Wenn es Monopoly in der Volkacher Version gäbe, wäre die Hauptstraße wohl die Schlossallee des Spiels. Wer dort Häuser und Hotels hat, kann auf gute Einkünfte hoffen. Das dürfte – auch in der realen Welt – Philip Aczél also zum Gewinner machen. Denn ihm gehört jetzt nicht nur das Hotel "Tuchhaus" mit dem Bistro "Geniesserei " in Volkachs bester Lage, an der Ecke Marktplatz und Hauptstraße, sondern auch vier weitere Gebäude rundherum. Die beiden Gebäude zwischen "Tuchhaus" und dem dazugehörigen Gästehaus werden bereits umgebaut. Gekauft hat sie der Gründer und frühere Inhaber von "Art of Chocolate"  von der Stadt Volkach. In dem gelben Haus betrieb Dino Brandi jahrzehntelang die kleine Pizzeria "Rimini", daran schmiegt sich in Hellrot das frühere städtische Bauamt an.

Geht man einmal ums Eck links in die Hauptstraße hinein, kommt noch der ehemalige Gemüseladen Dorsch hinzu. Unberührt vom Umbau bleibt hingegen das Café Mees, das zwischen Gemüseladen und "Tuchhaus" liegt. Der Clou an diesem Großprojekt: Das Hotel "Tuchhaus" wird im Hinterhof mit den drei hinzugekauften Häusern verbunden. So kann das Hotel auf 36 Zimmer anwachsen, auch für einen kleinen Spa-Bereich ist Platz.

"Herr Aczél gibt einige Millionen aus, das ist gut."
Heiko Bäuerlein, Volkachs Bürgermeister

Doch vor der Entspannung warten noch eine Menge Schutt und Dreck auf Aczél. Ein Bauteppich schützt derzeit den Dielenboden seines Büros im "Tuchhaus". Die Wände hängen voller Pläne. Es ist eine knifflige Sache, die denkmalgeschützten Bauten weitgehend zu erhalten und dennoch modernen Komfort zu ermöglichen. "Schöne alte Häuser sind meistens auch schön teuer", sagt der 41-jährige Bauherr dazu. Etwas konkreter wurde Volkachs Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses: "Herr Aczél gibt einige Millionen aus, das ist gut." Andere Orte dürften sich glücklich schätzen, so ein Projekt in ihrer Innenstadt zu haben.

Auch dessen Vorgänger Peter Kornell (FWG) begrüßte den Umbau ausdrücklich. Er zitierte Volkachs städtebaulichen Berater, Dag Schröder, der das Projekt als "Glücksfall für die Altstadt" bezeichnet habe. Einzig Moritz Hornung (Grüne) störte sich in der Sitzung daran, dass ein neues Gebäude im Hinterhof 1,5 Meter höher werde, als die bald abgerissene Scheune. Kornell hingegen sagte: "Bisher lebten in dem Bereich vor allem Mäuse, Ratten und Tauben."

Vielfalt in Volkachs Zentrum schrumpft

Philip Aczél selbst spricht beim Rundgang über die "sehr, sehr marode Bausubstanz dahinten". Gerade reißen Arbeiter im Hinterhof die Scheune ein. Für die Stadt sei wichtig gewesen, dass es einer richtig mache, erläutert der Hotelier mit Blick auf die Großbaustelle. Er lobt den alten und neuen Bürgermeister sowie die Verwaltung: "Ich bin hier mit offenen Armen empfangen worden."

Die Vielfalt in Volkachs Zentrum allerdings schrumpft mit dem Projekt: Bauamt, Gemüseladen, Pizzeria werden zu Hotel, Hotel, Hotel. Darauf angesprochen macht Aczél deutlich, dass ein kleines Unternehmen eine so teure Sanierung im Ensemble nicht hätte stemmen können. Diese sei ein "extremer Mehrwert" für Volkach. Und mit einem Augenzwinkern fügt der Familienvater hinzu: "Und wenn der Tourismus mal nicht mehr ist, machen wir eine Seniorenresidenz rein." Da muss auch sein Vater Georg lachen, der auf einen Kaffee vorbeigeschaut hat – und seinem Sohn mit Rat und Tat zur Seite steht.

Das Gute an Corona

Ernsthaft glaubt Philip Aczél aber nicht an einen Rückgang des Tourismus' an der Mainschleife. Sogar Corona kann er in dem Zusammenhang etwas Gutes abgewinnen: "Der jüngere Deutsche entdeckt sein eigenes Land." Und kommt auch in diesem Jahr – wie 2020 – sicherlich in Volkach vorbei. Darum wolle er nun auch schnellstmöglich alle lauten und dreckigen Arbeiten abschließen, um wieder eine schöne Flaniermeile zu haben.

Derzeit steht noch ein großer Container in der Hauptstraße vor dem einstigen Gemüseladen Dorsch. Als Philip Aczél mit Blick darauf gerade erklärt, dass das Gebäude nun ein passenderes Satteldach erhalte, läuft zufällig Klaus Behringer vorbei. Er hatte den Traditionsgasthof Behringer, der jetzt das "Tuchhaus" ist, an den Hotelier verkauft. Der Hinterhöfle-Wirt bezeichnet den großen Umbau als eine tolle Sache für ganz Volkach. "Das leitet eine neue Epoche ein."

Kleine Pensionen haben aufgehört

Auch Marco Maiberger, Tourismuschef der Mainschleife, befürwortet diese "Entwicklung zu einem sehr hochwertigen Tourismus". Seit 2005 macht Maiberger den Job und er habe erlebt, wie viele kleine Pensionen über Jahre hinweg aufhörten, "aus Altersgründen, nicht wegen der Wirtschaftlichkeit". Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten mit mittlerem bis gehobenem Niveau gestiegen: "Der Bedarf ist noch nicht erschöpft." Maiberger sieht den Charme einer Altstadt auch in den kleinen Gastgeber-Hotels.

So eines, wie es das "Tuchhaus" ist und bleiben soll. "Mir macht das einen Heidenspaß", betont der in Sulzfeld wohnende Inhaber. Bis zum Frühsommer soll das Großprojekt fertig sein – und die Hotelgäste könnten dann im begrünten Innenhof frühstücken. Eine kleine Oase zwischen den Mauern der Altstadt soll dort entstehen. Das gastronomische Angebot indes will Philip Aczél nicht über die bislang angebotenen Häppchen und Getränke hinaus ausweiten. "Wir unterstützen gerne die gute Gastronomie hier." Da ist die Realität dann doch nicht so weit vom Spiel Monopoly entfernt: Mit der Schlossallee Geld verdienen kann nur, wenn genügend Mitspieler es bis dorthin schaffen und nicht schon vorher bankrott sind.