Auf der Mondseeinsel fühlt sich das Team aus Betreibergesellschaft und Stadtbetriebe gerade wie eine Schiffsmannschaft bei starkem Seegang: Es ist ein Auf und Ab, der Wind bläst einem die kalte Gischt ins Gesicht, der Kutter will nicht so richtig vorankommen. Der Gedanke ans rettende Ufer trägt sie aber weiter. Will heißen: Für diese Saison sieht die Geschäftsleiterin der Kitzinger Baugesellschaft mbH, Rebecca Hick, noch kein Land. Die Förderzusage des Bundes über knapp eine halbe Million Euro macht aber Hoffnung.

Mit genau 427 995 Euro fördert das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Kultur und Jugend“ den Neubau des Kleinkindbeckens auf der Mondseeinsel, teilt die örtliche CSU-Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber per Mail mit. „Wichtig war uns dabei, dass neben den Großstädten auch der ländliche Raum von dem Programm profitieren kann“, betont Weisgerber. „Ich bin froh, dass wir eine finanzielle Unterstützung durchsetzen konnten.“

Kein „Inzidenz-Hopping“

Für Rebecca Hick, Betriebsleiter Peter Zimmermann von der Betreiberfirma Schauer & Co. und den Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Oberbürgermeister Stefan Güntner, ist das eine freudige Nachricht – und lenkt von der aktuell mehr als unsicheren Situation ab. „Wir wissen noch gar nicht, wie diese Saison laufen kann“, klagt Hick über fehlende Perspektiven für eine Eröffnung der Freibadsaison. Sechs Wochen Vorlaufzeit bräuchte das Schwimmbad-Team, um das Gelände auszuwintern. „Wir können das aber nicht auf Verdacht tun“, sagt die Geschäftsführerin. „Wir können nicht sagen, wir wischen einmal durch und machen dann auf. Wenn die Technik einmal läuft, muss sie am Laufen gehalten werden.“ Das „Inzidenz-Hopping“, wie etwa im Einzelhandel, könne das Freibad nicht mitmachen, es bräuchte verlässliche Aussagen. „Und die sind im Moment noch nirgends zu finden.“ Spätestens bis Mitte Juni müsste sie Bescheid wissen, damit sich die Eröffnung dieser ohnehin verkürzten Freibadsaison noch lohnen würde. Im letzten Jahr kam die Mitteilung auch schon spät, aber noch rechtzeitig: Am 18. Juni sprang OB Stefan Güntner erstmals ins kühle Nass des Schwimmerbeckens.

Das Stadtoberhaupt weiß um die Bedeutung des Freibades für Kitzingen und seine Bewohner. Gerade deshalb freut er sich besonders über die Förderung aus Berlin. „Sie leistet einen entscheidenden Beitrag, um die Umgestaltung des Kleinkindbereiches angehen zu können. Mir ist das Projekt besonders wichtig, denn in Zeiten, in denen immer weniger Jugendliche sicher Schwimmen können, wollen wir Kinder schon in ganz jungen Jahren an den Wassersport heranführen und für das Schwimmen begeistern.“

Gebaut wird ab 2022

Und auch die Bundestagsabgeordnete Weißgerber freut sich auf ein attraktiveres Freibad in Kitzingen. Die Erneuerung der technischen Anlagen ermögliche zudem einen effizienteren Betrieb, was wiederum einen Beitrag zum Klimaschutz leiste.

Zu all diesem wird der neu gestaltete Bereich allerdings frühestens in der Saison 2023 beitragen können. „Ideen gibt es viele“, erklärt Betriebsleiter Peter Zimmermann und regt mit Begriffen wie „Wasserspielplatz“ und „kindgerechtes Planschbecken“ die Fantasie aller Beteiligten an. Bevor es aber so weit kommen kann, müssen Pläne und Entwürfe erst einmal dem Aufsrichtsrat vorgestellt, dort diskutiert und abgesegnet werden. Das soll in den Herbst- und Wintermonaten 21/22 passieren, ehe im Frühjahr ausgeschrieben wird und es im Herbst-/Winterhalbjahr 22/23 mit dem Bau losgehen kann.

Dann könnte den Freibadfreunden zwar nach der letzten und der kommenden erneut eine verkürzte Schwimmsaison bevorstehen. Dafür prophezeit Rebecca Hick eine „verdammt gute Nummer“. „Wir wollen mit der Förderung für den Kleinkindbereich endlich den Quantensprung in eine neue Zeit schaffen.“ Sowohl in diesem als auch im Schwimmerbereich sei man „in den 70er, 80er Jahren stecken geblieben“. In den nächsten Jahren sollen beide Areale an das bereits sanierte Umfeld des Nichtschwimmerbeckens angeglichen werden. Dazu haben sich die Verantwortlichen schon für die Beteiligung an einem weiteren Fördertopf, der von der Bayerischen Staatsregierung für die Sanierung von Sportstätten zur Verfügung gestellt wird, beworben. „Wir planen weitsichtig, aber mit Augenmaß und Klarheit“, betont Rebecca Hick. „Man kann Großes planen, aber wenn nur kleine Kassen da sind, wird es bei der Planung bleiben.“ Auf der Mondseeinsel ist die Kasse mit der Förderzusage nun etwas besser gefüllt. Land ist in Sicht. Auch wenn die See im Moment noch sehr rau ist.