Die Erstklässler haben es gut: Sie dürfen ihre Schultüte tragen statt eine Maske.  Die Grundschulen sind ausgenommen von der Masken-Pflicht im Klassenzimmer in den ersten beiden Wochen. Aufregend wird der Tag auch ohne Auflagen im Zuge der Corona-Pandemie – vor allem für die Schulanfänger. Im Landkreis Kitzingen sind das 750 Erstklässler in 29 Klassen an 17 Grundschulen. Ihnen allen wünschen sechs Persönlichkeiten aus Stadt und Kreis Kitzingen einen tollen Schulanfang. Sie erinnern sich ihre ersten vier Jahre im Schulleben mit französischer Disziplin, schönen Wandertagen um den Vulkan – und sogar mit Begeisterung an den Matheunterricht. Was auffällt: Die Schultüte zum Start scheint eine deutsche Besonderheit zu sein.

Keine Schultüte, aber ein Tintenfass

Jocelyne Nicoly (73) aus Kitzingen, Referentin für die Kitzinger Städtepartnerschaft mit Prades:
"Eine Schultüte oder Feier zum ersten Schultag gibt es in Frankreich nicht. Ich bin in Paris aufgewachsen und hatte dort 1952 meinen ersten Schultag. Der war ein bisschen militärisch: Die Eltern haben die Kinder nur abgeliefert und wir alle mussten in den Pausenhof gehen, wo die Lehrerin jedes Mädchen einzeln aufgerufen hat. Die Jungs waren von uns getrennt an der Schule nebenan. Auf meinem Schreibtisch im Klassenzimmer stand rechts oben ein Tintenfass, in das die Feder zum Schreiben getaucht wurde. Schule war von Montag bis Samstag bis 16.30 Uhr inklusive Mittagspause. Nur der Donnerstag war frei für die Religion, denn diese wird in Frankreich nicht unterrichtet. Wer gut gearbeitet hat, bekam Punkte und am Ende des Monats wurde gezählt. Die Besten durften ein Kreuz als Auszeichnung tragen. Auch ein bisschen wie beim Militär. Insgesamt mussten wir schön brav sein, aber es war eine gute Zeit."

Mehr Lust auf den Wandertag als auf Schule

Pater Isaak Grünberger (56), Benediktiner in der Abtei Münsterschwarzach:
"Genau vor 50 Jahren, im Herbst 1970, wurde ich in Pressath in der Oberpfalz (bei Weiden) eingeschult. Wir waren eine ganz große Klasse damals, rund 35 Schüler, für die in der neuen Schule jeder Platz im Klassenzimmer ausgenutzt wurde. Die Schultüte habe ich natürlich gerne genommen, aber in die Schule wollte ich eigentlich nicht, sondern lieber zuhause bleiben und spielen. Ich war eher ein Widerständler und habe gerne geschwätzt. Erst rund um Weihnachten ist mir klar geworden, was Schule von mir will. Und in der 2. Klasse hatte ich Schwester Sanktina als Lehrerin, das hat dann gut gepasst. Aber besonders gerne mochte ich trotzdem das Wandern, das wir dort rund um den Vulkan Rauher Kulm oft gemacht haben. Und das Schönste daran war halt immer das Brotzeit machen und die Sachen miteinander zu teilen. Heute wünsche ich allen Schülern von Herzen einen guten Schulanfang."

