Es war alles vorbereitet. Und die Vorfreude war riesig. Corona hat den Frauen vom Katholischen Frauenbund einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Aufgeben ist aber nicht ihr Ding. Und so findet die Wortgottesfeier am 29. November in Biebelried trotzdem statt. Es geht schließlich um ein wichtiges soziales Projekt.

Adveniat nennt sich das lateinamerikanische Hilfswerk der katholischen Kirche. Jedes Jahr im Dezember findet eine große Spendenaktion statt. In diesem Jahr ist die Diözese Würzburg Ort der Eröffnungsveranstaltung. „Die Planungen laufen schon seit einem Jahr“, berichtet Karin Post-Ochel. Eine Lichtfeier war als Auftaktveranstaltung in Würzburg angedacht, der Dom sollte illuminiert werden. Aus der Partnerdiözese Óbidos in Brasilien wurden Gäste erwartet. „Wegen Corona ist jetzt alles anders“, bedauert Post-Ochel. Dennoch: Die Veranstaltungen sollen – in abgespecktem Rahmen – über die Bühne gehen.

Auch die Pfarreiengemeinschaft St. Hedwig im Kitzinger Land ist eingebunden. Für den 1. Advent planen die Mitglieder des Frauenbundes eine Wortgottesfeier in Biebelried. Eigentlich sollten eine Schwester aus Brasilien und der Geschäftsführer von Adveniat in Biebelried von ihren Erfahrungen berichten. Eigentlich sollte die Kirche voll sein. „Alles nicht mehr möglich“, bedauert Monika Krämer und versichert. „Wir sind aber trotzdem motiviert.“

Sechs große Hilfswerke hat die katholische Kirche. Von Misereor über Renovabis, Missio, Caritas international, dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ bis hin zu Adveniat. Das ist im Jahresverlauf die letzte große Aktion, für die um Spenden gebeten wird. Wie nötig die sind, weiß Post-Ochel aus eigener Erfahrung. Sie war für ein paar Wochen in der Partnerdiözese zu Gast.

„Man braucht keinen Priester, um eine Gemeinde lebendig zu halten.“
Karin Post-Ochel, Katholischer Frauenbund

Etliche langfristige Projekte sind in ganz Lateinamerika angestoßen worden. Die sind auf regelmäßige Zuwendungen angewiesen. Das Ziel lautet immer: die Menschen vor Ort sollen sich eine eigene Existenzgrundlage aufbauen können.

„In Corona-Zeiten gehen die Spenden leider zurück“, weiß Post-Ochel. Schon alleine deshalb, weil die Kirchenbänke – und damit auch die Klingelbeutel – leerer sind. Mit den Spenden für Adveniat sollten vor allem Projekte in der Bildung und in der Landwirtschaft gefördert werden. „Die Probleme der Bauern in Lateinamerika sind oftmals ähnlich wie bei uns“, berichtet Post-Ochel.

Der Klimawandel sorgt für Wassernot, die Transportkosten steigen. Landwirte klagen diesseits und jenseits des Atlantiks über Absatzprobleme. Die Wertschätzung für viele Produkte geht verloren. „Die Landwirtschaft kann nur überleben, wenn wir Konsumenten einen fairen Preis bezahlen“, ist Post-Ochel überzeugt.

Von Lateinamerika könne man einiges lernen, sind sich die beiden Mitglieder des Katholischen Frauenbundes einig.

Auch bezüglich der kirchlichen Strukturen. „Dort sind die Pfarreiengemeinschaft flächenmäßig noch viel größer als bei uns“, erzählt Post-Ochel. Die Folge: Laien sind intensiv eingebunden. Nicht nur in soziale Projekte, sondern auch in die Gestaltung der Gottesdienste. „Man braucht keinen Priester, um eine Gemeinde lebendig zu halten“, sagt Post-Ochel. Das hat sie in Brasilien gelernt. Und das sei auch in Deutschland so.

Mittlerweile steige auch hierzulande die Akzeptanz von Wortgottesdienstleitern, freut sich Monika Krämer. „Aber nur ganz langsam.“ Etwa zehn sind es in der Pfarreiengemeinschaft St. Hedwig im Kitzinger Land – überwiegend Frauen. Sie halten regelmäßig Gottesdienste in Hoheim, Buchbrunn oder Sulzfeld ab. Monika Krämer wird die Feier am 29. November in Biebelried zelebrieren. Zum Glück habe Pfarrer Gerhard Spöckl großes Vertrauen in die Laien. „Er lässt uns wirken und bietet regelmäßig Fortbildungen an“, freut sich Post-Ochel.

Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. Gerade die jüngeren Priester stünden den Wortgottesdienstleitern skeptisch gegenüber. „Viele von ihnen sind konservativ im wahrsten Sinn des Wortes“, bedauert Monika Krämer. Sie hielten sich fest an ihrem Stand, an der Tradition und stünden notwendigen Veränderungsprozessen kritisch bis ablehnend gegenüber. „Aber eines haben wir in den letzten Jahren gelernt“, betont Post-Ochel. „Wir kämpfen für unser Anliegen und halten fest an unserer Position.“ Aufgeben ist für die Mitglieder des Katholischen Frauenbundes eben keine Option.

Termin: Die Wortgottesfeier findet am 29. November um 9 Uhr in St. Johannes in Biebelried statt. Wegen Corona sind die Plätze begrenzt.

Spenden für Adveniat können in einem Kuvert im Pfarrbüro in der Oberen Kirchgasse abgegeben werden. Das Spendenkonto lautet: IBAN: DE 03 3606 0295 0000 0173 45; BIC: GENODED1BBE.

Weitere Infos unter www.adveniat.de

Ein Hilfswerk entsteht

Die Geschichte des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat begann im „Hungerwinter“ 1946/1947, als in Deutschland die Menschen zu Hunderttausenden verhungerten, erfroren oder an durch das Elend bedingten Krankheiten zugrunde gingen. Die Nachrichten und Bilder dieses Massensterbens erschütterten auch das ferne Lateinamerika. Dort sammelten die lutherische und die katholische Kirche für die hungernden Kinder und alten Menschen in Deutschland.

Diese Hilfe von „drüben“ wurde nicht vergessen – auch nicht, als hierzulande Ende der 1950er Jahre die Not überwunden war und das so genannte Wirtschaftswunder begonnen hatte. Mehr und mehr Deutsche konnten einen Teil des Lohnes für einen guten Zweck hergeben. Doch bis 1961 gab es kein Hilfswerk, das sich den pastoralen Anliegen der Katholiken in Lateinamerika annahm. Bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wurde dann eine „besondere Kollekte“ für Lateinamerika vorgeschlagen, die zu Weihnachten in allen Kirchen der Bundesrepublik und Westberlins gehalten werden sollte. 1969 machten die Bischöfe es dann offiziell. Aus den zunächst einzelnen Kollekten war damit ein weiteres weltkirchliches Werk entstanden: Adveniat. (Quelle: Adveniat)