Vor 20 Jahren war das undenkbar. 45 Prüflinge hatte Hubert Ludwig damals in einem Jahrgang. Heute sind es nur noch zehn. Die Zahl der Auszubildenden im Handwerk der Floristen sinkt seit Jahren. Die Folge klingt paradox: Betriebe suchen Auszubildende – und Auszubildende suchen Betriebe.

Ulsamer, Kohl, Wirth: Gar nicht so lange her, dass es in Kitzingen noch ein paar Ausbildungsbetriebe für angehende Floristen gab. „Heute gibt es in Kitzingen keinen einzigen Ausbildungsplatz mehr“, bedauert der Fachbetreuer für Gartenbau/Floristik an der Berufsschule Ochsenfurt. Auch in Gerolzhofen haben zwei Betriebe ihre Ausbildungstätigkeit beendet. „Im Steigerwaldvorland bildet nur noch die Gärtnerei Lang in Wiesentheid aus“, berichtet Hubert Ludwig. In Volkach gibt es bei „Blumenhandwerk Dinkel“ eine Möglichkeit zur Ausbildung. Ansonsten? Schlechte Aussichten für Auszubildende im Landkreis Kitzingen.

Eine Frage des Wertes

Die Gründe für diese Entwicklung sind komplex. Die Verbraucher trägt eine Mitschuld. „Wer seine Gestecke und seinen Bllumenschmuck nur noch bei den Großmärkten oder Discountern kauft, braucht sich nicht zu wundern, dass die regionalen Betriebe nach und nach schließen“, gibt Hubert Ludwig zu bedenken. Geht das Alltagsgeschäft immer mehr zurück, können Lehrlinge nicht mehr bezahlt werden. „Die regionalen Blumenfachgeschäfte müssen den Menschen auch etwas wert sein“, appelliert Ludwig an die Verbraucher.

Wer nach der Schulzeit einen Ausbildungsplatz als Florist oder Floristin finden möchte und aus den Landkreisen Kitzingen beziehungsweise Schweinfurt kommt, der hat es mittlerweile nicht mehr leicht. Mobilität wird vorausgesetzt. Ohne eigenes Auto kommt man kaum zu einer Ausbildungsstätte. Immerhin: In Würzburg gibt es noch sechs Ausbildungsbetriebe. Theresia Schnaidt arbeitet bei einem von ihnen.

Die 20-Jährige hat an der FOS ihr Abitur gemacht und ist danach ihrem Herzen gefolgt. Ein Studium? Kein Interesse. Lieber wollte sie einen künstlerischen und kreativen Beruf ergreifen. Sieben Bewerbungen hat sie geschrieben, nur in einem Betrieb durfte sie zur Probe arbeiten – und wurde genommen. Jetzt ist sie in ihrem zweiten Lehrjahr und hat viel Spaß an der Tätigkeit. „Es war genau die richtige Entscheidung“, freut sie sich.

Von der Taufe bis zur Trauer

Der Beruf ist kreativ und sehr abwechslungsreich. „Er begleitet uns Menschen von der Taufe bis zur Trauer“, erinnert Fachbetreuer Ludwig. Je nach Jahreszeit wechselt das Material, je nach Kundenwunsch ändern sich die Anforderungen. In der Berufsschule werden die angehenden Floristen darauf vorbereitet. Theresia Schnaidt befindet sich mit zusammen gerade mal acht weiteren Mitschülerinnen im zweiten Ausbildungsjahr. Die haben alle ganz unterschiedliche Vorbildungen und Erfahrungen. „Der Beruf spricht Mittelschüler genauso an wie Abiturienten“, sagt Hubert Ludwig. Immer häufiger unterrichtet er auch Quereinsteiger. Menschen wie Sigrid Traub.

Mit 50 Jahren ist die Rimparerin die Älteste in der Runde. Für sie geht mit der Ausbildung ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Schon nach dem Abitur wollte sie Floristin werden, ihre Eltern waren dagegen. Also studierte sie Pädagogik, arbeitete in der Erwachsenenbildung. Dann kamen die eigenen Kinder, Sigrid Traub konzentrierte sich auf ihre Rolle als Mutter. Jetzt hat sie wieder Zeit – und Energie. „Bei dem Beruf muss man ganz schön in Bewegung sein“, sagt sie und lacht. Vor allem aber ist Kreativität gefragt. Sigrid Traub gefällt das gut, sie möchte nach ihrer zweijährigen Ausbildung gerne als Floristin weiterarbeiten. „Aber natürlich will ich den jungen Leuten nichts wegnehmen“, betont sie. Sorgen muss sie sich diesbezüglich nicht machen. Stellenangebote gibt es genug.

Anfragen sogar aus der Schweiz

Hubert Ludwig weiß von etlichen Betrieben, die händeringend Mitarbeiter suchen. „Sowohl Auszubildende als auch Ausgelernte.“ Anfragen erreichen ihn aus ganz Bayern, sogar aus der Schweiz. „Aus Gegenden, wo sich gut Geld verdienen lässt.“ Floristen mit einer abgeschlossenen Lehre könnten an vielen Orten gut verdienen, versichert er und ist trotz der sinkenden Zahlen an Auszubildenden sicher, dass der Beruf nicht aussterben wird.