Wilder Wein rankt die alten Schlossmauern herab, schwarze Holunderbeeren schaffen einen tollen malerischen Kontrast zu den gelbgrünen bis roten Sandsteinmauern: Die Wässerndorfer Schlossruine kann noch immer verzaubern, trotz ihres kargen Ruinendaseins.

Verzaubert hat sie auch eine ganze Menge Menschen in Wässerndorf. Schon vor 20 Jahren bei der von Klaus Rützel angestoßenen Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Zerstörung durch die Amerikaner keimte die Idee, das Engagement für die Schlossruine auf ein festes Fundament zu stellen. Die Idee musste aber zunächst noch einige Zeit reifen und dann, noch unter dem Eindruck des großen Andrangs bei der Ruinenöffnung im Zuge des Projekts „Auf den Spuren der Schwarzenberger“ folgte am 5. August 2005 die Gründung des Schlossruinenvereins. 39 Mitglieder trugen sich ein.

Der Verein versucht nach den Worten der Vorsitzenden Monika Rützel seitdem in enger Absprache mit dem Eigentümer den baulichen Zustand zu erhalten und die Ruine als Kulturgut zu bewahren.

Ein großes Augenmerk liegt zudem auf der Dokumentation. Seit drei Jahren besteht eine Schriftenreihe, die heuer mit der Sonderausgabe über die Geschichte von Wässerndorf, die Altbürgermeister August Kessler einst niedergeschrieben hat, unterbrochen wurde. Monika Rützel dankte der Gemeinde, die Rohfassung so lange unter Verschluss gehalten zu haben, damit sie der Verein zum Zehnjährigen habe herausbringen können.

Die Pracht des einstigen Schlosses

Bürgermeister Heinz Dorsch räumte ein, dass die Chronik lange im Archiv geschlummert habe, doch habe es niemanden gegeben, der die Zeit für eine Bearbeitung gefunden habe, weswegen er dem Vereinsmitglied Lothar Huthöfer sehr dankbar sei.

Landrätin Tamara Bischof sieht in Wässerndorf ein großes Engagement der Bürger: Mit dem Schlossruinenfest am Tag des offenen Denkmals, dem elften in diesem Jahr, werde die Geschichte lebendig erhalten.

„Gehet hin in Frieden“, hatte es im sehr gut besuchten ökumenischen Gottesdienst geheißen. Friede sei das höchste Gut auf Erden. Ein Mahnmal für diesen Frieden sei die Schlossruine.

„Wir müssen alles tun und beten, dass alle Völker in Frieden miteinander leben können“, schloss Monika Rützel, die dann viel zu tun hatte, denn schon nach dem Gottesdienst, obwohl erst für den Nachmittag geplant, wollten viele Leute in die Schlossruine, weswegen sie sich zu einer Spontanführung entschloss. Im Inneren ließ sich die einstige Pracht des Schlosses nur erahnen. Der Innenhof, die Küche und die Keller, die oberen Wohngeschosse, von denen man einen herrlichen Blick ins Weinparadies und den Steigerwald gehabt haben muss oder die einstige Kapelle, alles ist nur fragmentarisch erhalten.

Viele Menschen strömten am Tag des offenen Denkmals zum Schlossruinenfest, das die Eibelstädter Feuerwehrkapelle musikalisch gestaltete. Neben der Besichtigung der Ruine lockte auch die Vorführung der Fränkischen Flanke (wir berichteten).