Er ist schnell wie der Blitz. Wer (vor der Corona-Zeit) öfter auf Maintal-Radwegen unterwegs war, ist dem „Blitz auf Rädern“ vielleicht begegnet. Stefan Weidner, Unterfrankens sympathischer „Goldjunge“ mit geistiger Behinderung, trainierte hier auf Rollerskiern für die nationalen Winterspiele der „Special Olympics“ in Berchtesgaden. Sein Einsatz hat sich gelohnt: Der Gerbrunner holte Anfang März zwei Goldmedaillen. Sowohl im 2,5-Kilometer-Skating als auch über fünf Kilometer ließ er die Konkurrenz in der Loipe weit hinter sich.

Trotz Schneemangels in Franken hatte sich Stefan Weidner perfekt vorbereitet: Er war regelmäßig auf seinen rollenden Skiern unterwegs und stählte seinen Körper zusätzlich im Fitnessstudio, wo ihn sein Vater und zugleich Trainer Herbert Weidner unterstützte. Beide verbrachten vor den Spielen – und vor dem Corona-Ausbruch – eine Vorbereitungswoche im Schnee in Österreich.

Während der Spiele tat das Coronavirus bereits sein Übriges. Obwohl es bis dato keine offiziellen Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland gab, sorgte es bereits für Unbehagen. Die 1000 teilnehmenden Sportler begegneten einander nicht so unbefangen wie gewöhnlich, abendliche Veranstaltungen wurden vorsorglich abgesagt.

Dennoch: Stefan Weidner behält die Winterspiele in guter Erinnerung. „Die verschneiten Berge, die tolle Landschaft, die Sportlerkollegen mit verschiedenen Behinderungen – das war beeindruckend.“ In acht Wintersportarten maßen die Teilnehmer ihre Kräfte. Der Unterfranke gewann die beiden Skatingwettbewerbe über 2,5 sowie fünf Kilometer überlegen. „Ich bin einfach meinen Rhythmus gefahren.“ Der Erfolg qualifiziert ihn automatisch für die „World Games Special Olympics Winterspiele 2021“.

Neben aller Freude bleibt Stefan Weidner auch selbstkritisch. Bei seinem Laufstil sieht er „noch Luft nach oben“; speziell das rechte Bein müsse noch besser gleiten. „Man kann immer dazulernen“, stellt der Goldmedaillen-Gewinner klar.

Wenn er gerade keinen Wettkampf absolviert, arbeitet er in der Kabelmontage der Mainfränkischen Werkstätten beziehungsweise hilft beim Ausfahren des Essens aus der Mainfränkischen Großküche. Nach Feierabend stehen quasi jeden Tag ein paar bewegende Stunden an. „Ohne Sport geht es einfach nicht. Ich brauche die Bewegung“, sagt Stefan Weidner, „egal ob beim Mountainbiken oder beim Joggen“. Wenn es bald wärmer wird, will er auch das Rennrad wieder öfter nutzen. „Und schwimmen gehen – im Dallenbergbad, im Erlabrunner See oder im Main.“

Schon als Jugendlicher hatte Stefan besonders viel Freude am Sport. Er trainierte in der Triathlongruppe des TSV Gerbrunn. „Er ist da einfach reingewachsen“, sagt Herbert Weidner, der seinen Sohn zu den Übungseinheiten mitgenommen hatte. Seinen ersten Halbmarathon lief Stefan mit 16 Jahren. Dann folgten Marathons und viele Triathlon-Wettkämpfe. Als Krönung finishte er auch einen „Ironman“ in Roth.

„Stefan ist sehr vielseitig, hat viel Kondition und Kraft“, beschreibt der Vater den Sohn. Als das Freiwasserschwimmen ins Special-Olympics-Programm aufgenommen wurde, legte der Sportler seinen Fokus darauf.

Das Ergebnis ist bekannt: Er holte 2019 bei den Weltspielen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowohl in der 4x100-Meter-Staffel als auch beim 1600-Meter-Freiwasserschwimmen Gold.

Der anschließende Empfang in Würzburg bleibt unvergesslich. Das komplette Team der Mainfränkischen Werkstätten hatte ihn nach seinem Olympiasieg mit einer riesigen, fröhlichen Party empfangen. „Daran werde ich immer denken, bis ich sterbe“, sagt Stefan Weidner heute noch mit bewegter Stimme.

Stefans nächstes großes Ziel ist ein internationaler Titel im Triathlon. Bei den kommenden Weltspielen, die 2023 in Berlin stattfinden, wird Triathlon erstmals auf dem olympischen Programm stehen. „Da möchte ich gerne starten. Triathlon ist mein Ding, ich mag alle drei Disziplinen.“

Vater Herbert Weidner unterstützt seinen Sohn, wo er kann. Der 73-Jährige ist den Mainfränkischen Werkstätten sehr dankbar dafür, dass sie die Sportkarriere seines Sohnes fördern, indem sie zum Beispiel jüngst ein Fahrzeug zur Verfügung stellten und die Fahrtkosten zu den Winterspielen übernahmen.

Obwohl Stefan Weidner aktuell keinen strikten Trainingsplan einhalten muss, weil gerade kein Wettkampf ansteht, vergeht kein Tag ohne Sport. Frei von der Leber weg sagt Stefan: „Wenn ich alleine unterwegs bin, kann ich über alles nachdenken. Dann kriege ich den Kopf frei. Und das tut auch dem Herzen gut.“