Vorfreude auf die Schuluniform und täglich ein langer Marsch

Safiye Klein (44) aus Kleinlangheim, Mitglied des Integrationsbeirates Kitzingen:
"Ich finde, es ist der Wahnsinn, was man hier alles machen muss, nur weil das Kind in die Schule kommt. Bei meiner Einschulung 1982 in unserem Dorf bei Trabzon im Nordosten der Türkei hat mich mein Bruder, einer von zehn Geschwistern, in die Schule gebracht und ist wieder gegangen. Das war's. Besonders erinnere ich mich, dass ich mich riesig auf die Schuluniform gefreut hatte: ein schwarzes Kleid mit weißem Kragen. Mit der Uniform wurde man plötzlich ernst genommen. Und in der Schule hatte ich das Glück, dass meine Brüder vor mir klug und fleißig waren, somit hatte ich einen Bonus. Wir haben auf einem Berg gewohnt und unten im Tal war die Schule. Jeden Tag mussten wir fünf Kilometer hin und zurück laufen, das war eine Reise für mich. Trotzdem war es total schön, denn wir sieben Erstklässler liefen als Gruppe. Nur das Heimkommen war echt anstrengend: Hitze im Sommer, bis zu einem Meter Schnee im Winter." 

Der Vater als Lehrer nebenan und ein grüner Schal

Stefan Güntner (38), Kitzinger Oberbürgermeister:
"Ich wurde im Herbst 1988 an der Grundschule der Kitzinger Siedlung eingeschult. Nebenan an der Hauptschule war mein Vater Lehrer, da konnte der Sohn natürlich nichts verheimlichen. Aber das war kein Problem. Am Anfang ist ja sowieso noch alles neu und aufregend, in der 3. und 4. Klasse habe ich mich wegen meines Vaters vermutlich schon mehr am Riemen gerissen als manch anderer. Auch eine schlechte Note ließ sich nicht verheimlichen. Da war der Lehrer-Buschfunk zum Teil schneller als ich. Zwei Erinnerungen sind geblieben: Die Grundschule war die einzige Zeit meines Lebens, in der ich musikalisch aktiv war, im Orff-Kurs bei Herrn Zwicker. Und heute noch besitze ich den grünen Schal, für den ich die Note 1 bekommen habe, gestrickt bei Frau Festl. Sie unterrichtet jetzt meine Tochter."

Zwischen Terroranschlägen und einem Ausflug mit der Undine

Carolin Meyer (25), Fränkische Weinkönigin aus Greuth:
"An den Tag meiner Einschulung kann ich mich noch sehr gut erinnern: Es war Nine-Eleven, der 11. September 2001, der Tag der Terroranschläge auf das World Trade Center und andere Ziele. Ich weiß noch, wie die ganze Familie am Nachmittag vor dem Fernseher saß. Das waren schlimme Eindrücke. Doch insgesamt war meine Grundschulzeit unbeschwert und es hat mir immer viel Spaß gemacht. Das zeigte sich auch in den Zeugnissen. Und trotz Hausaufgaben habe ich den Nachmittag schon damals gerne im Weinberg verbracht. Das war normal und dafür blieb genug Zeit. In besonderer Erinnerung geblieben ist mir der schöne Abschluss meiner Grundschulzeit: Beim Klassenausflug mit unserer Lehrerin Frau Hartmann fuhren wir mit dem Schiff MS Undine die Mainschleife entlang."

Begeisterung für den Matheunterricht und das Eislaufen

Jannik Stöcklein (10), Fünftklässler aus Großlangheim:
"Ich komme jetzt in die fünfte Klasse am Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach. An meine Schultüte am 1. Schultag 2016 kann ich mich gar nicht richtig erinnern." [Mama hilft nach] "Ach ja, es war eine Blaue mit Schlangen. Da war ein Wecker drin, ein Regenschirm und viele Süßigkeiten. Die Grundschule in Groß- und Kleinlangheim war gut, meine Lehrer mochte ich alle gern, besonders Mathe hat mir gefallen. Nach der Fahrradprüfung bin ich total gerne mit dem Rad zur Schule nach Kleinlangheim gefahren. Und das Eislaufen war immer toll, da waren wir jeden Winter in der Eislaufhalle Schweinfurt. Schade war nur, dass unser Schullandheim-Ausflug zum Ende der 4. Klasse wegen Corona ausgefallen ist. Jetzt freue ich mich, dass der Matheunterricht endlich wieder losgeht."