So langsam rollt er wieder an, der lang vermisste Kulturbetrieb. Veranstalter bieten wieder Konzerte, Kabarett und Vorträge an. Aber so richtig Fahrt will der Zug nicht aufnehmen. Eine Ursachensuche.

„Komisch“, sagt Andrea Drexelius. „Die Clubs sind voll, die Leute fliegen in den Urlaub. Aber der Besuch bei den Kabarett-Veranstaltungen ist eher schleppend.“ Zusammen mit Heiner J. Schmidt führt die Wiesentheiderin die Agentur „KulturGezeiten.“ Seit September bieten die beiden wieder Veranstaltungen an vier verschiedenen Orten an, unter anderem in Wiesentheid und Astheim. Den Zuspruch bezeichnet Drexelius als „sehr zögerlich.“ Die Vorstellung von Mc Härder sollte eigentlich in der Steigerwaldhalle über die Bühne gehen. Wegen des schleppenden Vorverkaufs zog man in den Vorraum um. 36 Gäste wurden letztendlich gezählt. Am letzten Samstag musste sogar eine Veranstaltung im Schafhof in Wiesentheid abgesagt werden: Die Vorverkaufszahlen waren zu gering. „Das ist natürlich frustrierend“, sagt Drexelius. „Für uns, aber vor allem auch für den Künstler.“

Vorverkauf läuft schleppend

Fast eineinhalb Jahre ging wenig bis nichts. Jetzt bieten auch die Volkshochschulen oder die Fastnachtakademie in Kitzingen wieder Veranstaltungen an. Mit ähnlichem Ergebnis. „Der Vorverkauf läuft schleppend“, bedauert Romana Wahner von der Fastnachtakademie in Kitzingen. „Obwohl wir eigentlich Kassenschlager im Angebot haben.“ Tatsächlich: Mit Kabarettistin Ines Procter oder Sänger Andreas Kümmert stehen bekannte Namen für die nächsten Wochenenden auf der Liste. Bei Ines Procter musste die Akademie jedoch kurzfristig die Reißleine ziehen, der Auftritt wurde gestern abgesagt. Das zähe Interesse hat offensichtlich nichts mit der Spielstätte zu tun. Museumsleiterin Dr. Katrin Hesse hat aus Schweinfurt vernommen, dass dort selbst Erwin Pelzig keinen Massenandrang auslöste und Andrea Drexelius berichtet von zwei Veranstaltungen mit Georg Grünwald in Bayern, die wegen zu geringem Interesse ausfallen mussten. Woran liegt's?

Zu viel Hin und Her

Zu viele Unwägbarkeiten für Gäste und Veranstalter kritisiert Katrin Hesse und vermisst klare Ansagen von der Politik. Immer noch gebe es zu viel Hin und Her, zu viele Veränderungen. Dabei bräuchten die Leute vor allem eines: Sicherheit. 2G, 3G oder doch 3G-plus? Für die Museumsleiterin sind das zu viel der Möglichkeiten. Im Moment gilt bei den Veranstaltungen in der Akademie und bei den Museumsführungen die 3G-Regel. Eine Maske muss am Platz nicht getragen werden. Aber ein gewisser Abstand muss eingehalten werden. Die Folge: Die Kapazitäten sind eingeschränkt. Führungen durchs Museum sind beispielsweise auf 25 Gäste beschränkt. Dennoch werden gerade diese Angebote gut nachgefragt. Die „Gruselführung“ mit Romana Wahner und Hans Driesel am kommenden Samstag ist beispielsweise so gut wie ausverkauft.

Ausverkauft meldete auch die Vhs für letzten Samstag, und für das Konzert von „Carolin No“ am kommenden Samstag gibt es auch keine Karten mehr. Trotzdem herrscht kein eitel Sonnenschein. Wegen der 3G-Regel sind die Kapazitäten eingeschränkt. Statt 250 Gästen dürfen nur 110 in die Alte Synagoge. Und einen Ausschank gibt es nicht. Zu aufwändig unter den geltenden Rahmenbedingungen.

James Bond als Zugpferd

Auf 3G haben sich auch die Köpfe hinter dem Roxy-Kino in Kitzingen, Christine Jenike und Michael Schmitt, geeinigt. „Unser Publikum hält sich sehr gut an die Regeln“, freut sich Schmitt, auch wenn die bedeuten, dass die Masken auch während der Filmvorführungen nicht abgenommen werden dürfen. Etwa 45 Gäste dürfen unter den gegebenen Richtlinien ins Kino kommen. Bei James Bond lief der Besuch „sehr, sehr gut“, freut sich Schmitt. Bei den anderen Filmen könne er sich auch nicht beklagen.

Klagen ist auch nicht die Sache von Andrea Drexelius, aber Sorgen macht sie sich schon. Corona wird im Kulturbetrieb Spuren hinterlassen, da ist sie sich sicher. Schon jetzt gebe es deutschlandweit Kleinkunstbühnen, die ihre Türen für immer geschlossen haben, in der Region sei die Kulturfabrik in Abtswind ein Beispiel dafür. Gleichzeitig haben sich junge Künstler andere – krisenfestere – Jobs gesucht. Neben einer politischen Verlässlichkeit sei jetzt auch das Durchhaltevermögen der Veranstalter und Künstler gefragt, weiß Drexelius. Und der Zuspruch der Gäste. „Wir hoffen, dass es wieder besser wird“, sagt sie. „Wir betteln, dass die Leute wieder zu uns kommen.“

Kultur tanken

FastnachtAkademie Sonntag, 31. Oktober, 19 Uhr: „Närrisch Gruseln, das ist schön… und schnell vergisst Du Halloween“ Gruselführung mit Romana Wahner und Hans Driesel; Freitag, 5. November, 20 Uhr: Vogelmayer – Musik-Kabarett aus Bayern, Leben und leben lassen; Sonntag, 7. November, 19.30 Uhr: Andreas Kümmert, Solokonzert. Tickets über okTicket (auch an der Kasse im FastnachtMuseum buchbar).

KulturGezeiten: Freitag, 5. November, 20 Uhr, im Freiraum Dingolshausen: Andrea Limmer, „Das Schweigen der Limmer.“; Samstag, 13. November, 20 Uhr im Gasthaus Schwan in Astheim: Bewie Bauer „Ein Teenager wird 45“; Freitag, 26. November, 20 Uhr, Kuhstall in Wiesentheid: Georg Königer „Wo war ich?“ Karten unter www.kulturgezeiten.net

Alte Synagoge Kitzingen: Samstag 6. November, 20 Uhr: Michael Fitz

„Da Mo"; Samstag 13. November, 20 Uhr: Sarah Straub Trio, „Alles das und mehr"; Samstag, 20. November, 19.30 Uhr: Christoph Soldan und die Schlesischen Kammersolisten „Beethoven, Pop-Hits und Jüdische Traditionals"; Sonntag 21. November 17 Uhr: Bulli-Abenteuer Island, Live-Multivision mit Peter Gebhard. Karten unter www.ticket.shop-kitzingen.de

Roxy-Kino: Das aktuelle Programm und Karten unter www.das-roxy.de