Gerade schwierige Zeiten motivieren Menschen, sich zu engagieren. So laufen trotz Corona derzeit im Verborgenen die Fäden im Freiwilligenzentrum „mach mit!“ in Neustadt/Aisch zusammen, neue Projekte werden auf den Weg gebracht. „Frangn digidol“ zum Beispiel. Dahinter steckt die Autorin Daniela Berger alias Diedschi, die dafür ihr in Kürze erscheinendes Buch kurzfristig zu einem Podcast gemacht hat…

Frage: Ihr Buch „Fix-ä-ferdi“ kommt bald auf den Markt. Da normale Lesungen aktuell nicht möglich sind, haben Sie sich etwas Tolles einfallen lassen, um Ihr Werk publik zu machen.

Daniela Berger: Gerade jetzt sind neue Wege und Initiativen gefragt. Kurzerhand habe ich zusammen mit dem Freiwilligenzentrum Neustadt/Aisch den Podcast „Frangn digidol“ ins Leben gerufen. Auf deren Homepage – aber auch über Spotify – sind jetzt regelmäßig Texte aus meinem Buch zu hören. Mittlerweile sind schon drei Podcasts online.

Schon der Titel verrät: Das Buch ist in Dialekt geschrieben. Was fasziniert Sie so an der Mundart?

Daniela Berger: Ich bin mit dem fränkischen Dialekt in einem kleinen Ort im Aischgrund groß geworden. Der Dialekt liegt mir sozusagen im Blut – auch wenn ich natürlich im Studium, im Berufsleben oder im Alltag oft gezwungen war, Hochdeutsch zu sprechen. Aber es ist für mich einfach so, dass der fränkische Dialekt aus der Seele und aus dem Herzen spricht. Fei echd! Tiefe Gefühle, die wahre Mentalität der Franken, können nur in der fränkischen Sprache eindeutig und unverfälscht vermittelt werden. Das ist Frangn feeling pur! Oh je, jetzt bringe ich noch eine Fremdsprache mit ins Spiel. Was soll?s?! Die „Frangn sin muldi-kuldi“. So steht es auch in meiner Kurzgeschichte „Frangn araund se wörld“, die auch im Buch enthalten ist.

Zwischen Fränkisch sprechen und Fränkisch schreiben liegt sicher noch mal ein großer Unterschied. Ist das nicht unendlich schwer – selbst wenn man die Autokorrektur am PC ausgeschaltet hat?

Daniela Berger: Obber echd! Es gibt nun mal keine fränkische Rechtschreibung oder feste Grammatikregeln. Fränkische Mundartautoren schreiben durchaus verschieden, verwenden zum Beispiel oft auch nur Kleinschreibung. Bei meinem Buch habe ich versucht, eigene Regeln und Schreibweisen für mich zu finden und beizubehalten. Ich habe bewusst auf ein „mildes Fränkisch“ geachtet, denn ich weiß, dass selbst für eingefleischte Franken das „fränkische Lesen“ eine Herausforderung darstellt. Und es soll ja Spaß machen! Gerade der Aha-Effekt führt da sowohl zu Lachtränen, aber auch zu großer Rührung. Deswegen schreibe ich je nach Situation manche Wörter auch mal unterschiedlich, einfach um die jeweilige Stimmung zu betonen.

Ihr Buch hat Fußnoten – ist also auch für Nichtfranken geeignet?

Daniela Berger: Auf jeden Fall! Es gibt zu jedem Text eine Art Beschreibung oder Einleitung, die selbst „Nicht-Franken“ schlüssig und humorvoll erklärt, um was es geht. Wäre ja schade, wenn die Boande (Pointe) auf der Strecke bleibt. Kabbierd?!

Wo wir schon dabei sind. Um was dreht sich Ihr Buch denn eigentlich?

Daniela Berger: Die Franken sind einzigartig, ihre Mentalität aber durchaus „beschreiblich“ – aber nur im Originalton: Frängisch! Es macht einfach Spaß, die fränkische Kultur auch in der passenden Sprache zu beschreiben. Da das Leben allerdings „nedd bloß a Bonyhof is“, findet man in meinem Buch neben humorvollen, ironischen Gedichten auch gesellschaftskritische, nachdenkliche Texte. Auch hier gelingt es mit der fränkischen Sprache ehrlich, direkt und aus der Seele zu sprechen. Ich möchte damit die Herzen der Leser berühren. Sie sollen Spaß und Unterhaltung haben, aber auch mal innehalten und über das Leben nachdenken.

Wann schreiben Sie denn am liebsten?

Daniela Berger: Ich schreibe immer – zumindest in Gedanken. Es ist tatsächlich so, dass ich immer einen Block oder mein Handy parat habe, um Alltagsmomente und spontane Ideen aufzuschreiben. Situationskomik ist die beste Grundlage und Inspiration für einige meiner Geschichten wie zum Beispiel der „Kuldurschogg im Waddezimmer“, die von einer tatsächlichen Begebenheit in einer Arztpraxis in Neustadt erzählt. Natürlich anonymisiert und ausgeschmückt wiedergegeben. Aber auch schicksalhafte Begegnungen und Erfahrungen fließen mitunter in die ernsthafteren, kritischen Texte ein. Die Besucher bekommen Diedschi, wie sie leibt und lebt!

Haben Sie schon eine Idee für ein weiteres Buch? Oder vorerst einmal andere Pläne?

Daniela Berger: Ja, die Gedankenmaschine läuft. Und zwar in verschiedene Richtungen: Im Bereich Mundart entstehen nach wie vor immer wieder Texte, die zu einer Fortsetzung von „Fix-ä-ferdi“ führen könnten. Frei nach dem Motto „…und weider gehds – Fordsedzung folchd!“. Aber es ist auch die Idee für ein „hochdeutsches“ Projekt da, das es so – meines Wissens nach – noch nie gab. Mehr verrate ich noch nicht, Sie dürfen also gespannt sein.

Fix-ä-ferdi

Idee: Auf die Frage, wie Menschen in dieser schwierigen Zeit zueinander finden, voneinander hören und einander inspirieren können, hat die Autorin Daniela Berger ihr in Kürze erscheinendes Buch „geöffnet“. In Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum „mach mit!“ in Neustadt/ Aisch liest sie unter freiwilligenzentrum-nea.de Texte in fränkischem Dialekt.

Die Autorin: Der Spitzname „Diedschi“ begleitet Daniela Berger, geb. Dietsch, seit ihrer Kindheit in der Nähe von Dachsbach. Nach ihrem Studium in Nürnberg arbeitete sie als Lehrerin.

Das Buch: Ende Mai ist „Fix-ä-ferdi“ unter der ISBN 978-3-00-065526-5 erhältlich.