Es gab den ewigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und den Kanzler der Einheit Helmut Kohl. Es gab den gewitzten Sternekoch Alfons Schuhbeck und den großen Sportmoderator Marcel Reif: Sie alle aber haben in mehr als 30 Jahren Geschichte des Schlappmaulordens nicht vermocht, was nun dem bayerischen Ministerpräsidenten gelungen ist: Markus Söder bleibt ein weiteres Jahr Träger der seit dem Jahr 1989 von der Kitzinger Karnevalsgesellschaft (KiKaG) verliehenen Auszeichnung. Von der Staatskanzlei wird Söder am Montag mit den Worten zitiert: „Ich bedanke mich für das erneute Vertrauen. Dennoch hätte ich gerne verzichtet, wenn uns Corona dafür erspart geblieben wäre.“

Ende Februar 2020, kurz vor Ausbruch der Corona-Krise in Bayern, hat der CSU-Chef den Schlappmaulorden für seine „gar trefflich lockere Zunge“ entgegennehmen dürfen: Gut 600 Narren feixen und frohlocken in der Kitzinger Florian-Geyer-Halle, als Bayerns Wirtschaftsminister und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger von der Bühne herab zu Söder spricht: „Du bist der richtige Mann, der dieses Land voranbringt. Ich bin froh, dass ich dir assistieren darf.“ Als Ordensträger des Vorjahres ist Aiwanger den Statuten der KiKaG zufolge in diesem Moment Laudator für seinen Chef Söder. Keiner ahnt zu dieser Zeit, dass die Welt in den Monaten danach derart vom Coronavirus gebeutelt würde.

Auch ein Jahr später verharrt Deutschland noch in einem harten Shutdown. Die KiKaG hat sich deshalb früh dazu entschlossen, auf eine Ordensverleihung in gewohnter Manier zu verzichten. Gar keinen Ordensträger zu haben, erschien den Narren aber auch nicht standesgemäß, und so entschied das Präsidium auf einer seiner letzten Sitzungen, die Amtszeit des im vergangenen Jahr gekürten Ordensträgers um ein Jahr zu verlängern. Ein Novum, für das KiKaG-Geschäftsführer Ralf Schweiger aber gute Gründe anführt: „Wir wollten keine virtuelle Ordensverleihung im Internet, wir machen das in würdigem Ambiente. Das ist aber in diesem Jahr nicht möglich.“ Also kürte die KiKaG Söder erneut.

Söder soll nun im kommenden Jahr als Laudator des neuen Ordensträgers nach Kitzingen kommen, dann vielleicht sogar in neuer Funktion. Wie meinte Aiwanger vor einem Jahr, als erste Spekulationen über eine Kanzlerkandidatur des CSU-Chefs waberten: „Wenn's dir allein zu heikel wird, machen wir's miteinander. Du machst Kanzler und ich das Drumherum.“