Kitzingen ist ein hübsches Städtchen in bester Lage - eine kleine Perle zwischen Main und Weinbergen. Doch ein bisschen historische Bausubstanz und eine herrliche Umgebung reichen noch lange nicht aus, um ein Mittelzentrum wie Kitzingen zukunftsfähig zu machen. Und gute Qualität allein nützt auch nichts, wenn die Vielfalt fehlt. Welches Entwicklungspotenzial die Innenstadt und die übrigen Einzelhandels-standorte haben, das steht im neuen "Kommunalen Einzelhandelskonzept der Stadt Kitzingen".
Dessen erstes Ergebnis: Die Stadt Kitzingen erfüllt ihre Versorgungsfunktion als Mittelzentrum - allerdings vor allem wegen des Angebots auf der "Grünen Wiese", also in den Randbereichen der Stadt. In Zukunft soll sich der Fokus wieder verstärkt auf die Innenstadt - und den dortigen Sortimentsmix - richten. Wie man das erreichen kann, das machte Andreas Schuder vom Fachbüro "Stadt+Handel" kürzlich erst den Kitzinger Handeltreibenden und vergangene Woche auch dem Stadtrat anschaulich.
Schuder zeigte auf, wie sich die Kitzinger Einzelhandels standorte entwickeln müssen, um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen. Er legte eine "Kitzinger Sortimentsliste" vor, die innenstadtrelevante Warengruppen festlegt, und formulierte dezidierte Ziele für die Nahversorgungszentren Siegfried-Wilke-Straße und Königsberger Straße/Böhmerwaldstraße, das Innenstadtzentrum, den Hindenburgring-West, die August-Gauer-Straße, "am Dreistock" und das E-Center-Gebiet, die Schwarzacher Straße Ost und den Goldberg.
Der Kommunalberater sprach auch die "Sorgenkinder" an. "In Etwashausen und den Kitzinger Ortsteilen gibt es kein zu Fuß erreichbares Nahversorgungsangebot." Auch auf die Innenstadt üben E-Center und Kaufland einen hohen Wettbewerbsdruck aus, so dass es schwierig werde, neben Norma einen zweiten Nahversorger in der Altstadt zu etablieren. Grundsätzlich sei dafür "eher ein Vollsortimenter" anzustreben. Konsequent müsse nahversorgungsrelevanter Einzelhandel in nicht integrierten, gewerblich geprägten Lagen ausgeschlossen werden, sagte er.
Welche Waren für die Innenstadtbelebung relevant sind - und welche nicht - hat Schuders Büro in einer Sortimentsliste vermerkt. Dieses Dokument soll die Grundlage für künftige Genehmigungen von Einzelhandelsgeschäften sein - und damit ein echtes Steuerungsinstrument. In der Sortimentsliste heißt es beispielsweise ganz klar, dass die Sparte "Glas/ Prozellan/ Keramik" wichtig für die Nahversorgung ist. Ein Laden auf der grünen Wiese dürfte demnach also nicht genehmigt werden.
Im Bestand gebe es freilich "ein deutliches Missverhältnis in vielen Bereichen", erklärte Schuder. Bei Blumen, Bekleidung, Nahrungs- und Genussmitteln, Haushaltsgeräten und Spielwaren befinde sich ein großes Angebot in nicht integrierter Lage - also außerhalb der Zentren. Dieser Status quo hat Bestandsschutz.
"Die Bürgerbräu liegt wie ein schwarzes Loch im der Innenstadt", formulierte Schuder drastisch. Das Areal sei die Potenzialfläche, um die Innenstadt richtig groß voranzubringen. Es müssten alle Anstrengungen unternommen und Druck aufgebaut werden, um die über 40 leer stehenden Räumlichkeiten - Schuder: "Das sind wirklich viele!" - sinnvoll zu nutzen, allen voran das Bürgerbräugelände. Ziel müsse es sein, neue Magnetbetriebe in die Innenstadt zu bringen. Und zwar für alle Generationen. "Das muss man aktiv managen. Dazu muss man die Ohren auf den Schienen haben, sozusagen."

Mehr Geld in die Hand nehmen?


Ob dies eine einzelne Person in der Stadt - Bernd Rothfuß von der Stabsstelle ist mit der Aufgabe betraut - leisten kann? Auf diese Frage aus dem Stadtrat antwortete Schuder, dass es, "wenn man es ernst meint", professioneller Ansprache bedürfe, eventuell eines fachkundigen Beratungsbüros. "Das ist ein sehr dickes Brett, das Herr Rothfuß da bohren muss."
Ein vielfältiges Warenangebot sei wichtig, zudem müssten spezialisierte Angebote das Zentrum auszeichnen. Es gelte, die Kleinteiligkeit der schmucken Innenstadt zu bewahren, aber durch größere Flächen - "Magnetbetriebe, Frequenzbringer" - zu ergänzen und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. "Putzen Sie die gute Stube heraus! Machen Sie den Zentrumscharakter sichtbar."
Das Problem der kleinteiligen Leerstände - im Durchschnitt haben die Innenstadtgeschäfte 100 Quadratmeter Verkaufsfläche - könne beispielsweise dadurch gelöst werden, dass man Flächen zusammenlegt, meinte Schuder. "Dazu muss man alle Anstrengungen der Stadt, der Ladenbesitzer und -pächter bündeln. Da müssen alle an einem Strang ziehen!" Letzteres gelte auch, wenn es darum geht, "Rundläufe" zu schaffen - also schöne Kundenwege zwischen den Haupt- und Nebenlagen.
Nachdem Schuder geendet hatte, fasste Andreas Moser (CSU) den Eindruck der Stadträte so zusammen: "Die Arbeit fängt jetzt erst richtig an."


Ein Interview mit Stadtplaner Torsten Fischer sowie weitere Infos zum Thema lesen Sie in der Freitagsausgabe der Kitzinger.