Das Ende dieser langen und überwiegend glücklichen Liaison sollte eigentlich gebührend gefeiert werden. Mit Glühwein, Gebäck und einem Rückblick auf die letzten Jahrzehnte. Mehr als 50 Jahre hat die Kitzinger Karnevalsgesellschaft den Falterturm als Mieter genutzt. Ende des Jahres läuft der Vertrag aus. Die Frage ist, was mit dem Wahrzeichen der Stadt dann passiert.

Kurt Braun kann sich noch gut an die 1960er-Jahre erinnern. An die Zeit, als sich die Kitzinger Karnevalsgesellschaft unter der Führung von Hans-Joachim Schuhmacher als dynamische und visionäre Gruppe etablierte, als der Entschluss gefasst wurde, ein Museum zu eröffnen, und der Falterturm als dessen Heimat auserkoren wurde.

Die KiKaG-Mitglieder steckten viel Arbeit in den Ausbau

Eine Menge Arbeit mussten die Elferräte und Senatoren in den Umbau des Turms stecken, allen voran der heute 90-jährige Kurt Braun. Eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis der siebenstöckige Turm von all dem Unrat und all den Gegenständen befreit war, die sich dort angesammelt hatten. Bis der ganze Schutt der notwendigen Renovierungsarbeiten beseitigt war. „Das war eine Knochenarbeit“, erinnert sich Braun.

Nach dem Krieg wurde der Turm bewohnt, zuletzt von einer Familie. Die Umstände waren aus heutiger Sicht abenteuerlich. „Es gab eine Außentoilette und ein Schlafzimmer war in dem Raum untergebracht, in dem sich das Uhrwerk befand“, berichtet der langjährige Senatspräsident der KiKaG Kurt Braun. Zweimal in der Woche haben die freiwilligen Helfer am Feierabend angepackt, an den Wochenenden wurde weiter geschuftet. Das Fachwerk musste freigelegt, Gipsplatten und neue Treppen eingebaut werden. Strom gab es nicht, also wurden in Zusammenarbeit mit den LKW elektrische Leitungen gelegt. Die Schau-Vitrinen haben die KiKaG-Mitglieder selbst angefertigt und dafür eine Eiche im Spessart fällen lassen. Vier bis fünf Jahre hat es gedauert, bis das Museum schließlich eröffnet wurde. „Ich habe allein mehr als 4000 Arbeitsstunden in den Turm gesteckt“, erzählt der 90-Jährige.

Der Bund Deutscher Karneval erkannte den Falterturm offiziell als Museum an, nach der Eröffnung im Jahr 1967 kamen die Gäste aus ganz Deutschland, auch und gerade aus den Faschingshochburgen Köln und Mainz. „Der Besucherandrang war von Anfang an groß“, erinnert sich Braun, der bis zu 40 Leute gleichzeitig durch das Museum führte.

Etwas mehr als vier Jahrzehnte lang war der Turm die Heimat des Deutschen Fastnachtmuseums. 2010 musste er wegen strengerer Brandschutzbestimmungen geschlossen werden. Einer der letzten Gästeführer im Turm war Kurt Schmitt. Der ehemalige Leiter des Knauf-Museums in Iphofen hat nach seiner Pensionierung immer wieder Gruppen über die sieben Stockwerke und 144 Stufen geführt. „Von ganz oben hatte man einen herrlichen Blick auf den Schwanberg und über die Stadt“, erinnert er sich. Passiert sei nie etwas, der Turm kam jedoch an seine räumliche Kapazitätsgrenze. Unter der Leitung von Bernhard Schlereth, dem damaligen Präsidenten des Fränkischen Fastnacht-Verbandes, zog das Museum in die Rosenstraße, nach und nach wurden vier Häuser zum heutigen Fastnachtmuseum mit angeschlossener Fastnachtakademie umgebaut.

Gute Nachricht: Der Turm ist derzeit gut in Schuss

Der Turm wurde bis vor ein paar Wochen nur noch als Lagerstätte genutzt. „So traurig es ist“, sagt Museumsleiterin Dr. Katrin Hesse. „Wir brauchen den Falterturm nicht mehr, letztendlich ist er nur noch ein Ballast für uns gewesen.“

Zusammen mit Romana Wahner und Hans Waldmann hat sie kürzlich die letzten Überbleibsel ausgeräumt, einer Übergabe an die Stadt steht nichts mehr im Wege. Die freut sich in Person von Bauamtsleiter Oliver Graumann auf die neue Aufgabe. „Der Falterturm ist ein ganz wertvolles und wichtiges Gebäude für die Stadt“, betont er. Ein Wahrzeichen, das glücklicherweise gut in Schuss sei. Akute Schäden gebe es nicht, aufwändige Reparaturen stünden derzeit nicht an.

Graumann möchte so schnell wie möglich einen Architektenwettbewerb ins Leben rufen, Ideen und Vorschläge von Profis einholen, wie das Wahrzeichen der Stadt künftig genutzt werden könnte. „Den Turm einfach nur stehen lassen, ohne sich um eine künftige Nutzung Gedanken zu machen, wäre meines Erachtens nach ganz falsch“, sagt er. Was dabei herauskommt? Graumann zuckt mit den Schultern. „Kann ich nicht sagen.“

Er wünscht sich, dass möglichst unvoreingenommen und frei gedacht wird. „Warum den Turm künftig nicht auch temporär in Szene setzen?“, fragt er. Durch Lichtinstallationen oder andere künstlerische Aspekte. Eine offizielle Übergabe und Verabschiedung wird es nicht geben. „Schade“, sagt Dr. Katrin Hesse. Nach mehr als 50 Jahren hätten sich die Karnevalisten gerne bei Glühwein und Gebäck von ihrer einstigen Heimat verabschiedet. Wegen Corona muss eine Ära in Kitzingen aber still und heimlich zu Ende gehen.