Die Familie Schmidt (alle Namen Betroffener von der Red. geändert) befindet sich in einer solchen Notlage. Seit neun Jahren leben sie in einer Wohnung im Landkreis, seit neun Jahren suchen sie eine andere Bleibe. „Es schimmelt“, sagt Frau Schmidt. Zwei von vier Kindern leben noch in der 97 Quadratmeter großen Wohnung. „Wenn die Großen zu Besuch kommen, sagen sie schon an der Eingangstür, dass es nach Schimmel riecht.“ Damit nicht genug: Die Balken an der Wand sind feucht und auf dem Dachboden muss Herr Schmidt in der Winterzeit eine erstaunliche Herausforderung meistern. „Wenn es geschneit hat, kann ich da oben Schnee schippen“, erzählt er.

Beide Eheleute sind krank, beziehen als Bedarfsgemeinschaft Hartz IV. „Die alte Wohnung konnten wir uns deshalb auch nicht mehr leisten“, erklärt Herr Schmidt den Umzug.

Seit etwa 15 Jahren sei der knappe Wohnungsraum im Landkreis Kitzingen ein Thema, sagt Petra Hoesch. Konkrete Zahlen von Wohnungssuchenden könne sie nicht liefern, aber rund 20 Prozent ihrer täglichen Arbeit und der anderer Beratungsstellen kreise um diese Thematik. Vor allem nach Trennungen und Scheidungen wäre das Thema akut. Hoesch: „Da entstehen oft Parallelwelten.“

Ihre neue Wohnung kann sich Frau Roth eigentlich gar nicht leisten. „Sie bricht mir finanziell das Genick“, sagt die 40-Jährige. Aber was soll sie machen? In der alten Wohnung kam immer wieder der Schimmel durch. Hinter den Schränken, hinter den Betten. Sie habe falsch gelüftet, meinten die Vermieter. Frau Roth widerspricht vehement.

Ihre Tochter leidet seit zwei Jahren an Asthma. Für die Mutter kein Zufall. Das Gesundheitsamt hatte sie deshalb beizeiten eingeschaltet, der Fall liegt längst vor Gericht. „Ich musste da raus“, erinnert sie sich. Nur wohin? Mit ihren drei Kindern hat sie eine Absage nach der anderen kassiert und viele Wohnungen besichtigt, die sie als „Löcher“ und „Höhlen“ bezeichnet. Einmal sei die halbe Decke schon heruntergehangen. Der Makler habe sich erstaunt gezeigt. Bei seinem letzten Besichtigungstermin sei noch alles in Ordnung gewesen.

Einen einzigen Vermieter habe sie kennengelernt, der nichts gegen Kinder hatte. 900 Euro warm zahlt die Alleinerziehende jetzt für die vier Zimmer. „Eigentlich ist das für mich aber viel zu teuer.“

Wohnungsvermieter haben im Moment sehr gute Karten, bestätigt Petra Hoesch von KASA, der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit in Kitzingen. Sie haben in der Regel eine große Auswahl an interessierten Mietern. „Sie verlangen dann einen Arbeitsvertrag, ein polizeiliches Führungszeugnis und dazu eine Gehaltsabrechnung.“ Wer von einer Behörde finanziell unterstützt wird oder alleinerziehend ist, der hat es in der Stadt Kitzingen besonders schwer, weiß Petra Hoesch von ihren Beratungsgesprächen. „Auf dem Land ist es noch etwas besser“, sagt sie. Aber da gibt es ein anderes Problem für die Wohnungssuchenden: Den öffentlichen Nahverkehr. „Ein Auto kann ich mir nicht auch noch leisten“, bestätigt Frau Roth. Sie überlegt schon, ob sie in eine ganz andere Region ziehen soll.

Je nach Region im Landkreis Kitzingen übernimmt das Sozialamt 4,40 Euro beziehungsweise 4,20 Euro pro Quadratmeter an Leistungen für Sozialbedürftige. Für vier Personen werden damit maximal 396 beziehungsweise 378 Euro Kaltmiete überwiesen. „Damit ist kaum mehr eine geeignete Wohnung zu finden“, so Hoesch.

Dass es auch noch positive Beispiele gibt, beweist Frau Sonn. Ein Jahr lang habe sie eine Wohnung gesucht und sei fast verzweifelt. „Es gab Wohnungen, da bin ich beim ersten Blick gleich wieder rückwärts raus“, sagt die 68-Jährige. Lebhaft erinnert sie sich noch an eine Einzimmer-Wohnung in einem Keller, die nur mit einem Holzofen zu heizen war. „Das Loch war kohlrabenschwarz“, erzählt sie. Über eine Annonce hat sie schließlich doch noch eine Zweizimmerwohnung in der Stadt gefunden. „Ich bin sehr zufrieden“, freut sich die Kitzingerin. „Ich will da niemals mehr raus.“

Ausstellung: Der Arbeitskreis von Beratungsstellen der freien Wohlfahrtspflege in Kitzingen (SoLiKi) holt Litvais Ausstellung nach Kitzingen. „Wir wollen damit auf prekäre Wohnungsverhältnisse und die Notlage Wohnungsuchender aufmerksam machen“, erklärt Petra Hoesch.

Termin: In der Sparkasse Kitzingen vom 4. bis 18. März zu den üblichen Schalteröffnungszeiten. Der Eintritt ist frei.

Der Fotograf: Peter Litvai wurde 1957 in Budapest geboren, belichtete 1972 seinen ersten Film und nutzt seitdem die Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel. 2011, 2012 und 2013 ist er für den „Kulturpreis Bayern“ nominiert worden. Weitere Informationen: www.litvai.de