Landkreis Kt/Würzburg Die Telefonseelsorge Würzburg/Main-Rhön sucht neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Und die werden gebraucht. Die Pandemie habe besonders deutlich gemacht, wie notwendig das Angebot ist, erklärt deren Leiterin Dr. Ruth Belzner. Was Interessierte wissen müssen – und warum dieser Dienst so notwendig ist.

Haben die Anrufe in der Telefonseelsorge seit Beginn der Corona-Zeit zugenommen?

Belzner: Unser Team von rund 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern hatte tatsächlich sehr viel zu tun. Sowohl die Telefonanrufe als auch die Chats haben zugenommen.

Viele neue Kunden?

Belzner: Gar nicht mal. Vereinzelt kamen wegen Corona neue Hilfesuchende hinzu. Aber es waren und sind vor allem diejenigen, die eh schon ein schwieriges Leben führen, die noch mehr Gesprächsbedarf haben. Corona hat noch einmal eindrücklich aufgezeigt, wie ungerecht die Möglichkeiten im Leben verteilt sind.

Weil diese Menschen erst recht unter der Situation leiden?

Belzner: Ja, ihr Leben ist durch Corona noch komplizierter geworden. Wer in nicht funktionierenden Familien oder Partnerschaften lebt, der hatte es in den letzten Monaten noch schwerer, weil die Kontakte nach außen fehlten. Die eh schon extreme Ungleichheit in unserer Gesellschaft hat sich noch einmal massiv verstärkt. Die Einsamkeit hat zugenommen.

Ist ein Gefühl von Einsamkeit der Hauptgrund für Anrufe?

Belzner: Es geht auch um den Ärger auf die Corona-Maßnahmen und diejenigen, die sie beschließen. Es gibt auch Anrufer, die sich über diejenigen aufregen, die sich nicht an die Vorschriften halten. Und wir haben immer mehr Menschen, die resignieren, weil sie das Gefühl haben, dass dieses Schreckensszenario gar nicht mehr aufhört.

Wie kann man diesen Menschen helfen?

Belzner: Durch Zuhören. Wir geben diesen Menschen das Gefühl, dass jemand da ist, der sie wahrnimmt, der sie und ihre Sorgen ernst nimmt.

Kann man das lernen?

Belzner: Natürlich, wir bieten einen umfassenden Kurs mit 34 Abendterminen und drei Wochenenden an. Und natürlich gibt es immer Supervisionen.

Welche Fähigkeiten sollte ein ehrenamtlicher Mitarbeiter mitbringen?

Belzner: Einfühlungsvermögen und Toleranz, Belastbarkeit und Selbstreflexion. Und man braucht eine innere Haltung. Man muss Widersprüche zusammenbringen.

Das heißt?

Belzner: Einerseits muss man sich interessieren für die Menschen, die anrufen, sich von ihnen berühren lassen. Andererseits aber auch die Tatsache aushalten, dass man deren Situation nicht verändern kann. Es gibt Menschen, die wollen nichts verändern. Und das müssen wir respektieren. Letztendlich geht es um den Respekt vor der Autonomie eines Menschen.

Der Dienst kann sicher auch belastend sein.

Belzner: Das ist so, ja. Man muss es aushalten können, dass manche Lebenssituationen nicht gut sind und auch nicht veränderbar. Man kann nicht aktiv trösten, aber wenn man dabei bleibt und zuhört, kann das für den Anrufer tröstlich sein.

Und dann kommt auch etwas zurück?

Belzner: Ja, sehr viel. Die Arbeit bei der Telefonseelsorge ist erfüllend. Unsere Ehrenamtlichen bleiben im Schnitt acht bis neun Jahre dabei. Der Rekord liegt bei 41 Jahren. Wir sind eine gewachsene Gemeinschaft, die sich über Zuwachs freut.

Wissenswertes

Der neue Ausbildungskurs beginnt im September. Er umfasst 34 Abendtermine und drei Wochenenden. Die Ausbildung ist kostenfrei. Erwartet wird im Anschluss eine Mitarbeit mit zwölf Stunden Dienst im Monat, davon ein Drittel in den Nachtschichten.

Bewerbungsschluss ist am Sonntag, 20. Juni. Der Ausbildung gehen ein Informationsabend am 29. Juni und ein Auswahlwochenende (3. und 4. Juli) voraus. Die Ausbildung endet im Juli 2022.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.telefonseelsorge-wuerzburg.de, per Mail an info@telefonseelsorge-wuerzburg.de oder unter Tel. 0931/322660.