Die verblichene Jahreszahl 1687 über der Tür ins Esszimmer. Die rote Burg auf blauem Hintergrund im altweißen Putz des Flurs. Die hölzerne Tür mit dem geschwungenen Metallgriff. Die Bruchsteinwand im Wohnzimmer: Die Spuren der Vergangenheit sind überall zu entdecken. Julia und Christian Zang haben ein altes Häckeranwesen in ein modernes Schmuckstück verwandelt. Dafür wurden beide jetzt mit der Bayerischen Denkmalschutzmedaille belohnt.

Mitten im Altorts von Nordheim dominiert der prachtvolle Zehnthof. Wer achtet da schon auf das kleine Bruchsteinhaus gegenüber. Und tatsächlich schien das Häckeranwesen vergessen, über Jahre wurden nur die hinteren Gebäudeteile zum Unterstellen genutzt, das einstige Haupthaus schien dem Verfall geweiht. Bis es Julia und Christian Zang ins Auge fiel, die schon länger auf der Suche nach einem alten Gebäude waren. „Das Anwesen war in einem sehr schlechten Zustand“, sagt Julia Zang. Das Dach musste saniert werden, viele Balken waren marode, in der Küche war ein Teil der Lehmdecke heruntergebrochen. „Aber wir haben das Potenzial gesehen.“ Schon als die Beiden das erst Mal in das Gebäude gegangen seien, hätten sie sich vorstellen können, wofür welcher Raum später mal genutzt werden kann.

2015 haben die Zangs das Anwesen gekauft. Unter Denkmalschutz stand das um 1700 errichtete Gebäude, das viele Elemente aus dem 18. und 19. Jahrhundert enthält, da noch nicht. Dr. Matthias Wieser, Professor an der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen der FH Würzburg Schweinfurt, und Architekt Walter Böhm, der viel Erfahrung mit der Sanierung historischer Bauten hat, brachten die Zangs auf die Idee, den Denkmalschutz mit ins Boot zu nehmen. Was andere eher als hinderlich sehen, war für die Zangs eine Chance. Die Fachleute kennen sich damit aus, was erhaltenswert ist und was nicht – und sie wissen über die Fördertöpfe Bescheid, die es für den Erhalt von Denkmälern gibt. „Das mit uns, dem Architekten und dem Denkmalschutz hat einfach gepasst“, sagt Christian Zang rückblickend.

Abreißen und neu bauen – das hatten zuvor mehrere Architekten vorgeschlagen. Von einer „Schrottimmobilie“ war die Rede. Und auch die meisten Nordheimer schüttelten anfangs den Kopf darüber, was die Familie Zang mit dem alten Gerütsch gegenüber des mächtigen Zehnthofs anstellen wollte. „Erst haben 90 Prozent gesagt: Was macht Ihr da bloß? Jetzt sagen 90 Prozent: Das ist super so!“, erzählt Christian Zang. Das Ergebnis zu sehen, verändere etwas im Kopf der Leute. „Sie sehen: Ach, da kann man ja wirklich was draus machen.“ Er selbst und seine Frau zweifelten keine Minute an ihrem Vorhaben. Dass viel Geld in der Erde verbuddelt werden musste, dass ab und zu eine unliebsame Überraschung auftauchte, entmutigte die beiden nicht. „Man hat ja immer wieder gesehen, dass es einen Fortschritt gibt. Wir waren immer motiviert.“ Das half über den großen finanziellen und vor allem zeitlichen Aufwand hinweg. Jeden Abend nach der Arbeit bis tief in die Nacht, jeden Samstag, häufig auch sonntags auf der Baustelle – da kamen mehrere tausend Stunden an Eigenleistung zusammen. Oft waren es die unliebsamen Arbeiten, die an den Hausherren hängen blieben. „Den Ruß von der Wand waschen, zum Beispiel“, sagt Christian Zang lachend. „Das kostet viel Zeit und ist mühevoll. Aber es muss halt gemacht werden.“

In einem historischen Gebäude zu leben war der Traum der Familie Zang. „Aber wir wollten nicht in einem Museum wohnen.“ Deshalb galt bei den Arbeiten immer das Motto: Erhalten, was erhalten werden kann – und mit modernen Elementen kombinieren. Manche fallen dem Betrachter sofort ins Auge, wie die Bruchsteinmauer der alten Kelterhalle im weitläufigen, lichtdurchfluteten Wohnzimmer. Bei anderen muss man schon genauer hinschauen – wie bei den Resten der Stuckdecke über dem hölzernen Esstisch. Und es galt, das Alte an die Vorschriften modernen Wohnens anzupassen. So wurden die alten Fenster zwar erhalten, aber mit neuen Kastenfenstern ergänzt. Manche „alte“ Lösungen sind bei genauer Überlegung auch gar kein Rückschritt. Farben und Putz aus rein mineralischem Material, ganz ohne Kunststoffe, „das ist doch eigentlich der Idealzustand“, findet Christian Zang.

Wenn die Kinder Gustav (4 Jahre) und Johan (6 Jahre) heute in ihren Zimmern spielen, kann man sich kaum vorstellen, dass das früher der Heuboden war. Wer sich die Hände im Gästebad wäscht, tut das dort, wo sich einst die Schnapsbrennerei befand. Das Elternschlafzimmer dagegen ist der Raum, in dem sich am wenigsten verändert hat. Die alten Wände wurden gereinigt, der alte Boden blieb erhalten. „Manchmal ist nichts machen besser, als etwas zu machen“, findet Christian Zang.

Mit dem Nebengebäude, in dem unter anderem eine Ferienwohnung untergebracht ist, ist das Häckerhaus über ein gläsernes „Gartenzimmer“ verbunden. Es ist eine Kombination, in der man sich sofort wohlfühlt. Das Ergebnis der Sanierung, so befindet auch die Jury der Denkmalschutzmedaille, zeuge „vom großen Verständnis für den Umgang mit einem scheinbar einfachen Bauernhaus und dessen Weiterentwicklung ins 21. Jahrhundert“. Von Einheimischen und Gästen bekommen die Zangs viel Lob für ihr Anwesen. „Viele drücken sich die Nase platt, um zu sehen, was aus dem alten Schandfleck geworden ist“, sagt Christian Zang. Doch die Auszeichnung der Denkmalpflege kam für die Familie völlig überraschend – entsprechend groß ist die Freude darüber „Wir haben uns sehr bemüht bei der Sanierung. Dass das jetzt von professioneller Seite gewürdigt wird, freut uns wirklich sehr.“

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder: www.inFranken.de