Sie gehört zu den heimlichen Stars in der Region. Melissa Muther, 23 Jahre alt, aus Iphofen, gewann mit ihrer A-Capella-Band „Sonic Suite“ den „deutschen Rock und Pop Preis 2010“, errang den ersten Platz beim Gesangswettbewerb „Vocal.Total“, war auf Asientour und trat gemeinsam mit dem Schweizer Pop-Star DJ Bobo bei dessen „Dancing Las Vegas Tour“ 2012 auf. Und alles begann mit dem Kinderlied „Schmetterling, Du kleines Ding“.

„Bevor ich sprechen konnte, trällerte ich dieses Lied“, lächelt Melissa beim Interviewtermin im Würzburger Bistro „Wunschlos glücklich“. Nur selten trifft man sie in Mainfranken. Melissa studiert an der Folkwang Universität der Künste in Essen Jazzgesang.

Sie ist die einzige Sängerin in ihrem Semester. Die Studienplätze sind rar gesät. Anders als in üblichen Fachbereichen wie Medizin, BWL oder Literaturwissenschaft kümmern sich die Professoren beim Gesangsstudium einzeln um ihre Schützlinge. Entsprechend groß ist der Andrang auf die Plätze. Melissa bewarb sich in Nürnberg und Essen. Auch Nürnberg hätten sie gerne genommen.

„Als ich etwa 16 oder 17 Jahre alt war, deutete sich an, dass mein Leben sich in Richtung Profimusikerin bewegte.“
Melissa Muther, 23, Sängerin aus Iphofen

Kaum 20 Jahre liegen zwischen dem Kinderlied und ihrer Aufnahme an der Uni. Die hatten es musikalisch allerdings ganz schön in sich. Mit 14 wechselte Melissa vom Akkordeon zur Gitarre und wurde von ihrem Lehrer animiert, dazu auch zu singen. Keine zwei Jahre später nahm sie Gesangsunterricht bei Sylwia Bialas, die sich als Jazzsängerin in der Musikszene bereits einen Namen gemacht und einige CDs aufgenommen hat. „Durch sie erhielt ich auch den Kontakt zur Jazzszene und zu den Jazzstudenten in Würzburg“, erzählt Muther.

Auf der Bühne los ging es mit der Combo „Tom Tornado Dreamband“, mit der „Groove Mafia“, bei „Saitengezimmer“ und bei dem Würzburger Rapper „Mistaa“. In dessen Song, „Meine Stadt“, der das Leben in Würzburg thematisiert, ist Melissa als Backgroundsängerin zu hören. „Als ich etwa 16 oder 17 Jahre alt war, deutete sich an, dass mein Leben sich in Richtung Profimusikerin bewegte.“

Ihre Liebe zum Soul und zum Jazz legten Melissa allerdings die Eltern in die Wiege. „Zuhause haben meine Eltern immer viel Musik gehört, besonders Soul aus den 60er-Jahren.“ Wen wundert’s da, dass etwa die 1917 geborene US-amerikanische Soul-Königin Ella Fitzgerald zu Melissas Lieblingssängerinnen gehört.

Der Musiker Tom Jahn, alias Tom Tornado, war es dann, der Melissa nahelegte, sich an der Musikhochschule in Nürnberg als „Jungstudentin“ zu bewerben. Das Jungstudium ist eine Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, in den Studiengang reinzuschnuppern. Natürlich schaffte Melissa die Aufnahmeprüfung auf Anhieb. „Ein solches Vorsingen ist viel schlimmer, als auf der Bühne zu stehen“, erzählt sie. Aber unbekümmert wie Melissa ist, hat sie sich den Herausforderungen gestellt. „Ich denke immer, einfach machen.“

Und wie sieht es nun aus, das Leben als Jazzgesang-Studentin? „Ich werde in klassischer Stimmbildung unterrichtet, das sind zum Beispiel Technik- und Atemübungen, erweitere mein Jazzrepertoire, übe Improvisation, Gehörbildung, lerne Studiopraxis, Jazzgeschichte, Arrangements für Orchester und Bigband und im Nebenfach spiele ich Gitarre und muss auch dafür Prüfungen absolvieren.“ Daneben bringt sie an der Musikschule zehn Schülern im Alter zwischen sieben und 54 Jahren das Singen bei. Noch dazu möchte sie ihren Master in Musiktherapie absolvieren.

Die Freunde an ihrem Job spielt für Melissa eine zentrale Rolle. Sie investiere gerne Zeit und ist mit anderer Energie bei der Sache, wenn sie die Dinge, die sie tut, liebt. Deswegen seien auch Casting-Shows wie „The Voice“ nichts für sie. „Dafür bin ich zu sehr Musikerin und habe keine Lust, mich in ein Format pressen zu lassen.“

Viel Energie fließt derzeit in ihr neuestes Projekt, das Duo „Luftlinie 391“. 391 Kilometer liegen zwischen Essen und Nürnberg, wo Hanna Sikasa, die musikalische Partnerin von Melissa Muther studiert. Elf Konzerte standen alleine im vergangenen Oktober auf dem Programm. „Derzeit arbeiten wir an einem Album, einige Songs sind schon auf einer Auskopplung erschienen.“ Die Lieder stammen alle aus der Feder der beiden Sängerinnen. „Es ist ein ganz tolles Gefühl, seine eigenen Lieder auf einer CD zu hören“, schwärmt Melissa ein bisschen.

Viel Zeit bleibt Melissa indes nicht. Befragt nach ihren nächsten Projekten schaut sie in ihren Terminkalender und zählt fröhlich auf: „Mit dem Folkwang-Jazzorchester trete ich in Essen auf, mit dem Blue-Moon-Orchester auf Rügen, in Saarbrücken singe ich mit der Hugo Strasser, in Siegen mit der WDR-Bigband, mit der Luftlinie391 sind wir im November noch in Berlin, und an Silvester singe ich bei einem Galakonzert am Titisee.“ Und man sieht ihr an, dass sie sich auf jeden dieser Auftritte freut.

„Man muss gut organisiert sein. Ich lerne gerade noch.“
Melissa Muther

Ein bisschen was von dem Schmetterling aus dem Kinderlied ist Melissa anscheinend geblieben. Fröhlich tanzt sie von einem Auftritt zum nächsten. Trotzdem: Ganz schön stressiges Programm für eine 23-jährige junge Frau? „Ja, man muss gut organisiert sein“, antwortet sie. „Ich lerne gerade noch, was ich machen kann und was dann zu viel ist.“ Im letzten Urlaub habe sie eine Woche lang durchgeschlafen. Überhaupt spiele das Thema Organisation für Musiker eine wichtige Rolle. „Es gibt viele gute Musiker, aber ab einem bestimmten Level muss das Gesamtpaket stimmen und entscheidet darüber, ob man gebucht wird oder nicht“, betont sie.

Und was ist mit Relaxen, Freunde treffen, Partys feiern? Melissa lacht. Früher habe sie schon öfter mal auf Partys durchgefeiert. „Jetzt muss ich mich fit halten und passe mehr auf mich auf.“

Das nächste Mal in Würzburg zu hören ist sie am 9. Mai 2014 in der Soundlounge im Bockshorn bei der CD-Release-Party von Benni Freibott.

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