Die Beziehung zwischen Marktbreit und seiner französischen Partnerstadt Fléac floriert auch im allgemeinen Lockdown der Corona-Zeit: Vom 1. März bis 11. April absolvierte der 21-jährige Jakob Wagner aus Segnitz ein Praktikum am Jugend- und Kulturzentrum in Fléac. Die Organisatoren des Praktikums waren die Partnerschaftskomitees der beiden Städte. Jakob Wagner hat Bericht über seine Eindrücke geschrieben:

1200 Kilometer entfernt von meiner Heimat in Franken. Nicht Lyon, nicht in Paris, nein schon weit im Süden Frankreichs im schönen Fléac: Weinanbau, ein Schloss, und eine frisch grüner Fluss, der sich durch die Landschaft schlängelt - ein zweites Marktbreit!  

Ich komme an. Und werde von einer engagierten, sehr interessierten und weltoffenen Dame in Empfang genommen: „Bonjour, comment tu vas?“  Ich werde nun hier für sieben Wochen wohnen –  und die Käseplatte zum Abendessen zeigt mir: Ja, genau das will ich auch!

Am Tag darauf betrete ich das MJC (Maison de Jeunes et de la Culture). Mit Jugendraum und noch viel mehr: Es ist eine wirkliche Zentrale des Spaßes, der individuellen Entwicklung und bereichernde Sozialisierung für Menschen von 0 bis 99. Aktionen beginnend mit Open-Air Kinoabenden über Nordic-Walking, einer Vielzahl an Ferienprogrammen, bis hin zum Erleben der Stadt-Geschichte wird hier wirklich viel für die 3500 Bewohner geboten. Es geht schlichtweg um Lebensqualität.  Davon kann sich Deutschland eine Scheibe abschneiden.

Nun, was habe ich hier im MJC gemacht? Als Praktikant nahm ich teil an der Nachmittags-Betreuung. Wer mich aus dem Zirkus Gymnelli kennt – natürlich war Jonglieren, Pyramiden bauen, und Gymnastik schon bald fester Bestandteil. Vormittags habe ich gemeinsam mit meiner netten Kollegin für das EVS („Espace vie sociale“) gearbeitet. Es teilt die beschriebenen Werte des MJC und ich habe viel Freude und Sinn darin gefunden mich für die Bewohner vor Ort einzusetzen.

Der erste „Kulturschock“ war tatsächlich die Arbeitsweise: 70 Prozent arbeiten, 30 Prozent quatschen. Dies war für mich zunächst eine Umstellung, die ich gleichzeitig schätzen gelernt habe: Wie Freund*innen haben wir gemeinsam die Projekte verfolgt. Eine sehr schöne Atmosphäre. Außerdem wurde mir viel Freiheit gelassen eigene Aktionen auf die Beine zu stellen und wurde sehr gut unterstützt. Hier braucht es keinen happiness-Manager mehr.  

Und in der Freizeit? Jedes Wochenende wurde ich von Mitgliedern des Komitees eingeladen. So kam ich ganz schön rum: Von La Rochelle über Royan, nach Angoulême bis hin in die Dordogne und das Périgord. Mir wurde die Schönheit der Landschaft gezeigt und ich habe Bilder mit nach Hause gebracht, die man sonst nur auf seinem Windows-Sperrbildschirm sieht.

Alles perfekt bis dahin – nur wie ist es mit Heimweh, dieser Fülle an neuen Erlebnissen und dass ich konstant Französisch sprechen musste? Tatsächlich gab es auch anstrengende Momente: Gerade am Anfang war es eine wahre Wohltat am Abend deutschen Rap zuhören, der Sprache wegen. Auch Freunde und Familie die normalerweise Sicherheit und schöne Momente geben, fallen weg. Hier musste ich mir alles neu aufbauen.

Und tatsächlich habe ich Freunde gefunden, eine Sprache perfektioniert und meine berufliche Zukunft gefunden. Fléac war ein enormer Selbstentwicklungsprozess für mich, bei dem ich erkannt habe, dass ich überall auf der Welt leben, arbeiten kann und Freunde finden kann.

Ich habe nun ein zweites Zuhause.

Schön, dass dies in Frankreich war: Auch in Fléac habe ich ein Kriegsdenkmal gesehen, mit Namen von Personen, die vielleicht gegen die Gestorbenen in Marktbreit gekämpft haben. Dass meine Freunde dort mir nicht heute auf dem Schlachtfeld begegnen, ist ein verdammt wichtiger Erfolg von Partnerschaften. Und da das kein Zufall ist, sondern die leidenschaftliche Arbeit von besonderen Menschen rufe ich jeden und jede – auch aus meiner Generation auf: „Vive l’amitié franco-allemande!“

Von: Jakob Wagner für das Partnerschaftskomitee Fléac- Marktbreit