Die vom Kultusministerium ausgerufene Testwoche ist vorbei. Ab Montag sollen die neuen „Pooltestungen“ auch in den Grundschulen des Landkreises flächendeckend eingeführt werden. So mancher Lehrer wird mit den Augen rollen und manchem Schulleiter die Spucke wegbleiben angesichts eines weiteren, drohenden Wochenendes im Schulbüro. „Alle Schulleiter, die ich kenne, sind am Ende ihrer Kräfte“, sagt eine von denen, die das „Pooltestdrama“ ausbaden müssen. Nach der Mebis-Panne und dem Luftfilter-Dilemma die nächste Unzulänglichkeit. „Ich würde mir wünschen, dass die Politik auch einmal zugibt, wenn etwas schief gelaufen ist“, sagt das Mitglied einer Schulleitung aus dem Kreis Kitzingen. „So stehen die Schulen als Versager da.“

Wenn das Programm versagt, nützt der beste PC nichts

Es läuft nicht wirklich gut mit den Pooltests. Am glücklichsten mit der neuen Situation sind noch die Kinder – auch wenn der ein oder andere enttäuscht war ob des geschmacksneutralen „Lollis“. Zwei Stäbchen müssen gelutscht, dann in die dafür vorgesehenen Röhrchen gesteckt werden. Für die Schüler ist die Sache damit erledigt, ganz ohne Niesanfall oder Nasenbluten – nicht aber für die Lehrkraft, die sich im Übrigen schon weit vor Unterrichtsbeginn kümmern muss: Um die benötigten Materialien, die Aufkleber mit Schülercodes – und einen PC mit funktionierender Software. Zwar sind viele Schulen inzwischen auch mit Lehrer-Tablets ausgestattet. Wenn aber das Programm versagt, nützt der beste PC nichts. „Alle Kollegen waren schon völlig genervt“, erinnert sich die Schulleitung an den Tag, als die Dateneingabe nicht funktionierte. Die Lehrkraft bestätigt das. „Wir haben es alle paar Minuten probiert. Während des Unterrichts.“ Letztendlich musste sie die Aufgabe wieder an die Schulleitung übergeben – die sie um 19.30 Uhr, während des Abendessens, endlich erledigen konnte.

Kein Wunder, dass die Schulleiter, die nicht erst seit Corona gut vernetzt und im Bayerischen Schulleiter-Verband (BSV) bezirksweise vertreten sind, einen Brandbrief an ihren Vorgesetzten, Dr. Michael Piazolo, gerichtet haben. „Die Einführung der Pooltests an den Grundschulen mit diesem Zeitdruck ohne soliden Verwaltungsvorlauf ist unrealistisch“ steht dort geschrieben. Und außerdem schwarz auf weiß: „Uns bleibt im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg, Herr Minister.“

Schließlich sei die Installation des neuen Systems in diesem Stadium viel weniger sinnführend als die gewohnten Schnelltests, die noch zur Genüge in den Schulen gelagert sind. „Was für eine Verschwendung der Ressourcen!“ Mit den Pooltests erfahren Eltern und Schule frühestens am Nachmittag von einer positiven Testung, ein individuelles Ergebnis zeigt erst der Einzeltest an – der möglicherweise, wegen technischer und persönlicher Überlastung, erst bis zum nächsten Tag ausgewertet ist. Diese Aussagen stützt unter anderem auch Rupert Beck, Schulleiter an der Mittelschule Alzenau und unterfränkischer Bezirksvorsitzender des BSV. „Alle sind wirklich sehr angespannt.“

Angespannt ist die Lage auch im Kitzinger Schulamt. Dort fühlt man mit seinen Schulleitern mit. Schulrat Florian Viering erklärt, dass man in engem Austausch stehe und die Behörde sich „der Mehrbelastungen der Grundschulen (...) bewusst sei“. „Dies ist leider seit Beginn der Pandemie eine Begleiterscheinung.“ Um den Schulen personelle Unterstützung zukommen zu lassen, fehle es aber an Ressourcen. Es habe zwar eine Anpassung der Arbeitszeit von Verwaltungsangestellten gegeben, die habe sich aber ausschließlich auf die jeweilige Klassenanzahl an der Schule und nicht auf den erhöhten logistischen und verwaltungstechnischen Aufwand durch die Pooltests bezogen.

