Repperndorf Vor 20 Jahren wurde der Grundstein für ein Erfolgsmodell gelegt. Corona hat daran nichts geändert.

Auch wenn die Präsentation des neuen Jahrgangs wegen der Pandemie zum zweiten Mal nacheinander ins Wasser fallen muss.

Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der GWF, Cornelius Lauter, über die Jungen Frank'n und alte Gewissheiten.

Frage: War Ihnen gestern langweilig?

Lauter: Wieso?

Am 10. November wird normalerweise der neue Jahrgang der Jungen Frank'n vorgestellt.

Lauter (lacht): Stimmt, die Präsentation musste leider schon wieder ins Wasser fallen. Aber langweilig war mir trotzdem nicht.

Wie schlimm ist es für die GWF, dass dieser Termin zum zweiten Mal nacheinander abgesagt werden musste?

Lauter: Finanziell ist das kein Problem, aber der traditionelle Startschuss am Vierröhrenbrunnen in Würzburg ist natürlich für die Vermarktung ganz wichtig. Außerdem sammeln wir an diesem Tag auch eine Menge Spenden für unsere Aktion „Freudentrauben“ ein.

Hätte die Aktion nicht trotz Corona laufen können?

Lauter: Nein, das war uns zu heiß. Und es hätte auch nicht in die Zeit gepasst.

An den Absatzzahlen ändert die Absage nichts?

Lauter: Nein, die Jungen Frank'n haben sich in den letzten Jahren zu unserem Zugpferd entwickelt. Wir haben im Jahr 2020 beispielsweise 2,7 Millionen Bocksbeutel verkaufen können.

Corona hat daran nichts geändert?

Lauter: Im Gegenteil: Wir haben eine vermehrte Abfrage über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) gespürt. Wein wurde natürlich nicht gehamstert, wie einst das Klopapier, aber der Konsum hat sich schon ins Private verlagert.

Wie viel Absatz läuft über den LEH?

Lauter: Rund 80 Prozent. Unser wichtigstes Standbein.

Das ausreichend bedient werden konnte? Die letzten Jahre waren für die Winzer nicht einfach.

Lauter: Das ist richtig, zu geringe Mengen, Frostschäden, Peronospora. Es gab eine Menge Probleme. Wir mussten uns in den letzten Jahren auf unsere Kernartikel konzentrieren. Und zu denen gehören die Jungen Frank'n. Zum Glück konnten wir heuer eine normale Ernte einfahren. Das ist in diesen Zeiten etwas ganz Tolles.

Was heißt normal?

Lauter: Ein Ertrag von rund 80 Hektoliter pro Hektar, durchschnittliche Oechslezahlen.

Darüber hätten sich die fränkischen Winzer vor fünf Jahren nicht gefreut.

Lauter: Nach den letzten Jahren ist eine normale Ernte eine gute Nachricht. Wir können unser Standard-Repertoire wieder in den Markt bringen.

Werden die Verbraucher höhere Preise zahlen müssen?

Lauter: Das kann ich noch nicht abschließend sagen, wir befinden uns mitten drin in den Jahresgesprächen mit den Einkäufern der großen Vermarkter. Ich denke, dass der klassische Konsument nur leichte Erhöhungen merken wird. Es kann aber sein, dass es bei den besonderen Aktionen zu einer Preissteigerung kommt. Also, statt 2,99 Euro wird der Bocksbeutel bei Sonderaktionen für 3,33 Euro angeboten. Grundsätzlich wollen wir die Preise in kleinen Schritten nach oben entwickeln. Die Kosten in allen Produktionsbereichen – vom Winzer beginnend bis zum Transport der gefüllten Flaschen – sind gestiegen.

Was kostet der Junge Franke in diesem Jahr?

Lauter: Um die fünf Euro.

Haben Sie schon einmal überlegt, dieses Produkt in einer Liter- oder Burgunderflasche anzubieten?

Lauter: Nein, der Bocksbeutel ist und bleibt ein wichtiges Marketinginstrument, vor allem außerhalb Frankens. Das bekommen wir von unseren Handelspartnern immer wieder gespiegelt. Der Bocksbeutel fällt in den Regalen auf.

Rund 20 Prozent ihrer Erntemenge wird als „Junge Frank'n“ vermarktet. Ist das Ende der Fahnenstange damit erreicht?

Lauter: Nein, wir wollen die Produktlinie weiter ausbauen, weil wir überzeugt sind, dass wir mit frischen und fruchtigen Weinen den Zeitgeist treffen. Gerade in Regionen wie Hamburg oder dem Ruhrgebiet sehen wir noch Entwicklungspotenzial. Die Marke wird weiter wachsen.