"Wenn wir unser Vereinsheim verpachten würden, statt selbst den Thekendienst zu machen, würden auf kurz oder lang die Lichter ausgehen", warnte der Vorsitzende des Keglervereins Kitzingen, Ewald Greif, schon vor acht Jahren. Jetzt stürzten die sportlichen und vereinswirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie den Verein in schwere Turbulenzen und der Verein, der kommendes Jahr sein 100-jähriges Bestehen hätte feiern können, steht kurz vor seiner Auflösung.

"Waren wir im Februar noch optimistisch, hat uns Corona eines Besseren belehrt", konstatiert Ewald Greif, der ernsthaft fürchten muss, dass das Corona-Virus dem traditionsreichen Verein den Garaus macht. Denn der Verein hat seit Monaten keine Einnahmen mehr im Vereinsheim und durch die Vermietung ihrer vereinseigenen Kegelbahnen im Kolosseum – die Fixkosten jedoch blieben. Inzwischen seien die im Thekendienst engagierten Mitstreiter weniger geworden und laut dem aktuell düsteren Szenario wäre Greif wohl bald fast alleine hinter der Theke gestanden.

Mehraufwand ist Mitgliedern nicht zuzumuten

Zudem erfordern die staatlichen Corona-Vorschriften die Anschaffung einer Spülmaschine und der Verein sei damit überfordert, die Hygiene-Vorschriften einzuhalten. Dieser Mehraufwand ist für die Mitglieder gemessen am möglichen Umsatz nicht zumutbar, auch sieht der Verein noch keine Zeitlinie für die Erleichterung dieser Vorgaben.

Als wären diese Probleme nicht schon genug, traf den einzigen Kegelclub unter dem Dach des Keglervereins, den PSW 21 Kitzingen, der Bannstrahl einer Kegelverbandsentscheidung. Ebenso wie der SB Versbach in der Regionalliga, rangiert PSW 21 in der Landesliga auf dem achten Tabellenplatz in einer Zehnerliga und in den noch ausstehenden Begegnungen gegen die hinter ihnen platzierten Konkurrenten hätten PSW 21 und die Versbacher den Klassenerhalt höchstwahrscheinlich auf sportlichem Weg geschafft. Hätte Versbach den Klassenerhalt alleine geschafft, hätte PSW 21 als Tabellenachter auch nicht absteigen müssen.

Doch Pustekuchen: Die Runde 2019/20 wurde vom Verband abgebrochen und beide Vereine mussten in den sauren Abstiegsapfel beißen. "Das hat dazu geführt, dass uns Spieler verlassen haben", bedauert der Vorsitzende, und auch sein Stellvertreter, Siegfried Bohn, muss aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Daher ist es fraglich, ob PSW 21 mit der Restmannschaft in der Bezirksoberliga bestehen kann.

Kegler müssten sich andere Bahnen suchen

Der Vorstand zeigte allen Mitgliedern schriftlich das Dilemma auf und nutzte die Information zu einer Fragebogenaktion. Dabei votierte die große Mehrheit für einen Vorschlag, den der Vorstand als am sinnvollsten einstufte. Demnach müssten sich einige Mitglieder verbindlich für den Wirtschaftsdienst bereiterklären um wieder Einnahmen erzielen zu können. Zudem soll der Vorstand den Verkauf des Keglerheims forcieren oder an die Sparkasse als Hauptgläubiger verpfänden. Der Verein würde dabei erhalten bleiben und die PSW-21-Kegler müssten sich andere Kegelbahnen suchen, um ihren Sport weiterhin nachgehen zu können.

Der PSW 21 hat inzwischen den Vorstand des Keglervereins beauftragt, diese Strategie umzusetzen und die Vereinsführung hat für den 26. Juli um 18 Uhr im Keglerheim die außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Eine solche Versammlung ist wegen der Tragweite der Entscheidungen laut der Satzung zwingend vorgeschrieben, und vielleicht bleibt die Resthoffnung, doch noch im Kolosseum weitermachen zu können.