Es heißt also weiterhin „Durchhalten“ für Schulleiter und ihre Lehrkräfte. „Unsere Schule hat es geschafft“, sagt das Mitglied der Schulleitung – durch hohen persönlichen Einsatz und lange Arbeitswochen (-enden), die an den Kräften gezehrt haben. „Dabei wollten wir diesmal gestärkt in das Schuljahr starten.“ Die Ankündigung, dass ab Schulstart Pooltests durchgeführt werden, habe man durchaus positiv, als „Gewinn für alle“, gesehen. Dass die Einführung aber so übers Knie gebrochen wurde zeige einmal mehr, dass „sich scheinbar kein Verantwortlicher nur in Ansätzen vorstellen kann, wie in den Schulen gearbeitet werden muss“ und wie schwer es ist, Zusatzaufgaben in diesem Ausmaß zu bewältigen.

Endlich wieder Schule, in der das Kind die Hauptrolle spielt

Und so herrscht Einigkeit bei den Schulleitern, wenn es um ihre Wünsche für die Zukunft geht. „Endlich wieder Schule, in der das Kind und der Unterricht die Hauptrolle spielen“.

Weniger Bürokratie wünscht man sich, weniger Verwaltungs- und Organisationsaufgaben, zu denen seit anderthalb Jahren unter anderem auch die regelmäßige Prüfung der Hygienemaßnahmen zählt. Dafür ein bisschen mehr Anerkennung des Geleisteten oder zumindest Ehrlichkeit in der Politik, wenn etwas nicht funktioniert hat – und wenn es darum geht, dem Lehrermangel ins Auge zu blicken. „Am Wichtigsten wäre aber ein Privatleben für Schulleiter“, sagt jemand, der es wissen muss und anonym bleiben will. Keine beruflichen Telefonate, keine Mails. Und Wochenenden, an denen einem höchstens wegen der schönen Aussicht beim Spaziergang die Spucke wegbleibt. Foto: Schulamt

Pooltests in der Schule

Entscheidung Am Montag, 13. September, um 20 Uhr erhielten die Schulleitungen die offizielle Benachrichtigung des Kultusministeriums, dass die Pooltests bis 15. September vorbereitet sein sollen, um am 20. September in die Testwoche gehen zu können. Laut Aussage des Kitzinger Schulamtes sollen ab 27. September alle Schulen auf Pooltests umgestellt haben. In dieser Zeit mussten die Einrichtung der Systeme, die Schulung der Mitarbeiter sowie das Einpflegen aller Schülerdaten und Einholen aller Einverständniserklärungen gewährleistet werden.

Durchführung Die Lehrkraft bereitet Material und Aufkleber mit Schülercodes vor und trägt bis spätestens 10 Uhr die Teilnahme (bzw. Abwesenheit) der Schüler in das Portal ein. Den Test selbst erledigen die Kinder alleine, haben aber zwei unterschiedlich große Wattestäbchen und müssen diese in die richtigen Röhrchen stecken. Diese beklebt die Lehrkraft mit den passenden Codes, verpackt alles vorschriftsgemäß und bringt es dem Kurier um ca. 9 Uhr persönlich an die Tür. Für die ordnungsgemäße Übergabe bürgt sie mit ihrer Unterschrift.

Weiterverarbeitung Die Röhrchen gehen an ein Labor, das zunächst nur den Sammeltest prüft. Die Einzelproben werden erst dann untersucht, wenn der Sammeltest ein positives Ergebnis anzeigt. Die Pooltests sind also nicht nur aus datenschutzrechtlicher Sicht zu begrüßen, sondern auch aus gesundheitlicher: Es handelt sich dabei um PCR-Tests. Sie verfügen über eine höhere Genauigkeit als die bisher verwendeten Schnelltests.