Sechs Referenten hat der Stadtrat Kitzingen Mitte Dezember bestimmt. Sechs Menschen, die für ihre jeweiligen Themenbereiche das Beste erreichen wollen. Welche Ziele und Vorstellungen sie verfolgen, stellen wir in den nächsten Tagen vor. Heute: Uwe G. Hartmann, Umweltreferent:

An Vorstellungen mangelt es ihm nicht. Und an Tatendrang auch nicht. Schon kurz nach seiner Wahl zum Umwelt-Referenten hat Uwe G. Hartmann eine Idee in die Tat umgesetzt – und ist auf eine erfreuliche Resonanz gestoßen.

Einen Anreiz schaffen, die Menschen mitnehmen: das ist Hartmanns Motto für die nächsten sechs Jahre, in denen er Kitzingen umweltfreundlicher gestalten will. Von Verboten oder Verpflichtungen hält er nichts. Viel besser sei es, mit gutem Beispiel voran zu gehen und die Bürger zu überzeugen, selbst tätig zu werden.

In diesem Sinne hat Hartmann schon kurz nach seiner Wahl am 11. Dezember zum Telefon gegriffen und die Kindergärten in der Stadt angerufen. Sein Angebot: jede Einrichtung erhält einen Obstbaum oder zwei Sträucher, die im Frühjahr gesetzt werden. Bezahlt wird die Aktion von den 500 Euro, die jedem Referenten pro Jahr zustehen. Hartmanns Vorgänger Franz Böhm hatte das Geld nicht abgerufen. „Er war nicht ganz so aktiv“, sagt Hartmann vorsichtig. Das soll sich ändern.

„Wir werden das Klima in der Stadt nur mit Bäumen verbessern.“
Uwe G. Hartmann, Umweltreferent

Elf positive Rückmeldungen hat er von den Kindergärten erhalten. „Wir werden das Klima in der Stadt nur mit Bäumen verbessern“, nennt er einen Grund für das Engagement. Der wichtigere: schon die ganz kleinen Bürger werden für Umweltthemen sensibilisiert. „Sie sehen, dass das Obst nicht im Supermarkt wächst“, sagt Hartmann. „Und motivieren vielleicht auch ihre Eltern, einen Baum oder Strauch zu pflanzen.“

2014 ist Hartmann für die Bayernpartei in den Stadtrat gewählt worden. Schon damals wäre er gerne Umweltreferent geworden. Die Posten wurden allerdings nach Proporz verteilt. Als Einzelkämpfer fiel Hartmann kein Referat zu. Dennoch hat er immer wieder Anträge zu Umweltthemen gestellt. „20 bis 30 an der Zahl.“ Einige sind angenommen worden, andere nicht. So wie sein Ansinnen, künftig Photovoltaik auf allen Dächern der Innenstadt zuzulassen. Denkmalschützer und Stadtheimatpfleger waren strikt dagegen. Für den Etwashäuser kein Problem. „Dafür leben wir in einer Demokratie.“

In seinem Beirat wird je ein Vertreter aus jeder Fraktion sitzen. Elf Sitzungen möchte der Etwashäuser in diesem Jahr anbieten – jeweils eine Stunde vor der Besprechung des Verwaltungs- und Bauausschusses. „Die Themen überlappen sich“, meint Hartmann. Seine Erfahrung: die meisten Investoren von Großprojekten sind Umweltthemen gegenüber gar nicht abgeneigt. „Man muss nur miteinander sprechen.“ Georg Wittmann hat er beispielsweise drei Tage nach seiner Wahl aufgesucht. Hartmanns Vorschlag, eine Fläche für Streuobstwiesen in den Marshall-Heights zur Verfügung zu stellen, stand Wittmann positiv gegenüber. Auch der Investor am Etwashäuser Bahnhof sei nicht abgeneigt gewesen, ein Biotop auf dem Areal anzulegen. „In den letzten Jahren ist viel zu wenig über solche Möglichkeiten geredet worden“, sagt Hartmann. Dabei seien Kompromisse – im Sinne der Natur – sehr häufig möglich.

In diesem Sinne kann er sich auch die Umsetzung eines Projektes aus der holländischen Stadt Uetrecht in Kitzingen vorstellen. Dort sind Bushaltestellen zu „Bienenhaltestellen“ umgewandelt worden. „Die Dächer sind entsprechend begrünt worden“, erklärt er. Mit den Stadtgärtnern, die er als äußerst umtriebig und kreativ kennengelernt hat, will er in Kürze darüber reden.

Im Februar will Hartmann außerdem einen Antrag im Stadtrat einreichen. Ähnlich wie in Dettelbach, sollen auch in Kitzingen künftig Schottergärten verboten werden. „Bei Neubauvorhaben“, betont Hartmann. Für bestehende Anlagen gelte natürlich ein Bestandsschutz. Dennoch schwebt ihm auch hier eine Verbesserung vor – nicht mit Verboten, sondern mit Anreizen. Wer seinen „Schottergarten“ umwandelt oder grüne Oasen hinein pflanzt, der hat die Chance auf den neu geschaffenen „Umwandlungspreis.“ Das Preisgeld soll aus dem Budget 2021 für sein Referat stammen.

Mehr Schnellladestellen für E-Autos wünscht sich Hartmann im Stadtgebiet, einen Bestattungswald in der Siedlung und bei der städtischen Bau GmbH sieht er Nachholbedarf hinsichtlich des Umweltschutzes. Dass beim Abriss der Häuser in der Breslauer Straße auch etliche Dutzend Bäume gefällt wurden, ärgert ihn heute noch. Mit einer „Baumsatzung“, wie er sie im letzten Jahr im Stadtrat vorgeschlagen hat, wäre das nicht möglich gewesen. Demnach dürften Bäume erst dann gefällt werden, wenn sie von den Experten aus der Stadtgärtnerei unter die Lupe genommen wurden. Jetzt sei eine Kompensation für die Fällung dringend nötig.

Uwe G. Hartmann weiß, auf was er sich bei der Wahl zum Umweltreferenten eingelassen hat. Viel Arbeit, viel Kommunikation, viel Aufwand. Abschrecken lässt er sich davon nicht. Im Gegenteil: OB Stefan Güntner hat er kurz nach seiner Wahl gebeten, auch den Tierschutz mit ins Referat aufzunehmen.