Schwarzenau soll das Mekka der Schweinehaltung in Bayern bleiben. Dafür nimmt die Staatsregierung eine Menge Geld in die Hand. 3,3 Millionen Euro sind in den Neubau von drei Ställen geflossen, die jetzt feierlich eingeweiht wurden. Hier soll erforscht werden, wie der Wunsch vieler Verbraucher nach tiergerechten Haltungsbedingungen in die Praxis umgesetzt werden kann. „Lieber geht der Staat in Vorleistung als die Betriebe“, gab der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums, Hubert Bittlmayer, die Devise aus.

Hoher Arbeitsaufwand

Seit zwei Jahren leitet Thomas Schwarzmann das Staatsgut in Schwarzenau. Über Langeweile kann er nicht klagen. Im Oktober 2019 war Spatenstich im Außenbereich, im November 2020 waren die Ställe fertig und sollten eingeweiht werden. „Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Im Frühjahr 2021 zogen die ersten Schweine in die neuen Behausungen. Ebenfalls still und heimlich. Jetzt, Mitte September 2021, konnte endlich die Einweihung nachgeholt werden. Zumindest mit Kaffee, Kuchen und Reden. Ein Rundgang durch die Ställe war aus Gründen der Biosicherheit nicht möglich.

„In den letzten 30 Jahren sind die Tierställe nach den Bedürfnissen der Menschen errichtet worden“, erinnerte Thomas Schwarzmann. Jetzt stehe das Tierwohl im Mittelpunkt der Bestrebungen. Grundsätzlich sei das begrüßenswert. Die Verbraucher müssten sich über die Konsequenzen allerdings im Klaren sein. „Der Arbeitsaufwand ist in etwa doppelt so hoch“, warnte er. Das ließe sich nach dem ersten halben Jahr Praxis in Schwarzenau schon sagen. Die Personalreduzierung im Staatsgut sei deshalb zur falschen Zeit gekommen. „Mehr Tierwohl und weniger Personal, das beißt sich“, meinte der Leiter des Staatsgutes.

Anforderungen ändern sich

2008 sind die ersten Zuchtsauen-Ställe auf dem Aussiedlungsstandort gebaut worden, damals waren sie ein Vorzeigeprojekt, ausgestattet mit der neuesten Technik. „13 Jahre später ist schon wieder alles überholt“, sagt Hubert Bittlmayer. Ein Beispiel, wie schnell sich die Anforderungen verändern, wie sehr die Landwirte mit der Zeit gehen müssen. Der bayerische Staat will sie dabei unterstützen. 13,7 Millionen Euro hat er in den letzten zehn Jahren in Schwarzenau investiert. Neue Güllegrube, moderne Hygieneschleusen, die Sanierung des Internates – und jetzt die drei neuen Tierwohlställe. Gut angelegtes Geld, meinte Bittlmayer, schließlich brauche man auch in Zukunft eine Tier- und Schweinehaltung in Bayern. Die Versorgung dürfe nicht aus dem Ausland erfolgen, das sei weder ökologisch sinnvoll noch fair gegenüber den hiesigen Erzeugern.

Der Druck auf die heimischen Landwirte ist seit einiger Zeit enorm, erinnerte der Amtschef – und mitunter unfair. Über Jahre sei die konventionelle Haltung nicht zuletzt von der Masse der Verbraucher gefordert worden. Jetzt sollen Veränderungen auf die Schnelle herbeigeführt werden. Das führe zu einer massiven Belastung der Betriebe, zu Unsicherheit und Ängsten. Gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, dass der Staat vorangehe, die Forschung vorantreibe, um den Praktikern wichtige Erkenntnisse zu liefern. In Schwarzenau soll genau das erfolgen.

Aktive Entmistung

In den neuen Ställen haben die Tiere separate Bereiche zum Liegen, Fressen und für Beschäftigungen wie Wühlen, Kauen und die Futtersuche. Sie können jederzeit in einen Außenbereich wechseln. „Um das Wetter zu erleben“, wie es Schwarzmann formulierte. Die Entlüftungstechnik befindet sich auf dem neuesten Stand, das verschmutze Stroh-Mist-Gemisch wird mit Schiebern aus dem Stall gefördert, bleibt aber pumpfähig. „Aktive Entmistung“, nennt es Dr. Christine Jais von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und spricht von „gewaltigen Anstrengungen“ nicht nur bezüglich der Arbeitskraft, sondern auch was künftige Investitionen betrifft. Die Verbraucher seien da in der Pflicht.

„Wer bestellt, der muss auch bezahlen.“ Mit diesen Worten machte Hubert Bittlmayer deutlich, dass die Verbraucher beim Umbau der Landwirtschaft Verantwortung übernehmen müssen, dass höhere Preise bei einem höheren Tierwohlstandard unumgänglich sind. „Die Landwirte produzieren so, wie es die Gesellschaft will“, erinnerte Bittlmayer. „Das war schon immer so.“ Selten sei der Wandel allerdings so schnell und umgreifend wie jetzt gewesen.

Bekenntnis zum Standort

Den gesellschaftlich geforderten Umbau der Landwirtschaft wolle der Staat auch in den kommenden Jahren aktiv begleiten. 5,7 Millionen Euro stehen für einen fünfjährigen Forschungsplan zur Verfügung, ein Schwerpunkt liege dabei auf dem Tierwohl. In Schwarzenau sollen diesbezüglich wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. „Die Investitionen sind ein klares Bekenntnis zu diesem Standort“, betonte Bittlmayer. Damit Schwarzenau das Mekka der bayerischen Schweinehaltung bleibt.