Greuth/Landkreis Kitzingen Carolin Meyer stellt gerade einen Rekord auf – wahrscheinlich einen für die Ewigkeit. Keine andere Fränkische Weinkönigin war drei Jahre lang im Amt. Keine andere hatte aber auch so ungewöhnliche Zeiten mit Leben zu füllen.

Frage: Haben Sie nicht langsam genug von der Krone?

Carolin Meyer (lacht): Nein, überhaupt nicht. Ich spüre immer noch eine Verpflichtung gegenüber diesem Amt. Und die Umstände haben es nicht anders ermöglicht.

Haben Sie gleich zugesagt, als der Weinbauverband mit der Bitte um eine zweite Verlängerung auf Sie zugekommen ist?

Carolin Meyer: Es war ja keine ganz abrupte Entscheidung. Ich konnte mir im Vorfeld Gedanken machen. Und ich sah keine Möglichkeit, die Krone einfach ruhen zu lassen. Es war einfach unmöglich, eine Wahl im März 2020 durchzuführen. Und genauso war es auch ein Jahr später.

Man hätte den Termin doch auf den Sommer schieben können?

Carolin Meyer: Das war auch angedacht. Aber immer, wenn ein Termin vermeintlich gefunden worden war, stieg die Inzidenz wieder. Und so eine Wahl ist ja keine kleine Angelegenheit. Da kommen bis zu 500 Menschen, die Kandidatinnen habe alle ihre Fanclubs dabei. Dieser Tag lebt von den Emotionen.

Eine virtuelle Wahl war keine Alternative?

Carolin Meyer: Ohne Zuschauer ist so eine Veranstaltung undenkbar. Dieser Tag war für mich der Höhepunkt in meiner ganzen Amtszeit. Das gilt nach wie vor.

Ihre Amtsvorgängerinnen schwärmten oft von Reisen. Haben Sie den Frankenwein je im Ausland repräsentiert?

Carolin Meyer: Mein erstes Amtsjahr lief ja beinahe völlig ohne Corona-Beschränkungen ab. Ich hätte also viel reisen können, aber ich bin mehr der heimatverbundene Typ. Eine Woche war ich in Israel. Das war sehr interessant. Auch wegen der Bewässerungstechnik, die wir dort demonstriert bekamen. Ansonsten habe ich die eigene Heimat sehr gut kennengelernt.

Sind die fränkischen Winzer gut durch die Corona-Zeit gekommen?

Carolin Meyer: Ich denke schon. Viele haben schnell reagiert, auf online-Shops umgestellt. Die Wandelbarkeit und Flexibilität unserer Winzer hat sich hier wieder einmal gezeigt. Aber es gibt auch Betriebe, die von der Gastronomie leben. Die hatten es in den letzten Monaten schwerer.

Wie viele Termine hatten Sie als Fränkische Weinkönigin?

Carolin Meyer: Im ersten Jahr rund 400, im zweiten etwa 80. So viele werden es wohl auch in meinem dritten Jahr sein.

Ein Grund, warum Sie noch einmal zugesagt haben?

Carolin Meyer: Nach dem ersten Jahr war ich tatsächlich froh über eine kurze Pause. Drei Jahre Dauerschleife als Weinkönigin – das funktioniert nicht, das geht zu sehr an die Substanz. Es macht schon Sinn, dass das Amt normalerweise auf ein Jahr begrenzt ist.

Zumal Sie beruflich ja auch eingespannt sind.

Carolin Meyer: So ist es. Ich habe zum ersten Februar diesen Jahres unseren Familienbetrieb übernommen und arbeite nebenbei noch 15 Stunden in der Domäne Castell im Bereich Marketing.

Klingt nach einer großen Herausforderung.

Carolin Meyer (lacht): Ja, es gibt einiges zu tun. Wir wollen den Betrieb nach und nach modernisieren. Im Moment haben wir einen typischen Mischbetrieb, Landwirtschaft, Streuobstflächen und 3,2 Hektar Weinbau. Wir wollen unsere Vinothek vergrößern und modernisieren und eine Kelterhalle bauen, den Weinbau nach und nach ins Zentrum rücken. Für all das braucht es Kraft, aber auch Mut.

Und Zeit. Im nächsten Jahr ist also definitiv Schluss mit Weinkönigin?

Carolin Meyer: Auf jeden Fall. Im März 2022 sollte eine Nachfolgerin in würdigem Rahmen gewählt werden können. Ich hoffe, dass es dann viele Bewerberinnen gibt, für die das Amt nach wie vor in ihre Lebensplanung passt.

Und Sie müssen beim Abschied keine Träne mehr verdrücken?

Carolin Meyer (lacht): Wir werden sehen. Gedanklich habe ich mich schon einige Male von diesem Amt verabschiedet. Im Februar vor einem Jahr hatte ich schon eine Art Abschiedsrede gehalten und bin dabei ganz sentimental geworden. Da habe ich es sicher einfacher als meine Vorgängerinnen. Es gibt kein abruptes Ende, sondern ein sanftes Ausgleiten. Das kann ich durchaus genießen.