„Sitz!“ Wenn Daniela Ebert ihren Hunden Lina und Ludwig diesen Befehl erteilt, setzen sie ihn sofort um. Andere Hundebesitzer mögen neidisch darauf blicken. Warum will der eigene Hund einfach nicht folgen? Die Gründe dafür können beim Hund liegen, aber auch beim Menschen. Hundetrainer wie Daniela Ebert helfen, sie herauszufinden.

Hunde gehören zu den beliebtesten Haustieren. Mehr als neun Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten, vom kleinen Chihuahua bis zur großen Dogge, vom Schmusehund bis zum Wachhund. Sie leben im Team mit dem Menschen – und damit dieses Team funktioniert, gilt es vieles zu beachten.

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Daniela Ebert ist 1. Ausbildungsleiterin im Kitzinger Hundesportverein. Jedes Wochenende stehen sie und ihre Trainerkollegen auf dem Hundeplatz Richtung Albertshofen, um Teams aus Hund und Besitzer in Erziehungskursen und Fortbildungskursen zu schulen oder um gemeinsam mit den anderen Vereinsmitgliedern zu trainieren.

Mit Lina und Ludwig hat die Wiesentheiderin selbst zwei Hunde, wobei der Großpudel und der Welsh Terrier nicht ihre ersten Vierbeiner sind. „Wir haben schon lange Hunde“, erzählt sie. Mit Hunden zusammen zu sein, machte ihr von klein auf Spaß und irgendwann wollte sie wissen, was sie im Umgang mit ihnen besser machen kann. Sie besuchte Hundeschulen, wurde Mitglied im Verein. Die Arbeit der Trainer dort weckte ihre Neugier. Sie entschied sich, selbst eine Ausbildung zu absolvieren. Seit fast zehn Jahren ist Daniela Ebert jetzt Hundetrainerin und seit zwei Jahren zertifizierte Hundetrainerin nach § 11 Absatz 1 Nr. 8f Tierschutzgesetz, wie es offiziell heißt. Diese Ausbildung braucht jeder, der für andere Leute Hunde ausbildet oder die Ausbildung der Hunde durch den Tierhalter anleitet. Regelmäßig bildet sie sich weiter, war erst am vergangenen Wochenende wieder bei einem Seminar.

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Kommt ein neues Team in den Verein, schauen sich die Trainer genau an, wie Hund und Mensch miteinander umgehen. Wie kommunizieren Hund und Herrchen? Das ist eines der wesentlichen Themen beim Umgang miteinander und oft Ursache dafür, dass etwas nicht klappt. So kann der Misserfolg beim „Sitz!“ durchaus daran liegen, dass sich der Besitzer über den Hund beugt, während er den Befehl erteilt. „Dadurch kann sich das Tier bedroht fühlen“, weiß Daniela Ebert. Ein kleiner Tipp, eine andere Körperhaltung, schon kann das Problem gelöst sein.

Möglich aber auch, dass die Verweigerung körperliche Gründe hat. Probleme mit dem Schwanz, dem Hinterlauf, der Hüfte vielleicht. „Wenn der Hund Schmerzen hat und sich deshalb nicht setzen kann, darf man nicht verlangen, dass er es tut.“ Wer ein Tier hat, sollte immer genau darauf achten, wie es ihm geht. Humpelt der Hund, macht er Zwischenschritte? Isst er vielleicht nichts mehr oder verändert sich sein Verhalten? Dann ist es wichtig, den Tierarzt aufzusuchen, der den Hund genauer untersucht.

Daniela Ebert rät dazu, sich stets in die Bedürfnisse, in die Situation des Hundes hineinzuversetzen. Gerade wenn es Probleme gibt. Wann legt der Hund ein bestimmtes Verhalten an den Tag, was tut er genau? Nur so lassen sich die Gründe erkunden. Geht er auf andere Hunde los, weil er Angst hat? Ist ihm unter mehreren Menschen zu viel Trubel? Dreht er abends auf, weil ihm Beschäftigung fehlt? Zerbeißt er Hausschuhe, weil sein natürliches Kau-Verlangen nicht erfüllt ist? „Manchmal kann schon ein Kauknochen helfen“, so Daniela Ebert. Immer wieder seien Kursteilnehmer überrascht, wie schnell sich manch unliebsames Verhalten auflöst.

Bei der Anschaffung eines Hundes spielt oft die Emotionsebene eine Rolle, weiß die Hundetrainerin. Da wird ein Hund gekauft, weil er süß aussieht, von der Straße oder aus dem Heim geholt, weil der Mensch Mitleid mit dem Tier hat. Viel wichtiger aber ist es, sich mit der Rassekunde zu befassen. Wer einen Schmusehund oder alltagstauglichen Familienhund möchte, sollte sich lieber keinen Herdenschutzhund anschaffen. Wer es ruhiger möchte, tut sich mit einem Terrier keinen Gefallen – und dem Hund auch nicht.

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„Gerade Tierschutzhunde sind oft ängstlich“, sagt Daniela Ebert. Ihnen diese Angst zu nehmen, braucht Zeit und vor allem Zuneigung. „Der Hund muss sich sicher fühlen.“ So könne ein Hund, der unter mehreren Menschen Angst hat, in einer Gruppe nichts lernen. Der Hundesportverein mit den Gruppenstunden ist dann nicht unbedingt die richtige Adresse. „So ein Team verweisen wir an Trainer, die Einzelunterricht geben.“ Man muss die Umgebung anpassen, einen sicheren, geschützten Raum geben und nach und nach die Reize erhöhen. Dabei sei es wichtig zu erkennen, wenn es dem Tier zu viel wird. „Dann lieber wieder einen Schritt zurück gehen.“

Im Gespräch mit Daniela Ebert wird deutlich: Ein Schema F gibt es bei der Erziehung und im Umgang mit Hunden nicht. „Man muss jedes Team, jeden Menschen, jeden Hund einzeln betrachten und sich an die Bedürfnisse des Hundes anpassen.“ Jedes Team hat einen individuellen Trainingsplan, der im Kurs vermittelt und zuhause umgesetzt und geübt wird. Wie es funktioniert, schauen sich die Trainer dann beim nächsten Treffen an. Ziel guten Trainings sei es, das erwünschte Verhalten zu erreichen, so Ebert. Der Hund muss lernen, auf einer Decke liegen zu bleiben, ruhig an anderen Tieren vorbei zu laufen, durch die Innenstadt zu spazieren, einen Maulkorb zu tragen, denn der ist in manchen Verkehrsmitteln Pflicht. Das Training muss stets so gestaltet sein, dass die Tiere dabei Spaß haben. Natürlich müssen auch Grenzen gesetzt werden, so Ebert. „Aber man darf das Tier nicht bestrafen oder anschreien.“ Passt die Kommunikation im Team, reicht es, wenn der Besitzer „nein“ sagt und ihm anschließend das gewünschte Verhalten vermittelt.

Beginnerkurs

Der Hundesportverein Kitzingen bietet Gruppenkurse für Beginner und Fortgeschrittene an. Im Beginner Kurs steht die Bindung für Hund und Mensch im Vordergrund. Vermittelt werden folgende Grundkommandos für den alltagstauglichen Familienhund: Laufen an der lockeren Leine, Herankommen in Reichweite, Sitz, Platz und Steh mit Verweilen, Stadtgang. Der Kurs umfasst 7 Stunden, die Gebühr beträgt 70 Euro. Der nächste Kurs beginnt am 24. Oktober und kann über die Homepage des Vereins gebucht werden: www.kitzinger-hundesportverein.de