Mit einer kritischen Botschaft an die Adresse der Stadt hat der Verein der „Freunde und Förderer des Museums Kitzingen“ seiner Auflösung noch einen leicht galligen Nachhall mitgegeben. Die Gruppe von einst 60 Mitgliedern fordert einen „Richtungswechsel“, weg von „Verkehr und Kommerz“ hin zur Kultur, und hat dabei zwei konkrete Dinge im Auge: den Bereich an der Bauruine Markt-Café und die ins Abseits geratene Richard-Rother-Stube.

Die tiefe Unzufriedenheit mit Teilen der Stadtpolitik macht Museumsvereins-Vorsitzender Prof. Klaus Arnold – als „abschließende Aufgabe“ des Vereins – in einem Pressegespräch deutlich. Seine Bilanz: In den vergangenen Jahren seien Riesensummen in den Verkehr – speziell den Tangentenring geflossen, mit der autofreien Alten Mainbrücke als einzigem Erfolg. Und aus der Marktstraße sei lediglich eine „obere und unter Kleidergasse“ geworden mit „austauschbaren Geschäftslokalen und Freisitzzone“ in der Mitte.

„Das Areal neben dem Rathaus muss endlich zu einem Rother-Museum – und zur guten Kitzinger Weinstube werden.“
Prof. Klaus Arnold, bislang Vorsitzender des Museumsvereins

Was Arnold richtig erbost, ist der Umgang mit dem Markt-Café: Das habe die Stadt „ohne Not“ abgerissen und „ohne Pläne“ für eine Nachnutzung zu haben. Nun werde der „Schandfleck“ präsentiert und der Abriss der daneben stehenden Häuschen – „die ältesten Kitzinger Gebäude von der Datierung her“ – sei fest im Plan. Weniger geplant sei die spätere Nutzung, was ein 50 000 Euro teures Gutachten richten soll.

Statt „Hirngespinsten“ nachzujagen, die mit der Kitzinger Realität nichts zu tun hätten, solle die Stadt lieber über einen tatsächlichen Bedarf an dieser Stelle nachdenken.

Arnold hat da schon einige Ideen: Da, wo die Reste des einstigen Markt-Cafés vor sich hingammeln, könnte wieder ein Café entstehen, „endlich eine Weinstube in der 'historischen Weinstadt'“ oder auch ein inzwischen schmerzlich vermisstes Lebensmittelgeschäft für die Innenstadt. Eine offene kulturelle Wunde der Stadt ließe sich hier ebenfalls schließen: Die Richard-Rother-Stube, die seit längerem geschlossen ist und wegen der Vergrößerungswünsche der Tourist-Info vor einer unsicheren Zukunft steht, könnte nach Arnolds Vorstellungen in den beiden kleinen, vom Abriss bedrohten, Nachbarhäuschen eine neue Heimat finden.

Es sei ein „Skandal“, wenn der künstlerische Nachlass Rothers in einem „Versteck“ – im Niesers-Haus neben der Alten Mainbrücke – vor der Öffentlichkeit verborgen werde, betont der Historiker. Seine Forderung: „Das Areal neben dem Rathaus muss endlich zu einem Rother-Museum – und zur guten Kitzinger Weinstube werden.“