„Es sieht schlecht aus“, sagt Bürgermeister Gerhard Ackermann auf die Frage nach der Umgehung. Nach Aussage des Staatlichen Bauamtes müssten erst neue Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden, bevor weitergebaut werden kann. Ab März/April 2016 sollen die Arbeiten demnach fortgeführt werden. Wann die Ortsumgehung dann endlich fertig ist? „2017“ gibt der Bürgermeister als Antwort, wobei ihm eine gewisse Skepsis anzumerken ist. Kein Wunder, war beim Spatenstich im Sommer 2012 doch noch von einer Verkehrsfreigabe im Jahr 2014 die Rede gewesen. Und auf den Spatenstich hatten die Rüdenhäuser sogar fast 40 Jahre warten müssen.

„Wir würden schon mehr machen. Die finanzielle Lage lässt das nicht zu.“
Gerhard Ackermann, Bürgermeister

Auch wenn die Straßenbauarbeiten stocken, tut sich in Rüdenhausen so manches. Kirchenscheune, Kirchplatz, Paul-Gerhard-Platz, Ortseingang Nord: Das erste Paket der Dorferneuerung ist fertig geschnürt und genehmigt, mit der Scheune die erste Maßnahme fertig. Für das zweite Paket werden derzeit die vorbereitenden Vermessungen durchgeführt. Wann die Umsetzung kommt, das hängt dann wieder vom Bau der Umgehung ab: „Da geht es vor allem darum, die innerörtlichen Straßen aufzuwerten. Das geht erst, wenn uns die Straßen auch gehören“, stellt Ackermann klar.

1,1 Millionen Euro stehen als Investitionen alleine in Hoch- und Tiefbaumaßnahmen im Haushalt 2015 und auch in den nächsten Jahren hat die Gemeinde viel vor. Einfach wird das nicht, denn auch wenn Rüdenhausen schuldenfrei ist und über Rücklagen von 1,1 Millionen Euro verfügt, sind keine großen Sprünge möglich. „Wir würden schon ab und zu gern mehr machen“, gibt Ackermann zu. „Aber aufgrund der finanziellen Lage und aufgrund dessen, was auf uns zukommt, müssen wir sparsam sein.“

50 000 bis 60 000 Euro nimmt die Gemeinde meist an Gewerbesteuer ein, in diesem Jahr ist der Ansatz mit 95 000 Euro im Haushaltsplan relativ hoch. Doch kein Vergleich mit Abtswind: Der knapp drei Kilometer entfernte Ort mit genau der gleichen Einwohnerzahl wie Rüdenhausen kalkuliert heuer mit 950 000 Euro – das ist zehnmal so viel. Verständlich also, dass sich die Rüdenhäuser schwerer tun.

2,5 Millionen Euro müssen für die Dorferneuerung kofinanziert werden, 240 000 Euro stehen für die Kanalsanierung an. Die Abwasserleitungen im Altort tun seit 1958 Dienst. „Auch da kommt mit Sicherheit eine Sanierung“, sagt der Bürgermeister. Die Breitbandversorgung kostet rund 110 000 Euro. Daneben stehen natürlich noch „die ganz normalen Sachen“ im Haushalt.

Verbessern könnte sich die finanzielle Situation durch die neuen Gewerbegebiete, die an den Ortseingängen entstehen. Sobald Baurecht da ist, soll vor allem für das Gewerbegebiet Nord schnell die Erschließungsstraße gebaut werden, da im Bereich hinter dem ehemaligen Autohof ein Eigentümer ein Logistikzentrum errichten will. Für den Autohof selbst ist ein neuer Betreiber gefunden, der im November eröffnet, außerdem soll auf dem Gelände ein Outlet-Center entstehen.

Etwas zäher geht es mit dem Bauen in Rüdenhausen. Das letzte Baugebiet wurde 2007 erschlossen, von den 14 Bauplätzen sind zwei bebaut, einer verkauft und drei reserviert. Gerhard Ackermann hofft, dass das Gebiet jetzt, nach acht Jahren, weitgehend voll wird. Gebaut wird meist von Einheimischen, Fremde ziehen eher selten nach Rüdenhausen. Leerstehende Häuser gibt es laut dem Bürgermeister nur wenige.

Als Problem bezeichnet er die Nahversorgung. „Gott sei Dank gibt es die Bäckereifiliale“, sagt Ackermann, auch wenn die nur vormittags geöffnet hat. Sonst aber gibt es nichts, die meisten Einkäufe werden in Wiesentheid erledigt und dorthin sei auch die Busverbindung ganz gut. Neben dem normalen ÖPNV gibt es im Sommer den Dorfschätzebus – doch warum der von den Einheimischen kaum angenommen wird, kann Ackermann nicht nachvollziehen. Der Dorfschätze-Express ist neben den Einheimischen vor allem für Touristen gedacht. Allerdings ist es mit dem Tourismus in Rüdenhausen nicht allzu weit her. Der Ort habe kleine, versteckte Dorfschätze, sagt der Bürgermeister. Als Highlight gibt es den Taufengel in der evangelischen Kirche, der zur Taufe von der Decke heruntergelassen wird, sowie die Schirnbachquelle – ein Naturdenkmal. Und natürlich das Schloss des Fürstenhauses, das aber nicht öffentlich zugänglich ist. Der Park wird bei zahlreichen Veranstaltungen genutzt und häufig den Vereinen zur Verfügung gestellt. Vor allem bei der Kirchweih wird die enge Verbindung zwischen Fürstenhaus und Ortsbevölkerung deutlich. Beispielsweise geht der Schlosstanz auf eine Initiative einer früheren Fürstin zurück. Eine Tradition, die um 1894 entstand und bis heute erhalten geblieben ist.

„Die Nähe zur Autobahn wird letztlich nicht ausgenutzt.“
Gerhard Ackermann zum fehlenden Tourismus

Bei der Frage nach Übernachtungs- und gastronomischen Betrieben runzelt der Bürgermeister die Stirn, spricht vorsichtig von renovierungsbedürftigen Zimmern und Öffnungszeiten, die überdacht werden sollten. „Wenn der Dorfschätzebus durch Rüdenhausen fährt, dann sollte es hier auch die Möglichkeit geben, einen Kaffee zu trinken.“ Fünf Einkehrmöglichkeiten gibt es im Ort. „Kein Aushängeschild“, sagt der Bürgermeister, auch wenn er den einen oder anderen ausnimmt. Für ihn ist klar: „Die Nähe zur Autobahn wird letztlich nicht ausgenutzt.“

Das Vereinsleben dagegen bezeichnet er als sehr gut, die Zusammenarbeit der Vereine untereinander sei vorbildlich. Elf Vereine gibt es in Rüdenhausen, bei etwa 850 Einwohnern. „Fast alle haben eine eigene Fahne“, betont der Bürgermeister. Nur einer von vielen kleinen Aspekten, die zum Leitspruch passen, der auf den Ortsprospekten steht: „Marktgemeinde Rüdenhausen. Traditionen bewahren – Zukunft gestalten.“

Rüdenhausen

Der Markt Rüdenhausen liegt im östlichen Landkreis, gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid und hat 848 Einwohner (Stand Juni 2014). Im Ort gibt es einen Kindergarten, die Grundschüler werden in Wiesentheid unterrichtet. Der Ort liegt an der B 286 sowie nahe der Autobahn A 3. Seit 2008 ist Gerhard Ackermann Bürgermeister.