Er ist so etwas wie der Roger Federer des Dart-Sports. Ein Mann, der alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt. Und der jetzt langsam Richtung sportlichen Ruhestand einbiegt. Vorher kommt Phil Taylor aber nach Geiselwind, An diesem Samstag misst er sich mit den besten E-Dart-Spielern Deutschlands. Einer davon wohnt in Kleinlangheim.

Andreas Demankin steht 2,37 Meter von der Dartscheibe entfernt. Ein rotes Band am Boden markiert die vorgegebene Entfernung zur Scheibe. Demankin holt aus, sein Dart fliegt in sanftem Bogen und landet in der Triple 20. Besser geht es nicht. Die zwei weiteren Darts versenkt er ebenfalls in der Triple 20. Andreas Demankin lächelt. Phil Taylor kann kommen.

„The Power“ wird der Engländer genannt, der maßgeblich dafür verantwortlich war, das Dart-Spiel einer breiteren Masse an Zuschauern schmackhaft zu machen. Deutsche Sport-Sender übertragen mittlerweile live Turniere aus England oder Deutschland. Bei der Weltmeisterschaft im berühmten „Alily-Pally“ (Alexandra Palace in London) ist das Fernsehen zwei Wochen lang am Start. Die Zuschauerquoten können sich sehen lassen. Fast 1,5 Millionen sah das letztjährige Finale. Die Begeisterung hat viel mit Phil Taylor zu tun.

„Er war am Anfang der Einzige, der das Spiel professionell angegangen ist“, lobt Demankin. Jeden Tag Training, ein Mentalcoach an der Seite. Über Jahre war er quasi unschlagbar. Mittlerweile gibt es eine Reihe junger Profis, die ihm den Rang streitig gemacht haben. Andreas Demankin hat gegen zwei von ihnen schon mal gespielt. Adrian Lewis und Simon Whitlock. Sie gehören zur erweiterten Weltspitze. Demankin hat gewonnen. Dennoch: Eine Profikarriere kam und kommt für ihn nicht in Frage. „Zu ungewiss das Ganze“, sagt er. „Zu hohes Risiko.“ Die Profis leben von Preisgeldern und müssen um die halbe Welt reisen, um an lukrativen Turnieren teilzunehmen. „Man steht da ganz schön unter Zugzwang“, sagt Demankin, der sich vor Jahren selbstständig gemacht hat und Baustellen betreut.

In Würzburg ist er aufgewachsen, hat sich in verschiedenen Sportarten ausprobiert. „Kampfsport vor allem“, erzählt er. „Auch Boxen.“ Die ersten Darts hat er als Achtjähriger beim Nachbarsjungen geworfen. „Mit wenig Ehrgeiz“, erinnert er sich. Dennoch: Als Jugendlicher hat er mit dem Ligasport angefangen, zwei Jahre lang intensiv trainiert. In Dettelbach hat er seine sportliche Heimat gefunden. Die „Mac Leods Dettelbach“ spielen in der Dart-Bundesliga – und das mit beachtlichem Erfolg: Acht Mal Deutscher Meister, zwei Mal World-Cup-Sieger. „Aktuell sind wir Deutscher Vizemeister“, erzählt der 35-Jährige. Seine Mitspieler kommen aus Bamberg, Lauf, Gießen und dem Saarland. „Mit der Zeit kennt man sich in der Szene ganz gut“, sagt er. Andreas Demankin ist seit Jahren ein bekanntes Gesicht in den Dart-Hallen.

Am letzten Wochenende hat er bei der Champions-League in der Schweiz gespielt, jetzt also der Schaukampf gegen Phil Taylor. Vier deutsche Spieler konnten sich in Vorkämpfen für das Match qualifizieren, Andreas Demankin ist knapp gescheitert, als einer von zwei Nachrückern dennoch nominiert worden. Respekt hat er vor „The Power“ – aber keine Angst. „Ich kann ihm in die Suppe spucken“, meint er. Zumal nicht auf die traditionellen Steel-Dart-Scheiben gespielt wird, sondern auf E-Dart-Scheiben. Der Unterschied ist für Laien nicht der Rede wert, für Profis kann er entscheidend sein. Einen Zentimeter tiefer hängt die Scheibe beim E-Dart. „Bei den automatisierten Abläufen kann das schon eine Rolle spielen“, erklärt Demankin. Außerdem dürfe man normalerweise nur mit 18 Gramm schweren Darts auf die elektronische Scheibe werfen. Taylor bevorzugt schwerere Pfeile.

Demankins Darts sind Spezialanfertigungen. Bei Dart–Bauer Jochen Weißmann (diesen Beruf gibt es tatsächlich) hat er sich die Pfeile quasi auf seinen Leib schneidern lassen. Wo liegt der Schwerpunkt? Welcher Grip wird verwendet? Welches Material ist am beständigsten? Ein halbes Jahr haben die beiden an den Antworten getüftelt. Demankin setzt auf Darts aus 95 Prozent Wolfram und fünf Prozent Edelstahl und auf ein Außengewinde. „Wegen der besseren Flugeigenschaften.“

Die Zuschauer werden von all dem am Samstag nichts mitbekommen. Sie werden Phil Taylor und seinen Herausforderern zujubeln und auf spannende Spiele hoffen. „Es kann alles passieren“, sagt Andreas Demankin. Möglich, dass die deutschen Herausforderer kein Land gegen „The Power“ sehen werden, möglich aber auch, dass es andersherum läuft. „Auf Phil Taylor kommt jedenfalls eine Menge Arbeit zu“, prophezeit er.

Termin: Samstag, 28. Oktober, in der EventHalle Geiselwind. Einlass ab 16 Uhr, Beginn um 18 Uhr.

Vorverkauf: Kategorie 1, vorne: 29 Euro (incl. Gebühren). Kategorie 2, ab Mitte: 22 Euro. Tickets erhältlich: unter www.shop.Eventzentrum-Geiselwind.de

Spielzeit: rund vier Stunden.

Modus: Sechs Einzel, 501 D.O., best of five – und ein eventuelles Entscheidungsmatch. Außerdem ein besonderes Mixed mit Phil Taylor sowie ein weiterer Team-Wettbewerb gegen ein regionales Team.

Die Stimme: Das Ganze wird von John Fowler, der Stimme des Dartsports schlechthin, kommentiert und moderiert.

Weitere Infos auf www.dart1.net