Sie sind jung. Und sie haben klare Vorstellungen, wie der Verkehr einmal aussehen soll, wenn sie nicht mehr so jung sind.

Sabrina Stemplowski und Daniel Nagl engagieren sich in der Jungen Union. Die Verkehrspolitik ist ein wichtiges Thema ihrer Arbeit. Die Handlungsmaxime beschreiben beide so: „Wir müssen den Verkehr menschenfreundlich gestalten.“ Wie das geht? Mit einer Mixtur aus Weichenstellungen. Autonomes Fahren, CO2-neutraler ÖPNV, Stärkung der Schiene: All das ist kein Widerspruch, sondern greift idealerweise ineinander. „Eines ist doch klar“, sagt Nagl. „Wir brauchen definitiv eine Veränderung.“

Vergammelnde Bahnhofsareale

Beim Blick auf den Kitzinger Bahnhof dreht sich den beiden regelmäßig der Magen um. Keine Infrastruktur für Behinderte oder Familien mit Kinderwagen, keine Toiletten, ein trister Vorplatz und ein Pendlerparkplatz, auf dem sich Autofahrer regelmäßig dreckige Schuhe holen. „Dass sich die Kreisstadt nicht auf der Ausbauliste des Verkehrsministeriums befindet, wollen wir nicht akzeptieren“, betont Stemplowski und fordert eine deutliche Verbesserung des bestehenden Schienennetzes. Vergammelnde Bahnhofsareale gebe es leider nicht nur in Kitzingen, sondern an vielen Orten im Freistaat. „Da müssen wir nachbessern“, so Nagl. „Damit der ÖPNV überhaupt angenommen wird.“

Umweltfreundlicher soll der Verkehr der Zukunft sein – und gleichzeitig Kosten sparen. Verbundsysteme wie den VGN begrüßen die beiden Jungpolitiker. Für kleinräumige Pendlerströme müssten aber noch sinnvolle Lösungen gefunden werden. Mit einer E-Prämie auch für Zweiräder ab 125ccm hatte die Junge Union der CSU-Landesgruppe einen kreativen Vorschlag unterbreitet. „Ist leider nicht aufgegriffen worden“, bedauert Nagl. „Dabei wäre hier ein großes CO2-Einsparpotenzial gewesen.“

Sinnvolleres als leere Busse

Mit dem 365 Euro Ticket für Schüler im Verkehrsverbund Mainfranken (VVM) und Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) konnte die Junge Union jedoch ein Thema durchsetzen. Vom Landkreis erhoffen sich Stemplowski und Nagl außerdem die Einführung des in Oberfranken bereits erprobten 50:50 Taxis (junge Erwachsene fahren am Wochenende zum halben Preis Taxi – die andere Hälfte der Kosten übernimmt der Landkreis), um den ländlichen Raum gerade für junge Menschen attraktiver zu machen. Die Förderung von Dorf- und Gemeindegroßraumtaxis halten die beiden JU-ler ebenfalls für zielführend. „Auf jeden Fall sinnvoller als Busse, die drei Mal pro Tag beinahe leer von A nach B fahren“, so Stemplowski.

Generell müsse die Wahlfreiheit bei der Mobilität aber auch in Zukunft gewahrt bleiben. „Wer Autos aus der Stadt verbannen will, der muss ein tragfähiges Konzept vorlegen, dass auch die Bedürfnisse der Pendler berücksichtigt“, fordert Daniel Nagl und verweist auf das aktuelle Beispiel Würzburg. Dort wird die Innenstadt immer unattraktiver für Autofahrer gemacht, Parkplätze werden abgebaut. „Damit wird auch die Freiheit des Einzelnen beschnitten“, warnt der JU-Bezirksvorsitzende. Ob der ÖPNV immer ökologisch sinnvoll ist, sei zu hinterfragen. „Da müssen wir nur an so manche Leerfahrten denken“, erinnert Nagl.

Bezüglich der E-Mobilität sind die beiden Kitzinger eher skeptisch. „Zumindest, was die längeren Strecken angeht“, so Nagl. Bio- und E-fuels (synthetische Kraftstoffe, die mit Hilfe von Bioabfällen oder Strom aus Wasser und Kohlenstoffdioxid hergestellt werden) und Wasserstoff seien die besseren Alternativen. Die Wasserstoffinitiative der Bayerischen Staatsregierung sei deshalb nur zu begrüßen. Mit einer TCR-Anlage im Landkreis, in der aus Gärresten und Klärschlämmen Kraftstoff gewonnen werden kann, sehen die JU-ler eine Chance, Kommunen und Landwirten Kosten zu sparen und mindestens die kommunalen Fuhrparks CO2-neutral zu betreiben.

Und die Steigerwaldbahn?

Generell stehen Stemplowski und Nagl Innovationen positiv gegenüber. Entsprechende Projekte und Firmen in der Region müssten gefördert und unterstützt werden. Nagl denkt da beispielsweise an die Steigerwaldbahntrasse, bei der er keine Reaktivierungschancen sieht. „Seit 75 Jahren existiert keine Brücke mehr, bis Großlangheim ist die Strecke bereits entwidmet und der Bahnhof in Etwashausen wird bereits überplant“, erinnert er. Die Kosten für eine Reaktivierung stünden in keinem Verhältnis zu den prognostizierten Fahrgastzahlen. Nagl und Stemplowski möchten die Trasse lieber für ein Pilotprojekt nutzen. Autonomes und sensorgestütztes Fahren soll hier in der Praxis ausprobiert werden. Entsprechende Busse für Pendler und Touristen könnten auf der dann asphaltierten Strecke unterwegs sein. „Die Trasse wäre laut Innenministerium breit genug, um gleichzeitig einen Radschnellweg zu verwirklichen“, versichert Nagl. Auch so ließe sich CO2 einsparen. Damit der Verkehr wieder ein Stück weit menschenfreundlicher wird.