„Das ist eine Rarität“, sagt Thomas Riehl. Der Geschäftsführer des Vereins Fränkische Obstbauern e.V. ist viel in Sachen Obstbau unterwegs. „Von diesen Windmaschinen gibt es nicht einmal zehn in ganz Deutschland.“ Dabei helfen sie gegen ein Phänomen, das den Obstbauern in Franken seit ein paar Jahren verstärkt Sorgen bereitet: den Spätfrost.

„2011 war ganz besonders schlimm“, erinnert sich Öchsner. 80 Prozent der Ernte sind damals erfroren. Die Brüder Rauch und ihr Betriebsleiter mussten handeln. Die Frage lautete nur: wie?

Etwa acht Hektar Fläche umfasst der Betrieb am Ortsausgang Richtung Prosselsheim. Vorwiegend Äpfel werden dort angebaut, auch ein paar Zwetschgen und Birnen. In der Tallage staut sich im Frühjahr die kalte Luft, kein gutes Szenario für die Obstbäume. Erst recht nicht, weil die Klimamodelle für Mainfranken auch in Zukunft vermehrt Spätfrostereignisse voraussagen.

„Allzu viele Möglichkeiten, den Spätfrost zu bekämpfen, gibt es für die Obstbauern nicht“, bedauert Riehl. Die Frostschutzberegnung, wie sie in Südtirol oder im „Alten Land“ südlich von Hamburg angewendet wird, scheitert hierzulande oft wegen den geringen Wassermengen. Gasbetriebene Heizgebläse, die auf einem Traktoranhänger durch die Anlagen gefahren oder stationär angebracht werden, zeigen nach Riehls Worten lediglich einen durchwachsenen Erfolg. „Wir waren mit unseren Überlegungen schnell bei der Windmaschine angelangt“, erinnert sich Öchsner.

In Kalifornien sind diese Maschinen gang und gäbe, in Mainfranken wirkt die Anlage exotisch. Mit seinen zehn Metern Höhe ragt der Mast über die Obstbäume hinaus, der Propeller wird von einem Gasmotor angetrieben. „Er saugt die warmen Luftmassen aus bis zu 40 Meter Höhe an und verwirbelt sie mit den kalten Luftmassen am Boden“, erklärt Öchsner das Prinzip. Das geht ganz schön flott. Auf 170 PS schätzt Öchsner die Leistung des Propellers mit seinem Durchmesser von sechs Metern. Dank eines speziellen Gelenks passt sich der Propeller in seinen Bewegungen der Topografie des Bodens an.

Nicht alle Neusetzer sind allerdings von der Windmaschine begeistert. „Sie macht ganz schön Krach“, gibt Öchsner zu. Und sie wird fast ausschließlich zur Schlafenszeit eingesetzt.

Zwei Mal musste Öchsner die Maschine in diesem Jahr anwerfen. Ein Temperaturfühler sagt ihm, wann es so weit ist. „In den letzten Nächten haben wir die Temperaturentwicklung beinahe stündlich beobachtet“, sagt der Betriebsleiter. Kein Wunder: Die Blüten sind schon ausgetrieben, ein Frost zu dieser Zeit kann immense Schäden verursachen. „Mitte Mai wäre es allerdings noch schlimmer“, sagt Thomas Riehl. Dann hängen schon kleine Früchte an den Bäumen. „Dann könnten die Schäden ein Ausmaß wie 2011 annehmen.“

Es sei denn, man hat eine Windmaschine, die warme Luftmassen an die Bäume heranbringt und sie so vor dem Erfrieren schützt. Etwa fünf Hektar kann die Maschine eines belgischen Herstellers dank ihrer Technik schützen. Für große Betriebe ist eine Anschaffung damit durchaus eine Überlegung wert. Auch wenn es die Investitionskosten in sich haben. 40 000 Euro hat der Neusetzer Betrieb bezahlt. Pro Frostnacht kommen noch einmal rund 300 Euro an Betriebskosten hinzu. „Die anderen Lösungen sind auf Dauer aber auch nicht billiger“, sagt Riehl.

Frank Öchsner ist jedenfalls mit den Ergebnissen zufrieden. Spätfrostschäden hat es in den letzten drei Jahren auf dem Neusetzer Obstbetrieb nicht mehr gegeben. Und das soll auch in Zukunft so bleiben. „Ich gehe schon davon aus, dass die Windmaschine mindestens 20 Jahre lang hält.“