Lauter Jubel? Tränen? Entsetzen? Allesamt Fehlanzeige. In der Kitzinger Rathaushalle war die Stimmung am späten Sonntagabend bestenfalls verhalten. Als eine halbe Stunde vor Mitternacht die Ergebnisse aller 28 Wahllokale vorlagen, fiel sich niemand in die Arme.

Es gab höchstens kleine Überraschungen zu entdecken, wie etwa den „Aufstieg“ des AKG-Sportlehrers Carlo Bank, der es von Platz 21 der CSU-Stadtratskandidatenliste auf Platz 8 – und damit ins Ratsgremium – geschafft hat. An der Kräfteverteilung im Rat änderte sich insgesamt jedoch nicht viel. Tragfähige Mehrheiten zu finden, wird bei acht Fraktionen wohl kaum leichter werden als bisher.

„Der Wähler hat entschieden; er will keine Veränderung.“
Astrid Glos OB-Kandidatin

Astrid Glos brachte die Lage ernüchtert auf den Punkt: „Der Wähler hat entschieden; er will keine Veränderung. Und wir müssen damit leben.“ Nur noch vier statt fünf Sitze hat die SPD im neuen Stadtrat (Astrid Glos, Klaus Heisel, Brigitte Endres-Paul und Elvira Kahnt). Markus Ostwald, der auf Platz 2 der Liste gesetzt war, verpasste den Sprung in den Stadtrat knapp. Genau so wie der ehemalige Geschäftsführer des Stadtmarketing-Vereins, Thomas Most, der für die CSU auf Listenplatz 9 angetreten war. Deutlich verfehlten die beiden CSU-Frauen Dr. Silvia Edle von Krziwanek (Platz 3) und Sabrina Stemplowski (Platz 5) das Ziel. Dafür ist Uwe Hartmann von der Bayernpartei in den Rat eingezogen. Sein freudiges Lachen sorgte zumindest in seiner Umgebung für eine etwas gelöste Stimmung. „Ich wär' auch in den Keller gegangen und hätt' geweint, wenn's nicht geklappt hätte!“

Keinen Grund für einen Kellerbesuch hat auch die CSU, die mit acht Räten (Stefan Güntner, Dr. Stephan Küntzer, der auf Anhieb fast 4.200 Stimmen erhielt, Thomas Rank, Andreas Moser, Hiltrud Stocker, Gertrud Schwab, Hartmut Stiller, Carlo Bank) eindeutig stärkste Fraktion. „Ich bin total zufrieden“, meinte Andreas Moser kurz vor Mitternacht. „Wir haben ein sehr starkes Team, das viele Kompetenzen vereint.“ Von den Themen Senioren über Landwirtschaft und Vereine bis hin zum Bau, zur Gesundheit, zur Justiz und zum Bildungswesen seien Fachleute vertreten. Ein bisschen haderte Moser jedoch mit dem so genannten Hare-Niemeyer-System, nach dem die Sitzverteilung im Stadtrat berechnet wird. „Von diesem System profitieren die Kleinen.“

Der Verein ProKitzingen zum Beispiel. Nach der letzten Stadtratswahl hatten sich Franz Böhm und Hans Schardt nach Querelen von der CSU abgespaltet. Nun traten sie erstmals offiziell für ProKT an - und holten gleich zwei Sitze. Franz Böhm wertete das als guten Erfolg „fürs erste Antreten“.

Das kann – zumindest für den Stadtrat – wohl auch Dr. Uwe Pfeiffle (FW-FBW) behaupten. Er zieht als Listenstärkster ins Stadtparlament ein, gefolgt von Jutta Wallrapp, Manfred Freitag und – neu im Gremium - Dipl.-Ing. agr. (FH) Dietrich Hermann.

Zweitstärkste Fraktion im Rat ist mit fünf Mandaten (Siegfried Müller, Peter Lorenz, Werner May, Manfred Marstaller und Manuel Müller) die Unabhängige soziale Wählergruppe (UsW) des amtierenden Oberbürgermeisters Siegfried Müller. Peter Lorenz zeigte sich zufrieden und stellte fest: „Es hat sich gezeigt, dass nach dem Ausscheiden von Karl-Heinz Schmidt und Rosmarie Richter doch wieder fraktionsübergreifende Arbeit möglich war. Das haben die Wähler honoriert.“ Die künftigen UsW-Räte stünden allesamt für gute Zusammenarbeit. „Vernünftige Leute“ seien darüber hinaus auch in anderen Fraktionen zu finden, meinte Lorenz. „Ich glaube, dass die Stadtratsarbeit in Zukunft leichter wird.“

Diese Meinung teilen nicht alle. „Ein bisschen frischer Wind hätte dem Stadtrat gut getan“, machte Andrea Schmidt deutlich. Deren ÖDP hat einen zusätzlichen Sitz erobert. Die ÖDP hat künftig ebenso wie die Kommunale Initiative Kitzingen KIK (Klaus Christof, Wolfgang Popp, Thomas Steinruck) drei Mandate inne. Für die Ökodemokraten zieht neben Andrea Schmidt und Jens Pauluhn auch Bianca Tröge (Fachlehrerin für Hauswirtschaft) in den Stadtrat ein. Andrea Schmidt kommentierte ihr persönliches Ergebnis so: „Ich freue mich, dass das soziale Engagement berücksichtigt worden ist.“ Die Wahlbeteiligung sei mit nicht einmal 49 Prozent allerdings erschreckend niedrig.

Das sahen in der Rathaushalle wohl alle so – egal ob Parteiangehörige, Helfer oder Neugierige. Die Wahlhelfer Birgit Hartmann und Peter Hauck berichteten zudem davon, dass viele Wähler ihr Wahlrecht nicht in vollem Umfang ausgenutzt haben, sondern etliche Stimmen einfach verschenkten. „Das ist beim Auszählen der Stimmen wirklich aufgefallen. Was da verloren ging - Wahnsinn“, meinte Hauck.

Auf der Internet-Plattform Facebook war die geringe Wahlbeteiligung ein großes Thema. So schrieb zum Beispiel Andreas Teufel: „Schade, aber auch ein wenig verständlich. Es ist keine Politikverdrossenheit, sondern eine Verdrossenheit den Politikern gegenüber. Politik ist nicht mehr so wie vor 15 Jahren.“