„Ich habe an einem Weltrekord teilgenommen.“ Bis Ulrike Hawelka ihre Mail mit diesem neugierig machenden Betreff losschickte, hat es ein bisschen gedauert. Sie hat gegrübelt und gezögert. Und dann doch gedrückt. Obwohl – oder weil – es kein richtiger Weltrekord ist. Keiner im Sinne des Guinness-Buches. Die Astheimerin hat sich trotzdem getraut. Ihren Auftrag erfüllt: Sie hat sich „sichtbar“ gemacht. Und ist damit einen großen Schritt in die Richtung gegangen, die sie so lange gesucht hat: ihre Mitte.

Ulrike Hawelka ist eine besondere Frau und doch so normal. Nach der Schule absolvierte sie bei SKF in Schweinfurt ihre Ausbildung zur Industriekauffrau und ist dem Unternehmen bis heute treu geblieben. Aufgewachsen in Schallfeld, verschlug es sie zwar für einige Jahre in die Niederlassung in Wien – der Liebe wegen, wie sie lächelnd verrät. Danach fand sie wieder den Weg in die Heimat. In Astheim lebt sie in einem kleinen Anwesen nahe der Kirche, hat es sich in ihrem Massage- und Yoga-Haus gemütlich gemacht. Dort herrscht zwischen knarzenden Holzbalken und freigelegten Steinmauern eine besondere Atmosphäre. Sogar der Kaffee schmeckt anders. Einen Fernseher gibt es nicht. Und auch keine Kinder. Zwei Tatsachen, die das Leben von Ulrike Hawelka maßgeblich beeinflussen – und damals beeinflusst haben.

Die eigene Praxis ist das „Baby“

Ihre Arbeit bei SKF nahm die knapp 30-Jährige nach ihrer Rückkehr aus Österreich stark in Anspruch – und trotzdem schien ihr Leben nicht ausgefüllt. Ihr Kinderwunsch blieb, aus verschiedenen Gründen, unerfüllt. Der Job allein reichte ihr nicht mehr. Als sie durch Zufall auf die Anzeige einer Ausbildung für Entspannungsmassagen stieß, meldete sich an. Fasziniert davon, anderen etwas Gutes zu tun, wurde sie im Jahr 2000 an ihrer Schule nicht nur als „Touch-Life“-Masseurin zertifiziert, sondern 2008 auch von der Europäischen Ayurveda-Akademie. All das absolvierte sie in ihrer Freizeit. „Mein Kind ist meine Praxis.“

Die Philosophie des Ayurveda beeinflusste sie nachhaltig. „Sie hat mein Leben verändert“, sagt die 52-Jährige heute. Sie lernte die verschiedenen Konstitutionstypen, die Doshas, kennen, erfuhr, dass sie selbst eine Mischung aus Vata und Pitta und ziemlich weit weg davon ist, eine Kapha zu sein. „Ich habe viel über mich und meine Mitmenschen gelernt, wie ich mein Leben und meinen Tagesablauf typgerecht gestalte, um gesund zu werden und gesund zu bleiben.“ Yoga gehört für sie untrennbar dazu. So ließ sie sich 2012 zur Yoga-Lehrerin und 2013 zur Ayurveda-Ernährungsberaterin ausbilden.

Vor drei Jahren wurde trotzdem alles zu viel. „Ich war so erschöpft, hatte Gleichgewichtsprobleme“, erinnert sie sich an diese Phase. Der dreiwöchige Urlaub in Kanada und ein Ultimatum für den Arbeitgeber zeigten aber Wirkung. Nach drei weiteren Monaten Auszeit fand Ulrike Hawelka zurück zu ihrem Gleichgewicht – und ein besonderes Buch: „Der 5-Uhr-Club“ von Robin Sharma.

