Vor der Praxis standen wie üblich Fahrzeuge, die Dialyse-Patienten brachten oder abholten. Weil ihm ein junger Mann von einem Rettungsdienst im Weg stand, hat der 65-jährige Autofahrer aus Kitzingen ihn zwei Mal mit dem Fahrzeug von hinten leicht geschubst. Die dritte Berührung muss dann etwas heftiger gewesen sein: Der junge Mann knickte kurz ein, verspürte starke Schmerzen im Knie, war erst zwei Tage und dann zwei Wochen krankgeschrieben. "Und jetzt habe ich Wasser im Knie", berichtete der Zeuge vor Gericht.

Der Rentner, der für eine private Krankentransport-Firma mit Patientin unterwegs war, brachte zur Verhandlung weder eine Vorstrafe mit noch Punkte aus Flensburg: Im Straßenverkehr war er nie unangenehm aufgefallen. Der junge Mann, den er fast umgelegt hätte, war von den Johannitern und unterstützte zur "Tatzeit" gerade mit Handbewegungen einen Kollegen beim Herausfahren aus einem Parkplatz. Das muss dem Mann aus Kitzingen mit Patientin an Bord zu lange gedauert haben.

Ganz leicht habe er gehupt, sagt er, aber ohne Reaktion beim "Hindernis". Deswegen sei er, so der Angeklagte, extrem langsam an das "Hindernis" herangefahren und habe den jungen Mann höchstens einmal berührt, aber so sanft, dass er davon im Pkw nichts mitbekommen konnte. "Vielleicht war minimal am Knie etwas gewesen, aber nichts Gravierendes", meinte der Angeklagte, denn sonst hätte er ja nachgefragt, ob der andere verletzt wurde. Als er seine Patientin in der Dialyse abgeliefert hatte und heraus kam, sei der junge Mann schon weg gewesen. Er bedauere den Vorfall, es tue ihm leid, er habe sich schon kurz danach in der Rettungswache des Opfers entschuldigt und tue dies hiermit noch einmal.


Zeuge hinterließ seine Personalien



Der Johanniter hatte das anders in Erinnerung: Mit Handzeichen habe er um einen Moment Geduld gebeten, damit sein Kollege das Transportfahrzeug rückwärts aus dem Parkplatz manövrieren kann, kurz danach gab es von hinten Druck. "Hallo, was soll das" habe er gerufen und auf die Motorhaube des Angeklagten geklopft. Der will das aber nicht gehört haben. Ein Mitarbeiter vom Roten Kreuz beobachtete das Geschehen: "Ja will der dem in die Beine fahren", habe er sich gedacht und danach dem Johanniter vorsichtshalber seine Personalien gegeben, falls er einen Zeugen braucht.

Ein Polizeibeamter bestätigte den Eindruck, den man auch bei Gericht von dem Angefahrenen hatte: Kein Hang zum Dramatisieren, kein Belastungseifer, das sehe man schon daran, dass er erst nach drei Tagen Bedenkzeit zur Polizei gegangen war und den Rempler anzeigte.

"Das hätte auch anders ausgehen können", bilanzierte die Richterin. Da sei der Pkw wie eine Waffe verwendet worden. Sicher habe der Angeklagte den Mann von den Johannitern nicht verletzen wollen, aber er sei vielleicht unter Zeitdruck gewesen, gestresst und genervt, weil er nicht zügig zum einzigen noch freien Parkplatz fahren konnte und habe dann halt so heftig reagiert. Damit war der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung, der Nötigung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erfüllt. Dafür gab es neun Monate mit Bewährung, zwei Monate Fahrverbot und eine Geldbuße von 1000 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung. fb