Bei einer "Aussprache" hat ein 27-Jähriger im Würzburger Ringpark bei Dunkelheit einem flüchtigen Bekannten ohne Vorwarnung mit einem Klappmesser dreimal in den Bauch gestochen. Die Galle musste entfernt werden, die Leber wurde verletzt, aber das schwerverletzte Opfer ist rechtzeitig von Passanten entdeckt worden und hat überlebt. Im Prozess gegen einen erheblich Vorbestraften ohne Beruf, angeklagt wegen versuchten Totschlags, kann nur noch die Aussage des Opfers bei der Kriminalpolizei verlesen werden. Der Mann (33), gelernter Dachdecker, ebenfalls trinkfest und polizeibekannt, war wenige Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus unter tragischen Umständen im Main ertrunken.
Bei einem Saufgelage am Mainufer bei Zell im Landkreis Würzburg war Anfang Juli 2011 gegen Abend der Alkohol ausgegangen. Eine Bekannte des Opfers wurde losgeschickt, um in einem Einkaufsmarkt in Veitshöchheim kurz vor Ladenschluss noch einige Flaschen zu besorgen. Um "abzukürzen" schwamm sie auf die andere Mainseite. Als sie mit dem Nachschub wieder ans Zeller Ufer schwimmen wollte, verließen sie ihre Kräfte und sie schrie um Hilfe. Der Mann mit den Narben am Bauch sprang ins Wasser, um sie zu retten, ist allerdings untergegangen und nicht mehr aufgetaucht. Drei Tage später war seine Leiche einige Kilometer mainabwärts am Ufer entdeckt. Die junge Frau hatte es aus eigener Kraft geschafft, das rettende Ufer zu erreichen.
Kaum aufzuklären ist für das Schwurgericht , warum der Angeklagte den Dachdecker, der ihm und seiner Begleiterin noch in der Nacht vorher bei sich zuhause sein Schlafzimmer überlassen hatte, am nächsten Abend im Park nach seinen eigenen Worten "abgestochen" hat.
Angeblich waren seine Mutter und eine Schwester per Handy beleidigt und schwer gekränkt worden und zwar vermutlich auf Veranlassung seiner ehemaligen Freundin.
Knapp 20 junge Frauen aus einem Würzburger Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt, waren an dem Abend nach Handy-Rundruf "zum Besprechen offener Fragen" im Ringpark versammelt, sie schrien, schlugen und zogen an den Haaren. Mindestens einer der beteiligten Schwangeren wollte man, so erinnerten sich Unbeteiligte später, "das Kind aus dem Bauch treten".
Anwesende Männer, darunter auch russisch Sprechende, hielten sich bei der allgemeinen Abrechnung zurück bis auf den jetzt Angeklagten.
Das Opfer hat, so seine Aussage im Krankenhaus, das Klappmesser überhaupt nicht gesehen und die ersten beiden Stiche bei etwa 2,3 Promille auch gar nicht "gespürt".
Als der Angeklagte ihm nach dem dritten Stich das Messer aus dem Bauch zog, soll er zum Opfer gesagt haben: "Wenn du bei der Polizei meinen Namen nennst, dann nehme ich mir deine Familie vor". Das war das letzte, woran das Opfer sich erinnern konnte, danach wurde ihm schwarz vor den Augen.
Der Täter ließ den Schwerverletzten im Park liegen, warf das Klappmesser in einen Gully und ging erst mal was trinken. Das Schwurgericht will bereits morgen früh das Urteil verkünden.