Mit Ritualen zum guten Leben

Dessen These, der Tag und das ganze Leben könne gut werden, wenn man nur die richtige Morgen-Routine entwickle, ließ die Astheimerin aufhorchen. Sie habe so viele Parallelen zu ihren eigenen Gewohnheiten und Bedürfnissen entdeckt, dass sie schnell entsprechende Rituale entwickelte, erzählt sie heute. Begünstigt durch Homeoffice und eingesparte 30 Minuten Autofahrt begann Ulrike Hawelka, jeden Morgen um 5 Uhr aufzustehen und Yoga zu machen. Eine Stunde, nur für sich. „Seit ich dem 5-Uhr-Club angehöre, habe ich nicht mehr dieses Nachmittagstief, sondern bin den ganzen Tag über fit und energiegeladen“, versichert sie. Die abendliche Bettgehzeit müsse sie zwar auf spätestens 22.30 Uhr vorziehen. „Das ist aber im Ayurveda sowieso die Grenze.“ So könne sie ausgeruht wieder um 5 Uhr aufstehen – und den Tag in vollen Zügen genießen. „Ich habe so viel mehr Zeit und Kraft. Es ist einfach genau das Richtige für mich.“

Sichtbar mit Weltrekord

Womit wir wieder beim Weltrekord wären. Den hat Ulrike Hawelka zusammen mit 311 weiteren Teilnehmern an einem Online-Workshop des populären Motivationstrainers Hermann Scherer aufgestellt. Das Thema: „Sichtbar werden“. Im Workshop erhielt jeder Teilnehmer die Aufgabe, ein kurzes Referat über ein Thema zu halten, das sein Leben bestimmt oder beeinflusst hat – Hawelka wählte den 5-Uhr-Club aus, andere sprachen über ihren Job, ein Abnehm-Projekt oder die Kinder-Erziehung. Am Ende des Tages stellte Scherer schließlich fest: „Wir haben heute einen Weltrekord aufgestellt. Noch nie zuvor haben so viele Menschen in so kurzer Zeit so viele Themen in einem Online-Workshop angesprochen.“

Ob diese Feststellung, dieser „Weltrekord“, nun wirklich weltbewegend ist, muss jeder selbst entscheiden. Für Ulrike Hawelka war er zumindest ein Puzzleteil, das in ihrem Leben bisher gefehlt hat. „Ich bin keine große Rednerin, niemand, der im Mittelpunkt steht“, sagt sie von sich selbst. Sie habe sich da ausprobieren wollen und sei jetzt richtig stolz, dass sie diese Aufgabe gemeistert hat. Diese und die Folgeaufgabe dazu. Dafür hatte Hermann Scherer vorgesehen, dass man den „Weltrekord“ öffentlich macht – was mit Ulrike Hawelkas Mailversand ebenfalls geschehen ist.

Eigentlich kaum zu glauben, dass Hawelka erst einen solchen Anstoß gebraucht hat, um „sichtbar zu werden“. Diese Frau hat eine besondere Ausstrahlung – selbst wenn sie nur den Kaffee serviert, der mit ayurvedischen Gewürzen verfeinert ist. Sie hat ihren Weg gefunden. Möchte jedem davon erzählen. Sie ist in ihrer Mitte angekommen.

Hilfe für ein gutes Leben

Ayurveda Die 5000 Jahre alte Heilkunde bedeutet „Wissen vom Leben“. Ziel ist es, mit Ernährung und Bewegung den Körper zu entgiften und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

5-Uhr-Club Robin Sharma ist ein weltweit bekannter Personal Coach und Gründer des „5-Uhr-Clubs“. Im gleichnamigen Buch erklärt er auf der Basis neurowissenschaftlicher Studien, wie man es mit der richtigen Morgenroutine schafft, die eigene Kreativität zu steigern, beste Gesundheit zu erreichen und die innere Gelassenheit beizubehalten.

Sichtbar werden Hermann Scherer ist ein deutscher Autor und Redner. Titel wie „Von den Besten profitieren“, „Jenseits von Mittelmaß“ oder auch „Glückskinder“, „Schatzfinder“ und „Glücksgeschenke“ machten ihn zu einem der begehrtesten „Speaker“ des Landes. In Freising absolvierte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann, inklusive der Anerkennung der Regierung von Oberbayern für hervorragende Leistungen. Danach studierte er Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing in Koblenz, Berlin und St. Gallen.