hält die neue Bürgermeisterin auch auf Trab: der Biber. "Ich bin bestimmt ein naturliebender Mensch, aber so ein Tier kann einen schon ganz schön fordern", erzählt Ruth Albrecht von ihren Einsätzen am und in der Umgebung des Landschaftssees. Dort erfordern auch die Menschen und vor allem deren parkende Autos ihre Aufmerksamkeit. Beim Biber hatte Ruth Albrecht die Grenzen einer Kommune bei streng geschützten Tieren kennenlernen dürfen, mittlerweile weiß sie auch, wie viele Parkverbotsschilder notwendig sind, damit die Polizei handeln kann. Drei reichten dazu nämlich nicht aus, 28 mussten es sein. Mittlerweile sind es 30, um den Vorschriften Genüge zu tun.

Neue Arbeitskreise

Ruth Albrecht hat drei Arbeitskreise ins Leben gerufen. Nicht, weil sie nicht mehr weiterweiß, sondern um die Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen und die Gemeinderäte bei wichtigen Projekten gleich mit einzubinden.

Beim Jugendhaus steht die Planung. "Wir sind jetzt an der Umsetzung." Wichtig ist ihr hier auch Eigeninitiative und dass "die Jugend mit Hand anlegt". Für den kommenden Winter zeichnet sich laut Ruth Albrecht eine Lösung für ein vorübergehendes Domizil ab. Auch die Jugend in den anderen Ortsteilen hat sie dabei im Blick.

Beim Dorfgemeinschaftshaus in Iffigheim hat erst einmal Corona hineingefunkt. Aber auch hier ist die Gemeinde auf einem guten Weg. Jetzt müsse man abwarten, welche Förderung die Gemeinde bekommt.

"Das ist meine Herzensangelegenheit!"
Bürgermeisterin Ruth Albrecht über das Amtshaus

Dann gibt es da noch das Amtshaus. "Das ist eigentlich meine Herzensangelegenheit."  Doch derzeit hat sie dafür nicht allzu viel Zeit, andere Projekte sind dringlicher. Das nächste Problem beim Amtshaus: "Der versteckte Geldkoffer fehlt"." Denn billig wird eine künftige Nutzungsmöglichkeit sicher nicht.