Sie haben es getan: Annika und Roberto sind verheiratet. Was einer der Gründe ist, weshalb sich die Winterpause der Weltumradler bei Robertos Eltern im mexikanischen Bundesstaat Esenada am Ende fast ein halbes Jahr hinzog. Eine kleine standesamtliche Hochzeit sollte es eigentlich sein, weil die große Party dann nach der Rückkehr in Deutschland stattfinden soll, von wo aus man 2011 mit handelsüblichen Rädern auf Weltreise gegangen war.

Das Paar gibt sich im Standesamt das „Si“-Wort, danach geht es an die Planung der Party. Aus der ursprünglich geplanten „ganz kleinen Runde“ werden dennoch fast 100 Leute. In Mexiko gilt eine Hochzeit mit unter 200 Gästen aber immer noch als „im kleinen Kreis“.

Die Hochzeitstorte – wie sollte es anders sein – kam stilecht daher: Selbstverständlich mussten die Fahrräder mit drauf. Samt des nicht minder treffenden Spruchs: „Home is where my bike is“ (Wo mein Fahrrad ist, bin ich zuhause).

Danach heißt es dann aber wirklich: Ende der Winterpause in Mexiko! Oder anders gesagt: Endlich wird wieder in die Pedale getreten. Die Radtaschen sind gepackt, es kann los gehen. In Stadtzentrum von Tijuana gibt es einen großen Abschied samt rotem Teppich, Presse und Musik. Alle wollen dem Paar noch einmal die Hände schütteln und viel Glück wünschen.

Und dann das: Nach gerade einmal 15 Metern schleift Robertos Schaltung. Nach 300 Metern findet sich zum Glück ein Radladen, in dem das erst mal gerichtet wird. Dann wartet auch schon der erste Berg. Dass die Weltumradler in der Pause regelmäßig Sport gemacht haben, zahlt sich jetzt aus. Von Null auf 277 Meter geht es. Das war vor der Winterpause eher ein Klacks – und ist auch weiterhin machbar. Es geht also noch.

„Eine Hochzeit unter 200 Gästen gilt in Mexiko als kleiner Kreis.“
Annika Wachter, Kitzinger Weltumradlerin

Aber man soll ja nichts überstürzen: Nach zehn Kilometern gibt's einen Halt am Eis-Stand. Kleine Belohnung am Straßenrand. Denn die nächsten Strapazen warten schon: Um auf die Ostseite der Halbinsel zu kommen, muss man über weitere Berge.

Über Rosarito führt der Weg zunächst immer weiter gen Süden. Entlang der Küste warten Dörfer und kleine Städte. Wenig später entscheiden sich die Frischvermählten für einen kleinen Schlenker ins Inland. Inzwischen geht es stramm auf 26 000 geradelte Kilometer zu.

Überraschend für die Abenteurer: Die Straße windet sich durch schroffe Felsen, alles wirkt ein bisschen wie in Australien. Links und rechts von ihnen liegen gelbe Felder und am Straßenrand wachsen Eucalyptus Bäume. Ein paar Blumen blühen und die Bienen summen. Bei all der Schönheit fällt erst spät auf, dass ein Anfängerfehler begangen und zu wenig Wasser mitgenommen wurde. Das rächt sich natürlich nach dem Anstieg.

Im einzigen Laden weit und breit wird nachgekauft. Die Besitzerin erzählt, dass immer mehr radelnde Familien mit kleinen Kindern unterwegs sind. Die meisten von ihnen seien auf dem Weg von Patagonien nach Alaska oder andersherum.

So langsam stellt sich wieder der Alltag im Sattel ein. Die weitere Strecke: Es geht die Baja California Halbinsel herunter über San Felipe, Guerrero Negro und La Paz, um von dort mit der Fähre aufs Festland zu gelangen.

Für die 29-Jährige und den 32-Jährigen ist es ab jetzt so etwas wie die Heimfahrt: Nachdem man eigentlich im Herbst wieder in Kitzingen sein wollte, haben die verlängerte Winterpause samt Überraschungs-Hochzeit den Zeitplan doch gehörig durcheinandergewirbelt. Vor Dezember ist jedenfalls kaum mit der Rückkehr nach Kitzingen zu rechnen, wo das Abenteuer der beiden im Herbst 2011 seinen Anfang genommen hat.